Kennt ihr Geruchserinnerungen? Euch steigt ein Duft in die Nase und auf einmal sind da Bilder und Erlebnisse vor eurem inneren Auge, die euch ratzfatz in eure Kindheit zurückversetzen?

So ging es mir in der vergangenen Woche, als ich das Vergnügen hatte, den Betrieb des größten Bio-Tee- und Gewürzproduzenten Deutschlands besuchen zu dürfen. Im Rahmen der Besichtigung durfte ich auch in das riesige Lager hinein schnuppern, in dem zahllose Gewürze und Tees aus aller Welt lagerten. Von A wie Anis bis Z wie Zimt gab es dort alles, was Nase und Geschmacksnerven betört.

Als ich das Lager betrat, fühlte ich mich schlagartig in die frühen 80er Jahre zurück versetzt. Der Geruch, der mir beim Betreten der riesigen Lagerhalle in die Nase stieg, war derselbe, den ich vernahm als ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Bioladen betrat. Ich war sieben Jahre alt und gerade mit meinen Eltern nach Bochum umgezogen. In Herne, wo wir zuvor gewohnt hatten, gab es keine Bioläden. Lediglich ein Reformhaus fristete dort sein Dasein, das aber auch nur dann von uns aufgesucht wurde, wenn jemand krank war und daher dringend eine Flasche Rotbäckchen gekauft werden musste.
Nun gab es vor unserer Haustür einen Bioladen. Meine Mutter, eine leidenschaftliche Bäckerin, war hoch erfreut, denn sie hatte gehört, dass der Laden über eine Getreidemühle verfügte, wo man sich frischen Schrot und frisches Mehl unterschiedlichster Art und Herkunft mahlen lassen konnte. Also betraten wir an einem grautristen Januarnachmittag des Jahres 1982 zum ersten Mal einen Bioladen. Begrüßt wurden wir dabei vom Gebimmel einer mindestens zwölfstimmigen Türharfe, die sich noch Minuten nach dem Schließen der Tür nicht beruhigen wollte. Im Laden selbst umgab uns dann dieser besagte Duft, den ich auch im Gewürz- und Teelager wieder in der Nase hatte. Es roch ungewohnt. Die Note bewegte sich irgendwo zwischen muffig und würzig mit einem Hauch von Exotik.

Das Sortiment des vielleicht vierzig Quadratmeter großen Ladenlokals beschränkte sich auf verpackte Waren. Von Gemüse oder Obst keine Spur. Auf dem langen hölzernen Tresen thronte dann das Objekt unserer Begierde, die Getreidemühle. Im Hintergrund lagerten die dazugehörigen Säcke mit Getreide unterschiedlichster Art. Ebenfalls hinter dem Tresen stand die freundliche Inhaberin des Ladens. In Strickpulli, Leinenhose und, wie sich später herausstellen sollte, barfüßig in offenen Latschen, was für die Jahreszeit durchaus als gewagt empfunden werden konnte.

Sie begrüßte uns freundlich und erkannte sofort, dass es sich bei uns nicht um ihre Stammkundschaft handelte. Meine Mutter ließ sich ausführlich über die Getreidesorten beraten und fachsimpelte mit der guten Dame über Backrezepte, Haltbarkeiten und mögliche Verwendungen. Um mir die Wartezeit etwas zu versüßen, bekam ich eine Süßigkeit in die Hand gedrückt: Den ersten Müsliriegel meines Lebens. Vorsichtig packte ich ihn aus, begutachtete ihn skeptisch und biss dann, nachdem ich einige von mir heiß geliebte Rosinen entdeckt hatte herzhaft hinein.

Mit einer großen und vor allem schweren Jutetasche voller frisch gemahlenem und geschrotenem Mehl verließen wir eine gefühlte Ewigkeit später den Laden, den wir fortan regelmäßig besuchen sollten. Noch heute vergeht kaum ein Besuch im Bio-Supermarkt oder -Laden, ohne dass ich mir einen Müsliriegel kaufe. Auch wenn ich den nicht immer direkt im Laden esse.

Bio-Blogparade:

Wie war das mit eurem ersten Besuch im Bio-Laden? Wann war das? Woran erinnert ihr euch, was hat euch beeindruckt? Wann und warum habt ihr euch zum ersten Mal mit Bio beschäftigt. Wir rufen auf zur Bio-Blogparade. Bloggt eure Erlebnisse und verlinkt auf diesen Artikel. Wir listen eure Artikel auf und werden Anfang Juli eine Zusammenfassung hier im Blog veröffentlichen. Wir sind sehr gespannt auf eure Artikel und Erlebnisse. Wenn ihr wissen wollt, wie Blogparaden funktionieren, dann klickt einfach hier.

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