Satt ist nicht genug – gesund soll es sein, das Essen in der Kita, gut schmecken und frisch sein. Wie werden die Kitas in (langsam beginnenden) Zeiten der Ganztagsbetreuung diesem Anspruch gerecht und welche Rolle spielt der Bio-Gedanke?

Als Alleinerziehende, die froh ist, überhaupt eine Betreuung für die Kinder zu haben, um arbeiten gehen zu können, war das Thema Kitaernährung ehrlich gesagt bisher nicht ganz oben auf meiner Prioritätenliste. In unserer Kita wird frisch gekocht und der Speiseplan ist ausgewogen, außerdem bekommen die Kinder frisches Obst (das organisieren die Eltern) und Getränke stehen immer bereit – was will man mehr? Ja, da gibt es schon noch was: Seitdem ich mich verstärkt mit umweltpolitischen Themen und ökologischer Landwirtschaft beschäftige, will ich auch wissen, wo das Essen herkommt und unter welchen Bedingungen es hergestellt wurde.

Bei uns wird frisch gekocht
Ich fange also in unserer Kita an und frage unsere Köchin aus; selbstverständlich ist das übrigens nicht, weil sie sich gerade von einer Operation erholt. Energisch ist sie trotzdem: „Tütchenzeug kommt mir nicht ins Haus“, sagt unsere Köchin und erzählt, dass sie bis vor einiger Zeit auch die Einkäufe selbst erledigt hat. Inzwischen wird die Kita mit Obst und Gemüse beliefert, Fisch wird tiefgekühlt bestellt, Fleisch frisch beim Metzger. Ich staune: Die Köchin kocht, dreimal wöchentlich gemeinsam mit ihrer Hilfe, für neunzig Kinder täglich frisch, das allein finde ich schon herausfordernd genug. Auf die Idee, dass nicht selbstverständlich auch noch ein Lieferservice dazugehört, wäre ich gar nicht gekommen. Vor dreizehn Jahren hat sie angefangen, erzählt sie mir, da waren es noch fünfunddreißig Kinder. Inzwischen ist die Ganztagsbetreuung zumindest für Kinder ab drei Jahren zur Regel geworden, da muss der Kindergarten schon einiges abdecken – Besonderheiten zu berücksichtigen ist dabei nicht so einfach. „Aber in Absprache mit den Eltern klappt das eigentlich immer gut“, sagt unsere Köchin. Da wird der Milchreis eben mit verdünnter Sahne angerührt, Schweinefleisch kommt wegen der muslimischen Kinder gar nicht auf den Tisch. Wenn ein Kind aber beispielsweise Weizen gar nicht verträgt, müssen die Eltern ran und das Essen mitgeben. Extras brächten auch schnell das Budget an seine Grenze. Wir Eltern zahlen knapp 2,70 Euro pro Mittagessen, das ist nicht wirklich viel, „alles im Reformhaus einkaufen“ (O-Ton der Köchin) ist damit eben nicht drin. Aber sie kauft frisch und regional, darüber hinaus achtet sie auch auf eine gute Verwertung, langfristige Planung ist dabei hilfreich. Und wir stehen mit unserem ausgewogenen Speiseplan noch sehr gut da: Einmal in der Woche gibt es Fisch, einmal Fleisch und dreimal vegetarisch, so wie es auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt. Gesüßt wird mit Honig, Zucker nur sparsam verwendet und Eier nur frisch. Die Köchin besucht regelmäßig Fortbildungen, probiert auch gern mal was Neues aus – zuhause undenkbar, in der Kita kein Problem – und wird schon sehnsüchtig von Kindern, Eltern und Erzieherinnen an ihrem Arbeitsplatz zurückerwartet.

Wenig Auswahl
In unserer Kooperationskita haben sie es nicht ganz so luxuriös: Das Essen wird zwar frisch gekocht geliefert, aber so richtig glücklich sind sie dort mit dem Anbieter nicht, es kann nur zwischen zwei Menüs gewählt werden und wirklich abwechslungsreich ist das Essen auch nicht. Die Erzieherinnen behelfen sich, indem sie selbst Salat zubereiten – der ist beim Caterer nämlich nicht vorgesehen -, einmal wöchentlich ein gesundes Gruppenfrühstück vorbereiten und einmal monatlich mit allen Gruppen gemeinsam frühstücken. Auch die Eltern sind gefordert: In der integrativen Kita gibt es viele Kinder mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten, die Eltern müssen den Speiseplan im Blick haben und das Essen gegebenenfalls selbst ergänzen. Die Herkunft des Essens tritt dabei ein bisschen in den Hintergrund: „Ob wir bio anbieten, hängt vom Produkt ab“, sagt die Leitung. Lebensmittel, bei denen der geschmackliche Unterschied zwischen Bio-Produkt und herkömmlicher Ware besonders deutlich wird, wie zum Beispiel Tomaten, kommen schon mal in Bio-Qualität auf den Tisch, auch Freilandeier sind selbstverständlich; ansonsten liegt der Fokus dann doch eher auf dem Preis und natürlich den Gerichten, die Kinder mögen. Bio-Caterer gibt es wenige und sie sind den meisten Eltern wohl auch zu teuer, dabei wäre das eine echte Marktlücke: Viele Kitas sind auf Lieferdienste angewiesen.

Bio ist nicht vorgesehen
Auch in den Richtlinien des Trägers zur Ernährung in den Kindertagesstätten finde ich zwar die Ernährungspyramide und den Hinweis darauf, wie wichtig die gemeinsamen Mahlzeiten sind, aber keine Empfehlung zum Einkauf der Lebensmittel. Da unsere Kita in kirchlicher Trägerschaft liegt, gibt es bei den Ernährungsinformationen immerhin einen Hinweis auf die Kampagne „Eine Welt fairstärken“, die sich mit fairem Handel beschäftigt.

In einer Studie zur Verpflegung in Kindertageseinrichtungen aus dem Jahr 2016 der Deutschen Gesellschaft für Ernährung hat sich herausgestellt, dass nur wenige Kitas überhaupt über Fachkräfte mit einer Ausbildung zur Köchin oder Hauswirtschafterin verfügen, wird das Essen geliefert, sind die Anbieter in der Regel nicht auf die Zielgruppe Kinder ausgerichtet. Den Durchschnittspreis, den Eltern für ein Mittagessen im Kindergarten bezahlen, hat die DGE mit 2,42 Euro errechnet – eine gesunde Mittagsverpflegung ist eher mit vier Euro anzusetzen (zum Vergleich: Erwerbstätige Erwachsene geben im Schnitt 7,30 Euro für eine Mittagsmahlzeit außer Haus aus). Und gesund heißt ja in der Regel auch umweltfreundlicher, weil der Gemüseanteil den Fleischanteil deutlich übersteigen sollte. Wenn das Fleisch selten, aber hochwertig, am besten aus biologischer Landwirtschaft, auf den Tisch kommt, macht das preislich am Ende gar nicht so viel aus; so wie das frische Kochen ja auch preiswerter ist als „Tütchenzeug“.

Auffällig finde ich schon, dass ökologischer Landbau in der Kitaernährung so eine untergeordnete Rolle spielt – sind nicht eigentlich immer mehr Menschen bereit, für eine gute Ernährung auch etwas mehr Geld auszugeben? Außerdem legen Erzieherinnen in den Kindertagesstätten auf die Ernährungsbildung ja durchaus großen Wert: Gemeinsame Back- und Kochaktionen sind regelmäßiger Bestandteil des Programms in den meisten Kindergärten, Ernährungsprojekte und Ausflüge zum Bauernhof meistens ebenfalls vorgesehen. Ökologischer Landbau ist aber eben hierzulande leider keineswegs selbstverständlich. Es ist wohl wie mit den Elektroautos: Aus dem Nichts wird der Zwanzig-Prozent-Anteil nicht kommen, wir müssen schon bei uns selbst anfangen.

Wieviel ist Euch das Mittagessen in der Kita wert?

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