Wenn ich mir einen Biomarkt Kunden vorstelle, denke ich an eine Person, die bewusste und verantwortungsvolle Kaufentscheidungen trifft. Klasse statt Masse. Pia ist Minimalistin. Auch sie konsumiert bewusst. In allen Lebensbereichen.

Hallo Pia, vielen Dank für Deine Teilnahme. Magst Du Dich und Deine Website vielleicht kurz vorstellen?

Ich bin 30 Jahre alt, lebe mit meinem Freund in Nordrhein-Westfalen und arbeite als selbständige Journalistin. Auf meiner Website, Malmini, behandle ich das Thema Minimalismus. Dort biete ich Coachings an. Wobei man eher „Entrümpelungsberatung“ sagen könnte (lacht). Außerdem gibt es bei mir seit neuestem Online-Kurse zum Thema und ich habe seit 2013 mehrere Bücher als Self-Publisher herausgebracht.

11705613_920243941369957_734321458_oSeit wann lebst Du minimalistisch und was hat Dich zum Minimalismus geführt? Gab es Schlüsselerlebnisse oder Begegnungen, die Du hattest?

Viele Leute berichten ja von Schlüsselerlebnissen. Bei mir gab`s das eigentlich nicht. Ich habe mich vor 3 Jahren selbständig gemacht und die erste Frage ist ja dann meistens „Reicht das denn zum Leben?“.  Das macht unheimlich Druck. Diese Frage kann man aber ja auch anders herum betrachten. „Brauche ich denn überhaupt so viel zum leben? Und wofür gebe ich denn mein Geld überhaupt aus?“ Mir ist dann erst mal aufgefallen, dass ich in jeder Mittagspause, um dem Büroalltag zu entkommen, shoppen gegangen bin. Das wurde immer mehr. Noch eine Handtasche, noch ein paar Schuhe. Irgendwann habe ich mal angefangen das ganze Geld in Lebenszeit umzurechnen. Also mir zu überlegen, dass ich für die 30 Euro, die die zehnte Handtasche kostet, zwei Stunden weniger hätte arbeiten müssen. Da dachte ich mir „Wie doof bist du eigentlich, Aufträge anzunehmen, auf die du gar keine Lust hast, um dir eine Handtasche zu kaufen, die du gar nicht brauchst?“ So kam es eigentlich, dass ich vom einen zum nächsten Blog gekommen bin und schlussendlich auch angefangen habe selbst über das Thema zu bloggen. Heute kann ich von den Einnahmen für meine Bücher schon mal meine Miete bezahlen.

Gibt es bestimmte Bereiche, in denen Du konsequent auf Konsum verzichtest?

„Konsequent“ finde ich immer schwierig. Sich etwas absolut zu verbieten, kann sehr abschreckend wirken. Daraus entsteht dann oft die Gefahr, dass man die Idee vielleicht grundsätzlich gut findet, aber sich denkt, wenn ich es nicht ganz machen kann, dann mache ich es gar nicht. Dieses „Alles oder Nichts“ ist nicht meins. Da fühlt man sich zu leicht gescheitert, wenn man dann doch mal was kauft, doch mal Fleisch isst usw. Manche haben ja auch so ein Bild im Kopf, dass Minimalisten in einer komplett leeren Wohnung leben. Dass wir auf dem Boden, auf einem Futon schlafen, 10 Kleidungsstücke besitzen, einen Löffel, eine Gabel, eine Schüssel und das war`s. Viele Minimalisten stellen sich aber einfach die Fragen „Brauche ich das jetzt wirklich? Bereichert das jetzt mein Leben oder nicht?“. Und verzichten dann gerne. Für mich geht es darum weniger zu kaufen, weniger zu konsumieren oder weniger zu verbrauchen. Mir zum Beispiel für eine anstehende Hochzeit kein neues Kleid zu kaufen, nur weil man das so macht. Jeder muss sich seinen eigenen Minimalismus suchen. In einem Zelt würde ich persönlich nicht leben wollen. Wenn alle nur ein bisschen weniger machen würden, wäre der Welt glaube ich auch schon ziemlich geholfen.

Wie begegnen Dir Deine Mitmenschen im Alltag? Fällst Du durch Deinen Konsumverzicht auf?

Wovor viele ja Panik haben, ist die Klamottenfrage. Vor ein paar Monaten habe ich bei dem project333 mitgemacht. Dabei geht es darum nur 33 Kleidungsstücke zu tragen. Ein Kamerateam von RTL war damals bei mir zu Besuch und hat mich gefragt, was meine Freunde dazu sagen, wenn ich immer das gleiche trage. Viele haben ja schon panische Angst davor zwei Tage lang das gleiche T-Shirt anzuziehen. Ich kann nur sagen: Die Menschen sind so mit sich selbst beschäftigt, die merken das gar nicht. Man steht nicht so im Fokus, wie man das vielleicht denkt.

Mein Freund, mit dem ich zusammenlebe, ist zwar kein Minimalist, aber grundsätzliche Ansichten teilen wir schon. Auch für ihn ist Zeit wichtiger als Geld. Über gemeinsame Bereiche und Besitztümer müssen wir eben sprechen. Größere Anschaffungen, wie ein Fernseher zum Beispiel. Klar gibt es da manchmal Reibungspunkte, aber meistens nimmt er es mit Humor. Außerdem möchte ich so akzeptiert werden,wie ich bin, deshalb würde ich ihn auch nie dazu zwingen, sich von etwas zu trennen, das er behalten möchte. Meine beste Freundin hat mich überrascht, indem sie meinen Blog verfolgt und dann selbst kräftig entrümpelt hat. Und mit dem engsten Kreis der Familie wichteln wir zum Beispiel an Weihnachten. Da besorgt jeder nur ein einziges Geschenk. Mit meinem näheren Umfeld lässt sich das also gut vereinbaren. Und auf Party stelle ich mich jetzt auch nicht vor Fremde hin und rede da großartig drüber. Das ist mir viel zu anstrengend!(lacht)

Auch ich liebäugle sehr mit einem minimalistischen Leben. Ich male mir das unendlich entspannt aus, stelle es mir aber auch anstrengend vor, immer wieder kontinuierlich Nein sagen zu müssen, Entscheidungen zu treffen, zu widerstehen. Kannst Du das bestätigen? Und was hilft Dir dann dem Konsumverzicht treu zu bleiben?

Ich habe das Thema kürzlich erst in einem Webinar behandelt. Menschen brauchen Grenzen. Also eine magische Zahl an Besitztümern, die sie haben dürfen oder einen Geldbetrag, den sie ausgeben dürfen. Natürlich erscheint es weniger anstrengend, wenn man in solchen Grenzen lebt. Andererseits fühle ich mich unheimlich befreit. Ich muss nicht mehr darüber nachdenken, ob ich dieses Auto, Smartphone oder ähnliches brauche. Oder was die Leute darüber denken. Ich habe nicht das Gefühl auf etwas zu verzichten, eher dass ich etwas dazugewonnen habe. Davon abgesehen muss man mal den ganzen Lebenszyklus eines Produkts nachverfolgen. Also von der Rechereche bis zur Kaufentscheidung, der Pflege des Produkts und letztendlich, wie ich den Gegenstand wieder loswerde. Das empfinde ich als anstrengend und unglaublich zeitaufwendig.

Deine Vorgänger, Laurin und Nastasja, haben unseren Lesern zum Schluss noch einen Tipp mit auf den Weg gegeben. Magst Du uns auch etwas hilfreiches empfehlen?

Wenn man nicht weiß, wo man mit dem Entrümpeln anfangen soll, empfehle ich, jeden Tag einen Gegenstand auszusortieren. Das hat zwei praktische Gründe: Man befreit sich von 365 Dingen im Jahr und man lernt so nach und nach loszulassen.

Liebe Leser, wie gefällt Euch Pias Lebensstil? Konsumiert auch Ihr lieber weniger vom Richtigen? Wie immer freue ich mich auf Eure Rückmeldung und Vorschläge zu den Helden des Alltags.

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