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Manchmal ist es gut, sich zwischendurch nochmals an die Ausgangsfragen zu erinnern. Da blogge ich seit über vier Jahren über Naturkosmetik, beschreibe Inhaltsstoffe, Formulierungen und neue Trends – und dann kommt auf einmal die Frage von einer Freundin: „Warum meinst Du, dass mein Duschgel von The Body Shop gar keine richtige Naturkosmetik ist? Was ist denn nun eigentlich Naturkosmetik genau?“
Eine erste Annäherung an dieses komplexe Thema in sieben Punkten – die ich in einem meiner nächsten Posts mit weiteren Informationen ergänzen werde:

  • Bio- und Naturkosmetik ist kein eindeutig rechtlich geschützter Begriff, meint jedoch, dass in den Kosmetikprodukten als Basis natürliche und naturbasierte Rohstoffe zum Einsatz kommen. Im Mittelpunkt steht der schonende Umgang mit den Ressourcen, was von der Rohstofferzeugung über den Herstellungsprozess und die Verpackung bis hin zur biologischen Abbaubarkeit des Produkts reicht. Deswegen haben Mikroplastikteilchen (Polyethylen), umweltschädliche Filmbildner wie EDTA oder Silikone nichts in Naturkosmetik zu suchen.
  • 2001 hat die Naturkosmetikbranche einen gemeinsam Standard für Naturkosmetik entwickelt, um sich von naturnaher oder „grüngewaschener“ Kosmetik abzugrenzen: Das Siegel für Naturkosmetik BDIH war geboren. Mittlerweile gibt es weltweit eine ganze Reihe an weiteren Siegeln, die Naturkosmetik zertifizieren. In Deutschland sind neben BDIH vor allem Natrue, Ecocert und Demeter bekannt. Auf internationaler Ebene haben sich einige Siegel unter dem Namen Cosmos zusammengeschlossen und ihre Standards einander angeglichen. Grundsätzlich sind diese Siegel immer ein gutes Zeichen, um schnell zu erkennen, ob es sich um Pseudonaturkosmetik oder echte Bio- und Naturkosmetik handelt. Trägt ein Produkt dieses Siegel nicht, hilft nur der Blick auf die Inhaltsstoffe der INCI-Deklaration. Eine auf der Verpackung abgebildete Olive macht leider noch kein Naturkosmetikprodukt aus.Logos
  • Bio- und Naturkosmetik setzt auf natürliche und nachwachsende Rohstoffe, die meist pflanzlicher Herkunft sind. Fette Öle wie Mandel- oder Olivenöl sind die Klassiker unter den Inhaltsstoffen, sie bieten neben verschiedenen pflegenden Fettsäuren auch wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe (in der konventionellen Kosmetik bildet oft Mineralöl wie Paraffinum Liquidum die Basis). Außerdem kommen z.B. Blütenwasser, pflanzliche Extrakte, Aloe Vera-Gel, Wachse oder ätherische Öle zum Einsatz. Daneben sind auch einige mineralische Rohstoffe oder Rohstoffe tierischer Herkunft (z.B. Bienenwachs) in Naturkosmetik enthalten.
  • Komplizierter wird es bei Emulgatoren oder Konservierungsmitteln, die man benötigt, um moderne Kosmetikprodukte herzustellen. Hier schränken die Naturkosmetik-Standards die Auswahl stark ein: Bestimmte Herstellungsverfahren wie Ethoxylierungen oder radioaktive Bestrahlungen kommen aus Umweltschutzgründen nicht in Frage, auch erdölbasierte und synthetische Rohstoffe sind ausgeschlossen. Deshalb sind in der Naturkosmetik Rohstoffe natürlichen Urspungs im Einsatz, z.B. Tenside, die aus Zucker hergestellt werden. Auch das in Naturkosmetik eingesetzte Glycerin stammt aus einer pflanzlichen Quelle.
  • Eine Herausforderung für Bio- und Naturkosmetik ist die Konservierung, die für die mikrobiologische Stabilität des Produkts sorgen muss. Schließlich soll ja auch Naturkosmetik nicht schon nach wenigen Wochen verderben. Ein großer Teil der Konservierungsmittel in konventioneller Kosmetik ist für Naturkosmetik nicht geeignet, da sie synthetisch erzeugt werden. Die Siegel lassen nur ganz wenige synthetische Konservierungsstoffe zu, die möglichst auch in der Natur vorkommen (z.B. Benzoesäure).
  • Nun kommen wir noch zur Unterscheidung von Naturkosmetik und Biokosmetik: Erst Rohstoffe aus Bio-Anbau machen die Naturkosmetik zur Biokosmetik. So ist ein Mandelöl immer pflanzlich, aber deswegen noch nicht bio. Erst wenn die Mandeln biologisch angebaut wurden (ohne Pestizide etc.), kann ein Bioanteil ausgelobt werden. Ich achte darauf, dass der Bioanteil in einem Produkt möglichst hoch ist, weil ich damit die kontrolliert biologische Landwirtschaft unterstützen möchte. Bei vielen Firmen werden die Rohstoffe aus Bio-Anbau auf der INCI-Deklaration mit einem Sternchen versehen.
  • Ein Naturkosmetik-Produkt besteht jedoch nicht nur aus seinen Inhaltsstoffen, sondern ist viel mehr: Die Unternehmen engagieren sich seit langem gegen Tierversuche oder Gentechnik und setzen sich aktiv für Umweltschutz und ein nachhaltigeres Wirtschaftssystem ein. Sie führen z.B. eigene Anbauprojekte durch und fördern damit Infrastrukturen und Bio-Anbau in wirtschaftlich benachteiligten Ländern.

Ein zusätzliches Plus für mich: Um Skandale rund um zweifelhafte Inhaltsstoffe der konventionellen Kosmetik muss ich mich nicht kümmern – denn selbst wenn mich diese Inhaltsstoffe sicher nicht umbringen, mag ich sie nicht auf meiner Haut haben.

Was zeichnet Naturkosmetik für euch aus? Warum verwendet ihr sie?

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