Es müsste fast ein Jahr her sein, dass ich meine Genussfreunde und Foodbloggerkollegen Susann und Yannic von Krautkopf zuletzt gesehen habe. Damals hatte ich Konzertkarten für The Growlers gewonnen und stellte zufällig über Facebook fest, dass die beiden für den Abend auch zugesagt hatten.

Das liebe ich so an den Sozialen Medien: Man entdeckt Gemeinsamkeiten mit fremden Menschen und trifft sich dann im echten Leben. An diesem Abend erzählten mir die beiden, dass sie gerade mitten in der Arbeit zu ihrem ersten Kochbuch steckten.Kennengelernt habe ich Susann und Yannic allerdings schon vor dem Konzert. Wir haben uns durch unsere Foodblogs kennengelernt und teilen neben dem Musikgeschmack auch die Liebe zum Essen und zur Fotografie.

Das Fotografenpaar lebt und arbeitet zusammen in Berlin und schreibt seit 2013 den preisgekrönten vegetarischen Foodblog Krautkopf. Ich bewundere die atmosphärischen Bilder der beiden sehr. Sie menscheln, sind mit so viel Liebe für´s Detail fotografiert und wirken dabei ungekünstelt, natürlich und einfach ehrlich.

Einfachheit und Ehrlichkeit findet man nicht nur auf den Bildern, sondern auch in ihren Rezepten wieder. Und seit ein paar Monaten gibt es endlich auch ihr Kochbuch, das den Namen ihres Blogs trägt: Krautkopf – vegetarisch kochen und genießen.

Auf 240 Buchseiten verteilen sich 65 vegetarisch saisonale Rezepte für jeden Anlass. Die Rezeptkapitel sind den vier Jahreszeiten gewidmet, so wie es auch typisch für ihren Blog ist.

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Beim ersten Durchblättern träume ich mich in die Krautkopf-Welt: Zwischen den Rezepten mit Foodfotos, die ich mir am liebsten einrahmen würde, folgen oft vollflächige Fotografien von märchenhaften Landschaften, frisch aus der Erde geerntetem Gemüse oder atmosphärischen Tafelrunden bei Kerzenschein.

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Die Mischung aus Kochbuch und Bildband gefällt mir sofort und ich kann´s kaum erwarten ein Rezept daraus zu probieren.

Das schöne Buch habe ich zum Anlass genommen die beiden endlich mal zu Hause im Wedding zu besuchen. Mit frisch gebackenem Pflaumen-Polentakuchen (das Rezept dazu folgt weiter unten nach dem Interview), den ich nach einem Rezept aus dem Buch nachgebacken habe, stehe ich pünktlich zur Teestunde auf der Krautkopf-Fußmatte und werde von den beiden mit einem freudigen Grinsen empfangen. Schnell wird noch Tee kredenzt, den wir aus hauchdünnen handgemachten Teeschalen trinken. Während wir den Kuchen genießen, erzählen mir die beiden von der Entstehung ihres Buchs:

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Ariane: Vom Foodblog zum Kochbuch – das ist momentan einer der großen Kochbuchtrends. Was war für euch die größte Herausforderung  und was hat im Gegensatz zur Arbeit für euren Foodblog den Unterschied zum Buch gemacht?

Susann und Yannic: Die größte Herausforderung war für uns tatsächlich die Koordinierung unserer Zeit, denn eigentlich arbeiten wir gemeinsam als Hochzeitsfotografen. Weil wir ja saisonal kochen und auch unser Buch so aufgebaut ist, blieben uns während der Hochzeits-Hochsaison im Sommer für Shootings in speziellen Locations nur wenige Wochenenden. Und wenn gerade dann an diesem einen Wochenende das Wetter nicht mitspielte, war das manchmal ganz schön spannend. Irgendwie hatten wir dann am Ende aber doch immer das Glück auf unserer Seite.
Der Unterschied an der Arbeit zum Buch war zum einen, dass wir die Rezepte viel akribischer und genauer aufgeschrieben haben. Im Lektorat haben wir dann noch mal sehr viel dazugelernt was die Mengen- und Zeitangaben angeht.
Bei unserer Foodfotografie lag die Herausforderung in der Beschränkung auf ein Bild pro Rezept. In unserem Blog gibt es ja immer viele Bildreihen, die den Prozess des Kochens dokumentieren. Ein Buch hat natürlich nicht unbegrenzt viele Seiten, sodass das eine Bild das Rezept genau auf den Punkt bringen muss.
Wir haben im Entstehungsprozess des Buches viel dazugelernt, die Arbeit daran hat uns sehr bereichert.

A: Aus eigener Erfahrung weiß ich wie viel Arbeit so ein Blog machen kann, wenn man nebenher andere Jobs hat. Das da zwei Ästheten am Werk sind, sieht man auf den ersten Blick – trotzdem wirken Bilder und Rezepte weder gekünstelt, gewollt oder übertrieben perfektionistisch. Man sieht wieviel Herzblut in jedem Detail von Krautkopf steckt. Was ist euer Motor, was treibt euch an?

S und Y: Krautkopf verbindet so viel von dem was wir gerne machen. Die Fotografie ist mehr als unser Beruf, sie ist pure Leidenschaft und wir haben immer schon wahnsinnig gerne gekocht. Die Freiheit, die wir bei Krautkopf haben, ist dabei ein schöner Ausgleich zum Job, denn wir können hier völlig frei agieren. Wir entwickeln uns ständig weiter, nichts ist in Stein gemeißelt. Wir probieren neue kulinarische Wege und hinterfragen diese, wenn wir das Gefühl haben uns zu verirren. Und dann sind da am Ende unsere Leser, mit denen wir unsere Leidenschaft teilen, die uns Feedback geben und uns inspirieren. Der Austausch mit Menschen aus der ganzen Welt, den es ohne Krautkopf nicht geben würde, ist wohl unser größter Antrieb.

A: In euren Bildern entdecke ich oft Dinge aus vergangener Zeit: Teller mit abblätterndem Goldrand, massive Holzbretter, verkratze Suppenlöffel, Leinen-Geschirrtücher oder einen alten Holzofen. Inwieweit spielt diese Nostalgie bei eurer Rezeptkreation eine Rolle?

S und Y: Es ist nicht allein die Nostalgie, sondern die Ursprünglichkeit die wir so lieben. Die Requisiten, die auf unseren Bildern zu sehen sind, benutzen wir nicht um einen besonderen Fotostil zu kreieren. Das ist 100% Krautkopf, das sind wir, Susann und Yannic. Der schwarze Teller, der aussieht als sei er einem isländischen Vulkan entsprungen, oder die handgefertigten Teeschalen hier vor uns, benutzen wir wie du siehst auch im echten Leben. Wir lieben Texturen, wir brennen für Dinge mit Seele und Geschichte die mit der Hand gefertigt wurden. Mit der Industrialisierung ging die Wertschätzung für das Handwerk verloren, doch zum Glück entwickelt sich eine Welle der Rückbesinnung, die man auf Neudeutsch auch Craft-Bewegung nennt.
Und wie man sieht, geht es in unseren Rezepten um die selbe Rückbesinnung: Jahrhundertelang wurde regional und saisonal gekocht – das ist nichts Neues. Wir entdecken alte Gemüsesorten oder Kochmethoden wie z.B. das Fermentieren neu und denken sie weiter, verleihen ihnen unsere persönliche Note und zeigen wie man sie ohne Fertigprodukte ausgewogen und verantwortungsvoll zubereiten kann. Das macht uns Spaß und wir freuen uns riesig, dass es so großen Anklang findet.

A: Genau diese Rückbesinnung zum Handwerk und dem verantwortungsvollen Umgang mit unserer Esskultur macht mir große Hoffnung. Ich glaube eure Leser spüren, dass ihr nicht nur bei irgendeinem Foodtrend mitmischt, sondern all das aus Überzeugung tut. Was ist euer nächstes Herzensprojekt?

S und Y: Zuallererst müssen wir endlich mal ein bisschen Urlaub machen, denn die letzten zwei Jahre sind wir kaum zu einer Pause gekommen. Wir sind aber zwei Menschen mit so vielen Ideen und Tatendrang – wahrscheinlich wird es nicht lange dauern bis wir uns in das nächste Herzensprojekt stürzen.
Für Krautkopf wünschen wir uns noch öfter Pop-Up-Dinner oder Workshops zu veranstalten. Wir lieben es gemeinsam mit fremden Menschen und Freunden an einem Tisch zu sitzen, zu essen und zu erzählen. Unsere Leser sollen uns nicht nur online in die Töpfe gucken können, sondern auch im echten Leben. Diese Begegnungen sind so viel wert und wir wünschen uns noch viel mehr davon!

A: Das hört sich gut an – da bin ich gespannt. Danke für das Gespräch!

Nach dem Gespräch mit den beiden sitze ich in der U-Bahn Richtung Kreuzberg und freue mich wieder einmal darüber, über die digitale Welt so inspirierende Menschen kennengelernt zu haben. Zu Hause in der Küche wartet noch das letzte Stück des unglaublich saftigen und aromatischen Polentakuchens auf mich, dass ich mir gleich nach dem ankommen noch im Stehen in den Mund schiebe.

Ich blättere durch das Buch: Lauwarme Kohlrabi-Ravioli mit Kürbiskernpesto, fruchtiges Tomatenrisotto mit frittierten Kapern, gerösteter Blumenkohl mit gebackenem Knoblauch, gebratene Schwarzwurzeln mit Ingwerzwiebeln, Rote-Bete-Eis auf Schokoladenerde … und so viele andere Rezepte warten noch darauf um von mir nachgekocht zu werden.

Obwohl ich fremde Rezepte beim Nachmachen normalerweise abwandle, habe ich diesmal fast darauf verzichtet. Ich habe lediglich abgeriebene Orangenschale hinzugefügt und auch nur, weil mir während des Backens der Salzstreuer ausgerutscht ist. Mit der süßen Säure der Orange konnte ich den Kuchen zum Glück retten. Also Vorsicht mit dem Salz! Ansonsten steht das Rezept für sich und ist genauso gut wie es im Krautkopf-Buche steht.

Das Rezept wurde mir netterweise von Krautkopf zur Verfügung gestellt. Alle Bilder im oberen Abschnitt des Artikels sind ebenfalls von Krautkopf (© Susann Probst und Yannic Schon). Vielen Dank dafür!

Polentakuchen mit eingelegten Pflaumen

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Zutaten für 1 Kuchen (Ø 20 cm)

Für die Pflaumen
250 g getrocknete Pflaumen
250 ml Pflaumensaft (oder Traubensaft)
1 Vanilleschote
2 EL Honig
1/4 TL gemahlener Zimt
10 Kapseln grüner Kardamom

Für den Teig
2 Eier (Größe M)
1 Msp. Meersalz
100 g weiche Pflanzenmargarine
75 g Kokosblütenzucker
100 g Instant-Polenta
150 g Mandeln
1 TL Weinsteinbackpulver

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  • Am Vortag die getrockneten Pflaumen in den Pflaumensaft legen und mindestens 12 Stunden einweichen.

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  • Am nächsten Tag Saft abgießen, auffangen und zusammen mit Vanillemark sowie Vanilleschote, Honig, Zimt und Kardamomkapseln  etwa 10 Min. zu einem Sirup einkochen. Vanilleschote und Kardamomkapseln nach dem Einkochen entfernen.

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  • Den Ofen auf 180°C vorheizen. Eine Springform (Ø 20 cm) fetten und den Boden der Form mit Backpapier auslegen.
  • Die Eier trennen und das Eiweiß zusammen mit einer Prise Meersalz steif schlagen.

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  • Margarine mit Kokosblütenzucker schaumig schlagen. Die Eigelbe hinzufügen und gründlich unterrühren. Die Polenta mit den gemahlenen Mandeln und dem Backpulver mischen und unter die Masse rühren. Zum Schluss vorsichtig den Eischnee unterheben.
  • Pflaumen auf dem Boden der Backform verteilen und mit dem Sirup übergießen. Den Teig einfüllen und glatt streichen.
  • Den Kuchen 1 Stunde im Backofen backen. Nach 20 Minuten wird die Temperatur auf 150°C reduziert
  • Bevor der Kuchen aus der Form gestürzt werden kann, sollte er ganz abgekühlt sein (etwa 1h).

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  • Die Mischung aus weichen süßen Pflaumen und der etwas körnigen Polenta schmeckt großartig!

 

KrautkopfSusann Probst & Yannic Schon
Krautkopf – vegetarisch Kochen und Geniessen
Gebundene Ausgabe
240 Seiten
Format: 20 x 25,9 cm
Hardcover, mit Tiefprägung
Verlag: Coppenrath, F; Auflage: 1 (Juni 2015)
ISBN 978-3881179553
EUR 29,95 (inkl. Mwst.)
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