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Messen machen mich nervös. Jedes Mal bin ich überfordert und sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht: Zu viele neue Eindrücke, Möglichkeiten und Menschen. Zu wenig frische Luft, Tageslicht und Ruhe. Aber dazwischen gibt es viel zu entdecken! Wenn man sich gut vorbereitet und bewusst in seinem eigenen Tempo über die Messe zieht. Hier kommt, anlässlich der Biofach 2016, mein persönlicher Biofach Überlebens-Guide.

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Meine ersten Messeerlebnisse machte ich vor etwa sechs Jahren. Damals war ich auf der Frankfurter Buchmesse auf der Suche nach einem Verlag für meine Diplomarbeit. Die langen Messetage haben mich damals überfordert. Abends bin ich oft matt und müde, aber voller neuer Eindrücke und interessanten Begegnungen, ins Bett gefallen.

Im Nachhinein haben sich die Messebesuche aber immer gelohnt. Durch die neu geknüpften Kontakte entstanden neue Jobs, ich habe spannende Dinge entdeckt, mich inspirieren lassen und meinen Horizont erweitert. Aber die Messe selbst, hat mir wenig Spaß gemacht.

Das sollte diesmal anders werden! Die Biofach 2016 habe ich zum Anlass genommen, einen neuen Zugang zum Messeleben zu finden. Dazu musste ich erst mal herausfinden, warum ich mich beim Wort Messe eigentlich so stresse.

Vorbereitung ist alles

Menschenmassen und der Überfluss neuer Eindrücke – das ist messe-typisch und lässt sich nicht ändern. Aber es gibt Mittel und Lösungen, die mir bei anderen Stressfaktoren wie z.B. meiner Orientierungslosigkeit helfen. Mit einem Ziel, sehe ich die einzelnen Bäume im Wald besser und bekomme einen Überblick.

Was ich sonst eher dem Zufall überließ, habe ich diesmal schon vor Messebeginn gut vorbereitet. Dafür habe ich meine Blogger-Kolleginnen Julie und Maja nach Tipps gefragt:

Naturkosmetik-Bloggerin Julie von beautyjagd: Mein Überlebenstipp für einen angenehmen Biofach-Besuch ist: Gute Vorbereitung ist alles! Ich gucke schon am Wochenende vorher, welche Stände ich besuchen will und hake alle Stände nach und nach ab. Klingt spießig und unspontan, hilft mir aber enorm, den Überblick zu behalten und mich nicht zu verlieren.

Foodbloggerin Maja von Moeys Kitchen: Für mich ist Vorbereitung tatsächlich alles, aber ich bin da auch ein bisschen extrem was die Planung angeht 😉 Ich gucke mir im Vorfeld die Hallenpläne an und gehe dann die Ausstellerliste durch. Ich notiere mir die Standnummern von den Ausstellern, die ich besuchen will und überlege mir einen sinnvollen Ablaufplan von meiner Ankunft bis zur Abfahrt, sodass ich möglichst effektiv unterwegs bin. Pro-Tipp: Es gibt eine App zur Biofach, darin kann man sich eine eigene Merkliste erstellen, um so alle Infos griffbereit auf dem Smartphone zu haben.

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Weniger ist mehr

Hochmotiviert begann ich nun, mit den Tipps der beiden, meinen Biofach-Messebesuch zu planen. Auf der Biofach-Homepage begegnete ich 2590 Ausstellern, 7772 Produkten, den Erlebniswelten VEGAN, WEIN und Olivenöl, dem Neuheitenstand und zahlreichen Nebenveranstaltungen.

Nun war sie da: Die Verpassensangst. Alles klang spannend. Am liebsten hätte ich mir alles auf einmal angeguckt. In eineinhalb Tagen? No Way.

Weniger ist mehr – diese Devise vertrete ich in jeder Lebenslage, und sie hat mir auch diesmal geholfen.

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Der Neuheitenstand direkt im Eingangsbereich Mitte war bei meiner Ankunft am Donnerstagmittag mein erstes Ziel.

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Dafür hatte ich mir vorher einige Aussteller notiert, die ich danach in den jeweiligen Messehallen besuchen wollte. Dabei waren u.a. Art of Oil, Das Eis, und Chocqlate (mehr zu meinen Produkt-Entdeckungen könnt ihr weiter unten im Text lesen).

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Der Foodpairing Workshop in der Erlebniswelt Olivenöl klang auch spannend und kam gleich mit auf die Liste. Der Workshop war zwar nur gute 30 Minuten lang und daher recht oberflächlich, aber ich lernte ein paar Hard Facts zur Aromenvielfalt und Herkunft der verschiedenen Öle, und wie man sie passend zu den Aromen des jeweiligen Gerichts einsetzen kann. Dabei muss das Öl nicht immer mit herzhaften Speisen kombiniert werden. Olivenöl schmeckt auch süß, z.B. als Olivenöleis, oder zusammen mit Schokolade.

Außerdem lernte ich, wie man sich bei einem Olivenöl-Tasting fachgerecht verhält: Vor dem Probieren musste jedes Öl-Becherchen mit der Hand abgedeckt, geschwenkt und gewärmt werden. Danach wurde das Öl schlückchenweise über die Zuge eingesaugt – die Geräuschkulisse war einmalig!

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Platz für Spontanität lassen

Den Rest des Tages war noch offen und ungeplant, und als mir mein Freund Enrico von Lebenskleidung unter einen meiner Facebook-Posts schrieb, wo ich denn stecken würde, trafen wir uns spontan um gemeinsam über die Messe zu schlendern.

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Mein Highlight unseres Messebummels war Koawach, ein junges Startup dessen Kakao- und Guaranamischung Kaffee ersetzt. Das Produkt gibt es schon länger auf dem Markt. Obwohl mir der Name etwas sagt, kam ich auf der Biofach zum ersten Mal in den Genuss. Neben dem Klassiker (purer Kakao mit Guarana) war Chili mein Favorit und wird in der kommenden Woche als Kaffeeersatz zu Hause getestet. Mal sehen wie wach mich das Pulver macht – schmecken tut´s auf jeden Fall sehr gut.

Danach erzählte mir Enrico noch von der Preisverleihung der besten Bioläden 2016, die von unserem Freund Hendrik (aka Wurstsack) moderiert wurde. Dort sollte am Ende die indische Umwelt- und Frauenaktivistin Vandana Shiva auftreten. Leider wurde ihr Auftritt wegen Krankheit am Ende leider abgesagt. Schade!

Nachdem wir drei uns am Ende des Tages noch auf der Vivaness-Party auf der Tanzfläche vergnügten, war der nächste Messemorgen schneller da als gedacht.

Der Plan, um 10 Uhr auf das Biofach Bloggerfrühstück zu gehen, ging nicht auf – ich fand den Raum nicht. Aber es ging nicht nur mir so – von einigen anderen Kolleginnen und Kollegen hörte ich das selbe Problem.

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Na dann eben Eis zum Frühstück! Schließlich hatte ich die neuen Sorten von Das Eis noch nicht probiert! Der erste Becher mit Frozen Popcorn war nicht so mein Ding (eigenartige Konsistenz), aber die Kombi Mango Dragon mit Goji-Beeren und Love (Granatapfel, Rosenblüten und Chia) war sehr fein und vor allem schön cremig. Das ist bei veganem, gluten-, laktose- und sojafreiem Eis bemerkenswert.

Weiter ging´s zu Art of Oil, die mit Orange-Basilikum eine sehr spezielle neue Sorte auf den Markt gebracht haben. Die frische Zitrusnote passt gut zu Salaten, oder auch als Eishopping 😉

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Das DYI-Schokoladenset für zu Hause von Chocqlate gefiel mir visuell auf den ersten Blick. Das schlichte Design samt Farben spricht mich sehr an, und auch die Idee Schokolade mit eigenen Geschmacksrichtungen selbst zu kreieren. Trotzdem wird es für mich persönlich eher eine Spielerei oder schöne Geschenk-Idee bleiben.

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Pausen einplanen

Langsam machte sich eine leichte Müdigkeit in mir breit. Das beste Mittel dafür war: Raus ans Sonnenlicht, frischen Luft schnappen und ein bisschen die Beine vertreten. Im Nu war die Energie zurück und ich hatte Lust mit Enrico und Hendrik die internationalen Messestände unsicher zu machen.

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Gouda aus Holland, Cider aus Tschechien … bei den Italienern ging´s mit Sekt, Mortadella, Schinken und Cotechino von Salumificio Pedrazzoli weiter. Benissimo!

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Die Sektlaune brachte mich dann auf die Idee, Jule vom Hädecke Verlag Hallo zu sagen. Dabei entdeckte ich zwischen den Kochbuch-Novitäten auch mit großer Freude mein eigenes Buch.

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Gleich im Anschluss kam das Bio-Bloggertreffen bei dennree an die Reihe. Unsere Runde war zwar nicht ganz vollständig, trotzdem war es wieder schön die neuen und alten Autoren-Gesichter in echt zu sehen, neue Ideen zu schmieden und sich über die Biofach Messe-Highlights auszutauschen.

Am Nachmittag versuchte ich noch den Japan-Stand zu finden, bis ich herausfand, dass Japan dieses Jahr leider nur sehr spärlich vertreten war. Trotzdem habe ich Kontakte zu sehr freundlichen Sake und Miso-Herstellern knüpfen können, die ich bei meiner bevorstehenden Japan-Reise besuchen möchte.

Nach Hause gehen, wenn´s am Schönsten ist

Nun waren meine eineinhalb Messetage fast vorbei. Die Liste war weitestgehend abgehakt und ich fühlte mich nicht mehr aufnahmefähig – deswegen beschloss ich um 17 Uhr, knapp zwei Stunden vor Messeende, nach Hause zu gehen, um für die BIOFACH Meetup & Networking Party am gleichen Abend fit zu sein.

Nach Hause gehen, wenn´s am Schönsten ist – dieser letzte Punkt meines Messe Überlebens-Guide, war genau die richtige Einstellung für die Biofach 2016.

Jetzt, wo die Messe vorbei ist, und ich im Zug Richtung Berlin sitzend die beiden ereignisreichen Messetage Revue passieren lasse, wird mir mehr und mehr bewusst, wie sehr man sich allein durch seine Einstellung das Leben, oder eben auch das Messeleben, erleichtern kann. Man muss sich diesen Gedanken nur oft genug ins Bewusstsein zurück rufen.

Mein persönlicher Messe Überlebens-Guide, wird mich auf alle Fälle auf den kommenden Messen begleiten.

  • Vorbereitung ist alles
  • Weniger ist mehr
  • Platz für Spontanität lassen
  • Pausen einplanen
  • Nach Hause gehen, wenn´s am Schönsten ist

Ich hoffe, auch euch damit ein Stück weiter helfen zu können. Geht es euch in puncto Messen auch so wie mir? Welche Punkte würdet ihr als Messe-Überlebenstipp ergänzen?

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