Eco Fashion Rohstoffe
Eco Fashion ist weit mehr als nur Kleidung aus Bio-Baumwolle! Ohne Zweifel, Bio-Baumwolle ist das gängigste Material für die Herstellung von Eco Fashion – doch da gibt es weitaus mehr bewährte wie auch innovative Rohstoffe mit tollen Eigenschaften, die ihr unbedingt kennen solltet!

Woraus kann Eco Fashion bestehen?

Wie ihr schon im ersten Beitrag erfahren habt, besteht Eco Fashion hauptsächlich aus Naturtextilien – also textilen Fasern aus nachwachsenden Rohstoffen. Diese unterteilen sich in Textilien pflanzlichen Ursprungs – bei LIVING CRAFTS verwenden wir Bio-Baumwolle und Bio-Leinen sowie Bio-Halbleinen (ein Gemisch aus beiden) – und tierische Textilien. Das Leinen hat in der Textilherstellung eine lange Tradition (denkt zum Beispiel an die „Leinwand“ in der bildenden Kunst), wurde jedoch im Laufe der Zeit durch die kostengünstigere Baumwolle verdrängt und erlebt erst in den letzten Jahren ein Revival in der Eco Fashion dank seiner temperatur- und feuchtigkeitsregulierenden Trageeigenschaften. Leinen gehört zu den Bastfasern und ist robuster als Baumwolle, aber auch nicht so weich.

Auf dem folgenden Foto seht ihr die Tauröste unseres Bio-Leinens. Hierbei bleibt das Stroh auf dem Feld liegen, damit Mikroorganismen die in den Stängeln enthaltenen Pektine (den so genannten „Faserleim“) zersetzen können. So lassen sich die Fasern anschließend leichter voneinander trennen.

Bio Leinen Röste

Daneben gibt es Naturtextilien tierischer Herkunft – in unserem Sortiment sind das Bio-Schurwolle und Seide. Unsere Wolle stammt vom Schaf, im Fall der Wolle/Seide– und Wolle/Baumwolle-Funktionswäsche verwenden wir Bio-Merinowolle. Die Schafe, die unsere Wolle liefern werden unter ökologischen Bedingungen gehalten. Die Schur der Merinoschafe erfolgt schonend und tiergerecht, unsere Lieferanten praktizieren kein schmerzhaftes Mulesing, dessen Bekanntwerden vor einigen Jahren die Merinowolle stark in Verruf gebracht hat.

Die Herausforderung bei der Kleidungsherstellung aus Bio-Wolle besteht in der Ausrüstung – das ist der Arbeitsschritt bei dem die Fasern veredelt werden. Da wir hierbei auf allerlei Chemikalien verzichten, die in der konventionellen Textilindustrie genutzt werden, brauchen wir spezielle Verfahren um das Garn etwa gegen „Pilling“ (das für Wolle typische Verfilzen) auszurüsten. Hier kommen dann zum Beispiel ökologische Polymere oder Enzyme zum Einsatz, die keine Gefährdung für Umwelt und Gesundheit darstellen. Auf unserer Homepage unter der Rubrik „Rohstoffe“ findet ihr weitere Infos.

Eco Fashion aus pflanzlichen Materialien

Neben Bio-Baumwolle und Bio-Leinen findet ihr in der jungen Welt der Biomode auch Hanf oder Viskose aus Pflanzenfasern (z.B. Bambus). Bei Verwendung von Hanffasern wird oftmals Baumwolle beigemischt, die den Stoff etwas weicher und angenehmer zu tragen macht. Eine reine Hanffaser – auch eine Bastfaser, wie das Leinen – ist in der Bekleidung seltener anzutreffen. Man kennt sie eher aus der Herstellung von Schiffstauen und die sind zwar unheimlich robust, aber auch ziemlich rau.

Immer mehr im Kommen sind relativ neue Viskose-Materialien wie Modal und die ökologische Version davon: Lyocell (Tencel®). Beiden Fasern liegt Cellulose aus Holz als Rohstoff zu Grunde, das in mechanischen und chemischen Verfahren aufbereitet wird. Nachhaltig beim Lyocell sind neben dem nachwachsenden Ausgangsmaterial vor allem die geschlossenen Produktionskreisläufe. Das benötigte Wasser wird in der Regel gereinigt und wiederverwendet. Die daraus gefertigte Kleidung hat eine glatte Haptik und einen fließenden Fall – ideal für luftige Shirts und Kleider.

In den letzten Jahren tauchen sogar Textilien aus Algenfasern (SeaCell™) oder Brennnesselfasern auf dem Markt auf. Und es gibt übrigens auch vegane Seide aus den Blattfasern der Aloe Vera, so genannte „Agave Silk“ (Quelle: www.peta.org). Kennt ihr noch mehr außergewöhnliche textile Pflanzenfasern?

Tierische Fasern in der Eco Fashion

eco fashion wolle seide

Hauptmaterial tierischen Ursprung ist ganz klar die bereits erwähnte Wolle (rechts im Bild oben). Sie muss nicht unbedingt vom Schaf stammen. Auch Alpakas aus Südamerika, Kaninchen (Angora), die Kaschmirziege oder die Angoraziege (Mohair) aus Asien sind hervorragende Wolllieferanten. Schafwolle ist jedoch mit Abstand am weitesten verbreitet. Es wird grundsätzlich unterschieden zwischen Schurwolle (Virgin Wool) und Reißwolle. Die Schurwolle stammt direkt von der Schur eines lebendigen Tieres, während Reißwolle ein Recyclingprodukt aus Alttextilien ist und nicht so hochwertig wie die „frische“ Schurwolle.

Die Seide ist die wohl edelste tierische Textilfaser und aufgrund ihres hohen Preises sowie ihrer Empfindlichkeit nicht sooo häufig anzutreffen. Sie kommt ursprünglich aus China und wurde auf der nach ihr benannten Seidenstraße nach Europa transportiert. Textilien aus Seide sind sehr filigran, die Stoffe sind fließend und perfekt geeignet für zarte Sommerkleidung. Die Seide wird aus den Kokons des Seidenspinners (oder Maulbeerspinners) gewonnen, in den sich die Raupe vor ihrer Metamorphose einspinnt (die Kokons seht ihr oben im Bild links). Je nach Gewinnungsprozess ist die Seide aus Tierschutzaspekten mehr oder weniger umstritten. Bei konventioneller Seide werden die Kokons samt verpuppter Raupen in kochendes Wasser getaucht oder mit Wasserdampf behandelt. Die Raupen werden dabei getötet, bevor sie schlüpfen und die Seidenfasern des Kokons zerbeißen, um heraus zu gelangen. Der Kokon wird anschließend maschinell abgewickelt und man erhält einen Seidenfaden.

Es gibt aber auch GOTS-zertifizierte Seide, die so genannte Ahimsa Silk oder Peace Silk aus Indien. Bei ihrer Gewinnung überleben die Seidenspinner, der Kokon wird erst abgewickelt, nachdem die Raupe herausgenommen wurde oder der Falter geschlüpft ist (so handhabte man es auch bei der ursprünglichen Wildseide, doch mit der Industrialisierung der Seidenraupenzucht wurde die Effizienz der Produktion leider bedeutsamer als der Schutz des Tieres). Diese Bio-Seide ist jedoch aufgrund ihres aufwendigen und zeitintensiven Herstellungsprozesses momentan noch sehr rar und ziemlich teuer.

Und dann gibt es da noch den Rohstoff Milch: Vor einigen Jahren entwickelte eine Mikrobiologin aus Hannover Kleidung aus Milchproteinfasern. Leider hatte ich noch nicht das Vergnügen solch ein Textil live zu betrachten und anzufassen – wie sieht’s mit euch aus? Weiß jemand, wie sich so ein Kleidungsstück anfühlt?

Last but not least – Recycling & Upcycling Eco Fashion

Unter den Begriff Eco Fashion fällt nicht nur ökologische und bio-zertifizierte Kleidung, sondern generell nachhaltig hergestellte Mode – und dazu gehören auch Produkte aus Recycling-Rohstoffen sowie Upcycling-Mode. Nachhaltigkeit bezieht sich ja nicht nur auf Ökologie, sie umfasst auch soziale und ökonomische Aspekte wie eine faire Produktion, einen fairen Handel sowie die Schonung von Ressourcen und Energie.

Recycling-Mode kann auch aus synthetischen Fasern bestehen, die jedoch wiederverwertet, also recycelt wurden. Dabei kann das ursprüngliche Produkt etwas ganz anderes gewesen sein. Nehmen wir mal ganz beispielhaft eine Plastikflasche – die wird zerhäckselt, der Kunststoff mit anderen Komponenten vermengt und daraus eine Faser hergestellt, aus der dann eine Regenjacke oder Sportkleidung genäht wird. Oder alte Jeans werden geschreddert und die Fasern zu neuem Garn verarbeitet.

Beim Upcycling ist das Verfahren in der Regel simpler, hier wird nicht gehäckselt und auch nicht auf molekularer Ebene gearbeitet. Hier geht es in erster Linie um die Aufwertung eines alten Produkt zu etwas neuem. Ganz einfaches Beispiel: Du zerschneidest alte Stoffbeutel und nähst dir daraus ein schickes Kleid. Einer der es mit dem Upcycling bis zur Haute Couture getrieben hat, ist der Londoner Designer Gary Harvey, dessen Kleider ihr im folgenden Bild seht. Hergestellt aus alten Jeans, Trenchcoats, Army-Kleidung oder sogar Zeitungspapier – und als Eco Couture ausgewiesen:

Gary Harvey Eco CoutureWer von euch hat sich selbst schon mal ans Upcycling gewagt und aus alten Kleidungsstücken oder Stoffen etwas Neues gezaubert? Welches Material bevorzugt ihr bei Kleidung? Natürliche Fasern von Pflanzen und Tieren oder dürfen es auch mal nachhaltig hergestellte Synthetikfasern mit funktionalen Eigenschaften sein? Im nächsten Beitrag stelle ich euch die aktuellen Trends der Messen für nachhaltige Mode vor – und auch aus dem Hause LIVING CRAFTS gibt’s was ganz Neues zu berichten – ihr dürft gespannt sein 😉