Was ist eigentlich „Slow Fashion“? Müsste ich auf die Schnelle antworten, fielen mir einige mehr oder weniger befriedigende Definitionen ein: 1) Slow Fashion ist das Gegenteil von Fast Fashion. 2) Slow Fashion ist nachhaltig produzierte Mode. 3) Slow Fashion ist Kleidung für mehr als eine Saison. 4) Slow Fashion ist langlebige Mode. 5) Slow Fashion ist „entschleunigte Mode“. 6) Slow Fashion ist … ergänzt doch mal diesen Satz – was ist Slow Fashion für euch? Ein bisschen definitorische Inspiration findet ihr hier. 😉

Slow Fashion Messe Berlin

Auf dem Foto seht ihr die von LIVING CRAFTS gesponsorten Stoffbeutel für die Ethical Fashion Show, die im Juli in Berlin stattfand, mit dem Aufdruck „It will last forever, if you do it right“.

Slow Fashion als aktueller Trend

Immer wieder liest oder hört man von einer „Slow Fashion Revolution„, die wir dringend benötigen. Sie soll die Gegenbewegung zur erschreckenden Entwicklung hin zur Fast Fashion sein und der Ausbeutung von Arbeitern, Verschwendung von Ressourcen, dem Kauf von Billigkleidung und der damit einhergehenden Wegwerfmentalität, die sich in den letzten Jahren immer mehr unter uns breitgemacht hat. „Wir müssen umdenken“ – ein Leitsatz, der auch auf den aktuellen Eco Fashion Messen deutlich gemacht wird.

Habt ihr auch das ein oder andere Kleidungsstück im Schrank, bei dessen Anblick ihr euch fragt, was euch da geritten hat? Hängt da auch so ein luftiges Sommerkleidchen seit einigen Jahren, das noch nie Tageslicht gesehen hat, geschweige denn die Öffentlichkeit – leicht erkennbar an den noch daran baumelnden Preisschildern? Dann gibt’s da noch die Kleidung der Gattung „Eintagsfliege“: Gekauft (vielleicht zu einem bestimmten Anlass), ein mal getragen (vielleicht zu diesem bestimmten Anlass) und auf ewig vergessen. Unterscheidet sich zu den noch nie getragenen Klamotten lediglich durch das Fehlen der Preisschilder. Also mein Kleiderschrank gibt da doch mehr her als gedacht – und das selbst nach mehrmaligem Ausmisten im Rahmen der letzten Wohnungswechsel. Und ihr so? Alles strukturiert und sauber geordnet im Kleiderschrank? Tragt ihr alles was dort hängt auch einigermaßen regelmäßig?

… wer frei von Sünde ist, werfe den ersten Stein. Ich gucke währenddessen beschämt zu Boden und wechsle das Thema.

Das Slow Fashion Projekt im Hause LIVING CRAFTS

Als Bio-Unternehmen mit über 30-jähriger Geschichte verfolgen wir bei LIVING CRAFTS die aktuellen Entwicklungen einerseits mit einer gewissen Gelassenheit trotz gleichzeitiger Besorgnis, andererseits auch sehr gespannt! Die Skandale rund um giftige Farbstoffe oder schnelle Billigproduktion sind uns glücklicherweise ziemlich fern. Alle unsere Lieferanten sind biozertifiziert oder in Deutschland ansässig. Außerdem müssen wir als Mitglied der Fair Wear Foundation auch in Sachen Fairness entlang der gesamten Produktionskette sehr hohe Standards erfüllen. Die Innovationen hingegen beschäftigen uns umso mehr, denn wir wollen unser langjähriges Knowhow nutzen, um einen noch größeren Anteil der Bevölkerung für nachhaltige Kleidung begeistern zu können – und dazu müssen wir uns weiterentwickeln und ein Stück weit mit der Zeit gehen (aber nur ein Stück weit, denn wir bleiben unseren Leitsätzen dabei natürlich treu! 😉 ).

LIMITED EDITION Slow Fashion

Wie kann man das als „alter Hase“ in der Öko-Textil-Branche realisieren? Nun ja, in dem man sich ein wenig von seinen Konventionen als Wäschehersteller im Basic-Segment löst und was ganz Neues erschafft! Grob zusammengefasst standen folgende Punkte auf der Agenda:

  • eine Kollektion an Eco Fashion für Damen und Herren (nur Oberbekleidung!)
  • eine Zusammenstellung von Outfits, die sich vielseitig kombinieren lassen (Oberteile + Hosen + Accessoires)
  • modernes Design, das zugleich zeitlos ist und über die Saison hinaus Bestand hat: Slow Fashion eben!
  • hochqualitative Materialien und eine weitgehend in Europa gelegene Produktion

Mit elf Teilen für Damen, acht für Herren und einem Accessoire – verpackt in diesem Lookbook in ganz neuem Stil – sind wir dann auf die Ethical Fashion Show nach Berlin gefahren. Dort haben wir uns unter die ganzen jungen Labels gemischt und wurden mit großem Interesse und Zuspruch empfangen.

Slow Fashion – Strick, Made in Germany!

Das Herzstück der LIMITED EDITION sind die Strickteile aus 100 % Bio-Merino-Schurwolle unseres neuen Lieferanten Schneider-Strick aus der Rhön. Und anhand dieser Linie lassen sich die Grundsätze ganz gut verdeutlichen, für die Slow Fashion steht.

Schneider_Strick_Eco-Fashion

Der moderne Betrieb aus der Nähe von Fulda hat sich auf die Herstellung nachhaltiger Strickwaren spezialisiert. Er produziert inzwischen für einige namhafte Marken wie hessnatur, Grüne Erde oder People Wear Organic. Geschäftsführerin Adina Schneider, eine gebürtige Rumänin und studierte Textildesignerin, hat die kurz vor dem Aus stehende Strickerei im Jahr 2013 übernommen. Seitdem hat sie das Unternehmen zu einem musterhaften Betrieb innerhalb Deutschlands gemacht. Frau Schneider widersetzte sich bewusst dem traurigen Trend der Billiglohnproduktion in Asien. Stattdessen modernisierte sie das traditionsreiche Unternehmen in der Rhön, um vor Ort ökologisch, sozial und ökonomisch nachhaltige Strickmode zu produzieren. Seit 2014 ist die SCHNEIDER-Strick GmbH ein GOTS-zertifizierter Betrieb. Er arbeitet ausschließlich mit Garnen aus kontrolliert-biologischem Anbau, bzw. kontrolliert-biologischer Tierhaltung – so wie dem Garn aus Bio-Merino-Schurwolle für unseren LIMITED EDITION Strick. Gefallen euch die neuen Strickwaren?

Slow Fashion Strick LIMITED EDITION

Und auch das macht Slow Fashion aus: Es steht eine Geschichte hinter dem Kleidungsstück, die ihm eine persönliche Note verleiht. Eine Geschichte, die es zu mehr als einem anonymen Stück Stoff macht, das im Kleiderschrank hängt. Im nächsten Beitrag erzähle ich euch dann eine kontroverse Geschichte über Bio-Kleidung, made in China. Wie kann das sein und wie passt das zusammen? Kann man mit einem hohen Maß an Transparenz der Skepsis des Käufers entgegenwirken? Wie sehen GOTS-zertifizierte Betriebe in Fernost aus und worin unterscheiden sie sich von konventionellen Betrieben? Wir waren vor Ort und möchten euch einen Einblick in die umstrittene Produktion in China gewähren.

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