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Das große Fest steht vor der Tür! „Was essen wir zu Weihnachten?“ fragen wir uns bald. Dabei ist die Frage „Woher kommt unser Festtagsbraten?“ mindestens genauso spannend. Bio-Bloggerin Ariane hat sich mit dieser Frage auf die Reise zu sieben Bio-Betrieben gemacht, die denn’s Biomarkt mit Gänsen, Enten, Rind oder Lachs zu Weihnachten beliefern.

Ein grauer Samstagmorgen im Osthessischen Bergland. Ich kurve bergauf und -ab von einem kleinem Dorf ins nächste, um noch pünktlich in Birstein zu meinem Termin auf dem Biogans-Hof Kunath zu kommen. Brunnenstraße 10 – endlich da!

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Dieter und Sebastian Kunath warten schon auf mich. 2009 haben Vater und Sohn ihren Bio-Geflügelbetrieb gegründet und sich dann vor drei Jahren aus Überzeugung für eine biologisch-dynamische Wirtschaftsweise entschieden. Seitdem sind sie Demeter zertifiziert und ziehen ihre Gänse, Enten, Hühner und Puten nach den strengen Demeter-Richtlinien auf.

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Sebastian ist der Chef des Betriebs. Er hat nicht viel Zeit, denn er muss sich um die Herstellung des Futters für seine Tiere kümmern. Das Futter ist 100% biologisch (50%-70% Demeterfutter) und besteht aus selbstangebautem und zugekauftem Getreide (Weizen, Gerste und Hafer), Demeter-Sonnenblumenkuchen, Sojakuchen, Erbsen und Ackerbohnen.

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Außerdem futtern die Gänse und Enten natürlich noch jede Menge Gras, Klee, Mais, Schnecken und Würmer auf der Weide, denn sie leben bei Kunath ab der sechsten Lebenswoche immer unter freiem Himmel.

Und wo sind nun die Hauptdarsteller meiner Geschichte? Weit und breit höre ich kein Entengequake oder Gänsegeschnatter.

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„Da musst du mit mir mitkommen, die stehen ganz im Freien auf zehn verschiedenen Weiden hier in der Gegend rund um den Hof:“ erklärt mir Dieter Kunath. Wir steigen ins Auto und fahren zu drei verschiedenen Weiden.

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„Wenn die Tiere immer unbewacht im Freiland stehen, habt ihr dann nicht Probleme mit dem Fuchs?“ frage ich neugierig. „Unsere Tiere sind zwar immer im Freien, so wie es ihre natürliche Lebensweise ist, aber unbewacht sind sie nie. Warte mal ab, bis wir da sind!“ entgegnet mir Dieter Kunath geheimnisvoll.

Dann stehen wir am Zaun vor der ersten Weide auf der Enten herumwatscheln und vergnügt grasen, und ich kann mir endlich einen Reim aus Kunaths Antwort machen.

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Ein großer weißer wuscheliger Hund passt scheinbar auf die Enten auf. Ein pyrenäischer Hirtenhund oder Pyrenäenberghund, wie mir erklärt wird. Auf jedem der zehn Weiden schützt einer dieser wachsamen Hunde Kunaths Geflügel, und das funktioniert wunderbar.

Weil die Hunde auch menschliche Zuwendung und Futter brauchen, fahren die Kunaths zweimal täglich zu allen zehn Weiden. Außerdem müssen selbstverständlich auch die Gänse und Enten gefüttert werden. Ein großer Aufwand für einen kleinen Nebenerwerbsbetrieb, aber Vater und Sohn machen es aus konsequenter Überzeugung: Artgerechte Haltung bei der das Wohl der Tiere an erster Stelle steht.

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Auf einer etwa 3000 qm großen Weide leben etwa 450 Enten mit Unterschlupfmöglichkeit. Es sind Peking- und Flugenten und darunter erspähe ich auch eine hinkende Gans, die sich unter den Enten wohler als bei ihrer großen Herde fühlt.

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Die Enten sind noch jung und etwa acht Wochen alt. Bis Weihnachten werden sie noch hier im Freien leben und dann mit etwa 17 Wochen geschlachtet.

Zum Vergleich: In der konventionellen Haltung werden Mastenten lediglich 7–8 Wochen alt und je nach Betrieb in Gruppengrößen von 4–16.000 Enten in geschlossenen Ställen gehalten.

Kunaths Demeter-Enten hingegen haben mehr Zeit um ihr Gewicht zu erlangen bis sie geschlachtet werden. Während ihres Lebens haben sie in kleineren Gruppen natürliche Bewegungsfreiheit an der frischen Luft und können zudem ihre Nahrung selbst suchen, was 60% ihrer natürlichen Tagesaktivität ausmacht. (Quelle: Albert Schweizer Stiftung).

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Weiter geht´s zur nächsten Gänseweide. Hier schnattern 500 Gänse (eine Kreuzung aus Pommern- und Legegans) auf einer 5000 qm großen Klee-Weide um die Wette. Vom Klee ist nicht mehr viel übrig, wie man auf den Fotos sehen kann. Bald wird die Weide umgesteckt, dann können die Gänse sich wieder an frischen Kleeblüten und -blättchen zu schaffen machen.

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Da die Gänse während der Nahrungssuche von Natur aus die Weide aufwühlen und dabei keinen Grashalm stehen lassen, machen sie dabei natürlich ihr Gefieder schmutzig. Schneeweiße Gänse sind also wie so oft ein Werbemärchen.

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Kunaths Gänse werden etwa 5–8 Monate alt, im konventionellen Bereich werden Gänse schon nach 12–16 Wochen geschlachtet.

Beim Gedanken daran, dass der Hauptteil der in Deutschland verzehrten Gänse aus Osteuropa importiert, und meist als tiefgefrorene Ware zu Dumpingpreisen in Supermärkten und Discountern für 3–3,5 € pro Kilo verramscht wird, schüttelt Dieter Kunath traurig den Kopf. Da werden Tier und Mensch gemeinsam ausgebeutet – anders funktioniert dieses System nicht.

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Zum Glück gibt es mittlerweile einige aufgeklärte Verbraucher, die wissen wollen wo ihr Festtagsbraten herkommt und unter welchen Verhältnissen er gehalten wurde.

Nur wenn der Verbraucher weiß, wieviel mehr Arbeit und Kosten bei der Bio- bzw. Demeteraufzucht für den Bauern entstehen und wie viel mehr Lebensqualität die Tiere wiederum haben, ist er auch dazu bereit deutlich mehr Geld dafür zu bezahlen. Bei 18 € pro Kilo kommt man bei einem 4 kg Durchschnittsgewicht pro demeter-Gans bei Biogans-Hof Kunath auf etwa 72 €. Und das sollte uns unsere Bio-Gans als Festtagsbraten meiner Meinung nach Wert sein.

Zum Schluss möchte ich noch wissen, wie Dieter Kunath seinen Gänsebraten zu Weihnachten zubereitet. Er verrät mir, dass er auf Niedrigtemperaturgaren setzt: Innereien aus der Gans herausnehmen, die Gans nach Geschmack mit Beifuß und mürben Äpfeln füllen und mit Salz und Pfeffer einreiben. Dann Abends um 21 Uhr vor dem dem 1. Weihnachtsfeiertag bei 80 °C für 12 Stunden in einen Bräter mit 1.2 Liter Wasser in die (kalte) Röhre schieben und das Fett langsam auslaufen lassen. Am nächsten Morgen die Temperatur dann für 2 Stunden auf 130 °C erhöhen. Danach auf 140 °C und zuletzt auf 160°C erhöhen und immer wieder mit dem eigenen aufgefangenen Fett übergießen, damit die Gans eine schöne knusprige Haut bekommt. Die Garzeit ist dabei vom Alter der Gans abhängig – je länger die Gans leben durfte, desto mehr Zeit braucht sie auch im Ofen!

Ein spannender Vormittag mit vielen neuen Erkenntnissen über die Geflügelzucht geht zu Ende und ich habe sogar ein neues Gänsebraten-Rezept mit im Gepäck. Weiter geht’s zu Bio-Geflügel Stauß im baden-württembergischen Ertingen.

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