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Das große Fest steht vor der Tür! „Was essen wir zu Weihnachten?“ fragen wir uns bald. Dabei ist die Frage „Woher kommt unser Festtagsbraten?“ mindestens genauso spannend. Bio-Bloggerin Ariane hat sich mit dieser Frage auf die Reise zu sieben Bio-Betrieben gemacht, die denn’s Biomarkt mit Gänsen, Enten, Rind oder Lachs zu Weihnachten beliefern.

Und schon bin ich an meinem nächsten Ziel. Heute besuche ich Bio-Geflügel Stauß in Baden-Württemberg.

Der in 2006 von Roswitha Stauß und ihrem Mann gegründete Betrieb hat sich vor allem auf die Verarbeitung bzw. Schlachtung von Bio-Geflügel spezialisiert. Bei der Auslieferung des verarbeiteten Geflügels arbeitet Stauß ausschließlich mit Bio-Geflügelhöfen zusammen, die sie auch persönlich kennen. Daneben hat der Betrieb auch eigene Geflügelstallungen in denen u.a. Enten und Gänse nach den Naturland Richtlinien aufgezogen werden.

Noch nie war ich bei einer Schlachtung dabei und ich muss zugeben, dass mir ein bisschen mulmig zu Mute ist. Auf der anderen Seite möchte ich dieses Erlebnis gerne machen, denn wenn ich Fleisch konsumiere, geht mich auch der ganze Produktionsprozess etwas an. Die Schlachtung der Tiere gehört auch zur Realität.

Roswitha Stauß erklärt mir ein bisschen etwas zur Schlachtung, bevor ich sie mir mit eigenen Augen angucke.

Das Geflügel wird nur von Höfen angeliefert, die höchstens 200 km entfernt sind. So werden die Tiere nicht unnötigem Stress ausgesetzt. Bevor die Tiere nach ihrer Ankunft im Schlachthof mit Wasser und Strom betäubt werden, beruhigt man sie mit blauem Licht. Während jeder Schlachtung betreuen und kontrollieren zwei Tierärzte das Wohl der Tiere und täglich werden etwa 2000–5000 Tiere geschlachtet. Das ist im Vergleich zu konventionellen Bereich recht wenig, wo beim größten Schlachthof Europas z.B. bis zu 430.000 Tiere am Tag geschlachtet werden können.

Bevor ich in die Produktionsräume geführt werde, muss ich mich wegen der hohen Hygienestandards wieder mit Overall und Kopf- sowie Fußüberziehern bekleiden. Ich gehe die Produktion rückwärts durch und sehe zuerst die Verpackungs- und Zerlegungsorte. Viele Dinge werden von Maschinen übernommen, aber einige Produktionsschritte werden auch von Hand gemacht. Der Moment indem die Innereien der Tiere entnommen werden, ist für mich der schwierigste.

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Unsere Augen sind diesen Anblick heutzutage nicht mehr gewohnt. Wir kennen nur das, was am Ende der Schlachtung im Kühlregal liegt. Noch vor 70 Jahren hätte man damit wahrscheinlich nicht viele Menschen erschrecken können.

Ich glaube, dass jeder der einmal bei der kompletten Produktionskette vom Küken bis Schlachtung dabei war, ein anderes Verhältnis zum Fleischkonsum bekommt: Das fängt bei der Wertschätzung von artgerechter Tierhaltung nach Bio-Richtlinien an, geht über den Respekt zu den Tieren und endet beim Ess- und Einkaufsverhalten.

Schon seit Jahren esse ich nur ein bis zwei Mal die Woche Fleisch. Wenn ich mir dann welches gönne, kaufe ich nur beim Metzger oder im Biomarkt meines Vertrauens ein und bezahle gerne für gute Qualität. Mein Metzger kann mir alle Fragen zu Herkunft und Aufzucht beantworten und gibt mir außerdem Tipps für die Zubereitung.

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Nachdem ich die Verarbeitungshallen verlassen habe, freue ich mich auf frische Luft. Roswitha Stauß fährt nun mit mir zu den im Freiland lebenden Gänsen und Enten, die Bio-Geflügel Stauß in der Nähe der Schlachterei aufzieht.

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Als Erstes darf ich mir die gelb-flauschigen Entenküken angucken. Sie leben noch im Stall mit Auslauf. Nebenan höre ich schon die Gänse schnattern.

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Die 500 deutschen Gänse leben hier im Freiland mit Unterständen auf einer etwa 8000 qm großen Weide mit kleiner Wasserstelle, denn die Gänse nehmen liebend gern auch mal ein Bad. Vom Schlüpfen bis zur Schlachtung leben sie nach der EU-Verordnung mindestens 20 Wochen, aber bei Stauß dürften sie oft etwas länger leben und sind dann 4–4,5 kg schwer. Gefüttert werden die Tiere mit speziellem Eiweiß-Soja-Futter von der Biofutter-Mühle Kehl im Saarland, direkt an der französischen Grenze.

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Es ist schön anzusehen, wieviel Bewegungsfreiheit die Gänse hier haben und wie sie sich in Grüppchen im Gänsemarsch auf der Weide verbreiten, oder vergnügt im Affenzahn in das Wasserbad stürzen.

Ich finde es sehr interessant, wie Unterschiedlich die Geflügelaufzucht von Bio-Betrieb zu Bio-Betrieb sein kann. Aber vor allem der direkte Einblick in die Schlachtung und Verarbeitung, die Neuland für mich war, ist eine große Bereicherung für mich als aufgeklärte Konsumentin.

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Jedem, der die Möglichkeit gegeben wird sich das alles mal genauer anzugucken, rate ich dazu. Unsere Welt braucht in meinen Augen viel mehr aufgeklärte Verbraucher, die wissen wollen wo ihr Essen herkommt. Mit unserem Konsumverhalten können wir so viele Dinge beeinflussen und dazu  brauchen wir in allererster Linie das Wissen, das hinter der Herstellung von guten Produkten und gutem Essen steckt.

Das ist wertvoll, denn nur so werden wir zu mündigen, bewussten Konsumenten in allen Lebensbereichen.

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