10471Sind denn wirklich alle vergiftet? Wohin ich meine großen Lauscher auch bewege, überall schallt das Wort „Detox“ in meine Ohren. Was´n das? Als halbwegs gebildete Ober-Ziege hier in der Zickenzone bringt mich die Silbe „tox“ natürlich gleich auf die Giftspur, die zwei Buchstaben davor verwandeln es wohl ins Entgiften. Die Chefin hat für mich dann mal im weltweiten Netz geforscht, schließlich pflegen wir einen intensiven Austausch über all das, was uns und die Welt bewegt. Also: Detox ist ursprünglich eine Kampagne von Greenpeace. Die Umweltorganisation hatte sie im Juli 2011 begonnen, dabei ging es um „schmutzige Wäsche“. Inzwischen erobert Detox jedoch alle Kanäle. Es gibt sogar den Aufruf zum digitalen Entschlacken, also ein paar Tage ohne Smartphones, Tablet oder Computer (daran beteiligt ihr euch hoffentlich gerade nicht, denn sonst würden wir uns ja nicht in der  Zickenzone treffen können). In den USA findet das dann in Digital Detox Camps statt. Da kriegen die Teilnehmer dann – stattdessen – gesundes Essen.

Womit wir bei meinem Lieblingsthema wären. Und heute werde ich es für euch mal von der bisher verborgenen, ganz geheimen Seite betrachten. Schließlich geben wir Ziegen seit Jahrtausenden unser geheimes Wissen über die wunderbare Wirkung von Nahrung von Generation zu Generation weiter – und warum sollten davon nur die Zicklein profitieren und ihr nicht? Detox hat ja den offenbar zu altertümlichen Begriff Entschlackung abgelöst. Damit sind all die Maßnahmen gemeint, die Giftstoffe und schädliche Stoffwechselprodukte aus dem Körper befördern. Ob sich in lebendigen Organismen wirklich solche Schlacken bilden wie im Hochofen oder in der guten alten Dampflok ist (natürlich) wissenschaftlich hoch umstritten. Aber wer es probiert, berichtet oft von tollen Ergebnissen. Wer also mal anders isst oder eine Zeitlang fast gar nichts fühlt sich buchstäblich erleichtert, fitter, beweglicher, freudiger.

Ist mir eigentlich unvorstellbar und für Ziegen auch völlig indiskutabel, nix zu essen. Das geht bei uns gar nicht, was würden unsere vielen Mägen und unser ausgefeiltes Wiederkäuer-Verdauungssystem dazu sagen? Aber wir sorgen durch die richtige Auswahl an Pflanzen ja ohnehin für kontinuierliches Entgiften. Vielleicht haben wir auch gar keine Schlacken, denn all das süße Zeug der Menschen oder das viele tierische Eiweiß kommen bei uns ohnehin nicht in die Futterkrippe. Noch ist es draußen zu kalt, um gezielt nach Brennesseln, Disteln, Löwenzahn, Wegerich, Birken- oder Lindenblättern zu suchen. Aber in unserem Heu finden sich die Kräutlein ja sowieso, denn unsere Wiesen sind der wahre Reichtum – hatte ich euch ja schon mal erklärt, dass die Vielfalt rund um unseren Stall mit den Biodynamischen Präparaten und unserem guten Kompost in der Demeter-Landwirtschaft zusammen hängt.

Ich lade euch natürlich weder zum Weidegang noch an die Heuraufe ein – aber Möglichkeiten, vom geheimen Kräuterwissen in der Zickenzone zu profitieren, habt ihr Menschen natürlich schon. Ich trage also dazu bei, dass das Großreinemachen für euren Körper gelingt. Was bei uns als frisches oder trockenes Kraut zerkaut wird (Apropos: kauen ist auch für euch wichtig) gibt es als Brennnesseltee, Birkenwasser oder Mariendistel-Präparate sogar fertig zu kaufen, sagt die Chefin. Außerdem schwärmt sie mir von Artischocken vor, die gibt es als Antipasti nicht als Anti-Gift. Da wollte sie mal wieder witzig sein als sie dieses Wortspiel in meine Lauscher schickte. Dann murmelte sie noch was von diversen Detox-Kuren. Damit die nicht vor allem euren Geldbeutel entschlacken, orientiert ihr euch einfach am Zicken-Wissen. Gegen unsinnige Versprechen seid ihr dann gefeit. Und das richtige Kräutlein findet ihr mit Sicherheit – auch ganz ohne solch uralten Instinkte wie wir sie haben.

Wer das mal ausprobiert, hat viel mehr Freude an grundsätzlich guter Ernährung – sagt zumindest die Chefin, und die muss es ja wissen. Sie meint nämlich, Kräuter, Gemüse, Obst, Salat seien nicht nur supergute Mineralstoff-Lieferanten und Leckereien für den Gaumen, sondern basisch. Was das nun wieder bedeutet, musste sie mir dann auch noch erklären. Diese Säure-Basen-Theorie wurde von einem gewissen Professor Friedrich Sander in die Welt gebracht. Demnach entstehen im menschlichen Organismus Säuren. Verantwortlich dafür seien „säurebildendene“ Lebensmitteln wie Fleisch, Eier und anderes tierisches Eiweiß, Zucker, Kaffee, Nikotin oder auch Stress. Wer dann zu viel davon isst oder trinkt, übersäuert. Ein anderer Professor, der Doktor Heine, lange Leiter des Klinisch-Morphologischen Institut der Universität Witten/Herdecke, sieht in der Übersäuerung – Azidose – eine Ursache für chronische Krankheiten. Also sind all diejenigen, die jetzt mein gerade verratenes geheimes Wissen der Zicken in ihren Essensplan integrieren, auf der richtigen Seite. Und wer nach den Schlemmereien der Feiertage  übersäuert ist, nutzt gezielt die passenden Angebote für ein „Basenfluten“ als Start in den richtigen Essensmodus – Tees, Säfte, Kur-Packungen. Mich lockt jetzt nämlich sehr das duftende Heu inklusive Brennnesseln und Disteln – und wer mich davon fern halten will, erlebt hautnah, wie ich als Oberziege Emely agiere, wenn ich emotional sauer bin. Aber das ist ein anderes Thema – wer mag, kann ja die „emotional-energetische Entschlackung“ gleich mit in sein Programm des Großreinemachens und Neustarts integrieren. Ich lass es mir jetzt jedenfalls schmecken, damit Körper und Seele sich freuen. Am besten, ihr macht es mir nach.

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