Fair ist das Gegenteil von Ego. Fair sieht das „Du“. Fair fragt, was das Gegenüber braucht, baut die Brücke zum „Wir“. Klingt ja fast so, als ginge ohne faires Miteinander gar nichts. Und wenn wir unseren Blick mal auf Weitwinkel stellen, fallen uns sicherlich 1000 Beispiele als Beweis dafür ein.

Klar, bei den fair gehandelten und ökologisch produzierten Waren aus der so genannten dritten Welt wissen wir, dass ein Teil unserer Bezahlung an der Biomarkt-Kasse direkt bei den Kleinbauern in Indien, Sri Lanka oder Burkina Faso ankommt. Davon können sie Schulen bauen, Saatgut für die eigene Ernte kaufen, Brunnen bohren und den Arzt bezahlen. Längst genießen wir Tee aus Indien, Aprikosen aus der Türkei, Kaffee aus Mexiko, Olivenöl aus Tunesien oder Bananen aus der Dominikanischen Republik in Bio-Qualität neben dem täglichen Brot. Ökologische Lebensmittel aus allen Regionen der Welt finden sich ganz selbstverständlich im Angebot deutscher Bioläden und im Kühlschrank anspruchsvoller Kunden. Darunter sind nicht nur nach EU-Bio-Standard zertifizierte Waren, auch die anspruchsvolleren Richtlinien etwa von Demeter werden weltweit umgesetzt. Auf den wenigsten Lebensmitteln prankt dann jedoch neben dem orangefarbenen Demeter-Markenzeichen auch noch ein Fair-Trade-Stempel. Bedeutet Demeter nicht sowieso faires Miteinander? Der Schutz und die Entwicklung bäuerlich-handwerklicher Kultur und die Sicherung regionaler Strukturen sind für die Biodynamiker auf allen Kontinenten ehernes Prinzip. Zu den fairen Preisen gesellen sich soziale Verbindlichkeit und nachhaltige Entwicklung für die Menschen vor Ort. Genau die richtige Antwort eines verantwortungsbewussten weltweiten Netzwerks auf die Globalisierung. Der erste Demeter-Hof in Übersee war übrigens die Finca Irlanda in Mexiko  schon 1928. Zu den jüngsten Projekten gehört die Jojoba-Farm Talamyana in Argentinien. Dort wachsen auf 134 Hektar die Jojoba-Nüsse, die wertvolles Öl liefern, das zum Beispiel für Demeter-Kosmetika gebraucht wird.

Aber auch der Bio-Bauer gleich um die Ecke braucht den fairen Handel, das Miteinander von Erzeuger und Konsument. Das diese Botschaft angekommen ist, war vielleicht der wichtigste Effekt der Milchkrise. Wer Kühe auf blühenden Wiesen sehen, Kälbern das Trinken am Euter ermöglichen will, luftig-helle Ställe für notwendig hält, artgerechte Fütterung mit reichlich Grünfutter und Heu direkt vom Hof unterstützt und weder schmerzhaftes Enthornen noch Zucht auf Hornlosigkeit für den richtigen Weg hält, der muss den Bäuer*innen ein Einkommen sichern, dass den Mehraufwand an Zeit, die Investitionen in passende Gebäude und das Weniger an Milchleistung kompensiert. Selbst jetzt, wo der Milchpreis endlich losgelöst vom konventionellen Preis akzeptable Höhen erreicht hat, fragt sich mancher Landwirt, was seine Kuh wirklich verdient. Je nach Region braucht zum Beispiel ein Demeter-Bauer von der Molkerei eigentlich zwischen 50 und 60 Cent für den Liter, um zukunftsfähig zu sein. Rechnen Molkereien die Ausgaben für Verarbeitung, Abfüllung, Transport und der Groß- und Einzelhandel die jeweiligen Kosten hinzu, käme als realistischer Preis eigentlich zwei Euro pro Liter raus.

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Foto: Demeter e.V.

Statistiken gehen davon aus, dass der Durchschnittsdeutsche gut 50 Liter Milch pro Jahr verbraucht. Würde diese Ottilie Normalverbraucherin die fehlenden 50 Cent zum jetzigen Spitzen-Milch-Preis drauflegen, um die ersehnten 2 Euro pro Flasche zu erzielen, hätte sie gerade mal 25 Euro mehr ausgegeben – im Jahr! Wie klingt das in Verbraucher-Ohren? Wie fühlt sich dieses Wir aus Bauer, Kuh, Kalb, Wiese und Genießer an?

Wer mit dem Bauern und der Bäuerin in seiner Nachbarschaft direkt ins Gespräch kommen kann, merkt schnell, ob und wie dort Fairness umgesetzt wird. Da ist Transparenz ja leicht herzustellen. Woran erkenne ich aber, ob das, was über mehrere Handelsebenen hinweg schließlich im meinem Einkaufskorb landet, auch diesem Anspruch an Fairness für alle Beteiligten gerecht wird? Da heißt es dann, Informationen in Flyern, im Netz und auf Produkten genau zu lesen oder sogar mal am Verbrauchertelefon der großen Markenartikler oder Verbände nachzufragen. Und ganz wichtig: den Focus auf die Siegel richten, denen wir als Konsument*innen nach gründlicher Abwägung unser Vertrauen schenken. Fairtrade, Gepa fair +, Naturland fair, Rapunzel Hand in Hand  oder eben Demeter als „all inclusive“ Paket.

Ist fair in diesem ganzheitliche Sinne betrachtet nicht eigentlich die große Schwester von Nachhaltigkeit? Und wissen wir alle nicht längst, dass nur ein nachhaltiger Lebensstil eine lebenswerte Zukunft mit fruchtbaren Böden, Vielfalt an Pflanzen und Tieren sowie gesunder Nahrung sichert? Also erklären wir hiermit jede Woche zur fairen Woche und fangen im vollen Bewusstsein für unsere eigene Verantwortung gleich damit an: beim Einkaufen, beim Gespräch mit dem Partner, bei der Begegnung mit der Erzieherin des Nachwuchses, beim Blick auf alles Lebendige.

 

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