Wann ist die Welt farbenprächtiger als jetzt im Herbst? Rote, ein paar noch grüne und viele gelbe sowie braune Blätter erfreuen unser Auge. Daran kann ich mich gar nicht satt sehen. Also draußen im Wald schnell noch die „Farbspeicher“ füllen für die bevorstehenden tristen Tage. Apropos Farbspeicher – wie wäre es denn mal mit „Essen nach Farben“? Denn auch im Gemüse- und Obstregal herrscht üppige farbliche Vielfalt. Und die ist nicht nur fürs Auge toll, sondern via Gaumen, Magen und Darm auch für die Gesundheit. Pflanzenfarbstoffe gehören nämlich zu den wichtigen sekundären Pflanzenstoffen, denen schon konkrete gesundheitliche Nutzen zugeordnet werden können, obwohl sie längst noch nicht umfassend erforscht sind. Außerdem bestimmt die Farbe von Obst und Gemüse den Geschmack mit. Na dann gleich mal ganz farbenfroh den Tisch decken!

Orangene Carotinoide und gelbe Flavonoide in Möhren, Tomaten, Ingwer, Gelbwurz, Bananen, Mangos, Orangen oder Paprika wirken antioxidativ. Sie fangen also die freien Radikale ab, aggressive, reaktionsfreudige Moleküle. Allein zu den Gruppen der Carotinoide und Flavonoide gehören hunderte Stoffe. Einige davon schützen und stärken die Gefäße, andere wirken entzündungshemmend oder krampflösend. Außerdem sind sie ein Schutz vor UV-Strahlen und können das Immunsystem stimulieren. Orangefarbenes Essen soll Depressionen vertreiben und helfen, Emotionen zu ordnen. Gelbe Farbe bringt den besten Effekt für Konzentration und Nerven – Mais und Ananas also ganz gezielt vor Prüfungen und in Stresszeiten essen. Orangefarbene Lebensmittel verdanken ihren Farbton dem Beta-Karotin – je leuchtender das Orange, desto mehr Beta-Karotin.

 

Für die Rotfärbung von Obst und Gemüse ist Lycopin verantwortlich, das zur Gruppe der Carotinoide gehört. Rotes Essen mit Tomaten, Chili, Paprika, Radieschen, Kirschen, Hagebutten, Granatäpfeln, Himbeeren oder Wassermelonen regt Appetit und Verdauung an und wirkt sogar leistungsfördernd, heißt es in der Farbenlehre für die Küche. Es bringt den Blutkreislauf und das Herz in Schwung. Rote Früchte und Gemüse gelten sogar als Schutz vor Krebs und verlangsamen offenbar Haut- und Zellalterung sowie Gefäßverstopfung, wobei dies noch nicht eindeutig belegt ist.

 

Grünes Obst und Gemüse, wie Erbsen, Gurken, Spinat, Bohnen, Brokkoli, Äpfel, Birnen, Rucola, Salat, Paprika oder Kräuter wird gegen Nervosität und Reizbarkeit empfohlen. Es kommt mit reichlich Chlorophyll und besonders viel Magnesium, Kalzium und Folsäure daher – wichtig für Muskeln und Nerven. Die grünen Gemüsesorten sind reich an Ballaststoffen, Wasser und Schwefel, was die Entgiftung des Körpers unterstützt. Grünes Essen schwemmt demnach Toxine aus dem Körper, die sich durch Stress, Tabak und Alkohol angesammelt haben. Detox pur aus der Natur.

 

Violett- und Blautöne wie von Blaukraut, Trauben, Heidelbeeren, Lolo Rosso, Pflaumen oder Auberginen wirken entspannend und ausgleichend. Sie haben Anthocyane im Gepäck, die das Bindegewebe festigen sollen. Und violett wird eine appetitzügelnde Wirkung nachgesagt. Außerdem gelten Anthocyane als Anti-Aging-Wunderwaffen. Auch eine Verbesserung der Sehkraft und des Gedächtnis sowie eine entzündungshemmende Wirkung wird blauen und violetten Obst- und Gemüsesorten nachgesagt.

 

Farblos heißt längst nicht wirkungslos. Weiße Lebensmittel gelten als Reinigungsmittel für den Körper. Knoblauch und Zwiebeln sind dank Allicin entzündungshemmend, gefäßschützend, durchblutungsfördernd und antibakteriell wirksam. Meerrettich, Spargel, Fenchel, Blumenkohl, Litschi oder Pastinake sollen zudem geistig klärend wirken.

 

Also nicht genug mit „five a day‘“ – den vielzitierten fünf Obst- und Gemüseportionen pro Tag – am besten zwischen acht Uhr morgens und acht Uhr abends einen ganzen „Regenbogen“ verspeisen. Lasst es euch so richtig gut schmecken.

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