Detoxen, Abnehmen, Regenerieren – Wildkräuter sind unsere heimischen „Superfoods“. Löwenzahn, Giersch, Labkraut und Brennnessel – Wildkräuter überbieten Salat und Gemüse um das 23-fache an Vitaminen, Mineralien und pflanzlichen Vitalstoffen.

Doch sicher hast du ein paar Fragen zu Wildkräutern, bevor du startest. Wildkräuter Sammeln – Wildkräuter bestimmen – Wildkräuter aufbewahren – Verwechslungsgefahr mit giftigen Doppelgängern – Fuchsbandwurm? Diese möchte ich dir hier beantworten:

1. „Morgenstund „… oder: die richtige Tageszeit

Wildkräuter sammelst du am besten, sobald der Tau abgetrocknet ist bis mittag. Sie haben sich über Nacht regeneriert und enthalten nun die meisten Wirkstoffe. Für deinen Grünen Smoothie kannst du sie auch morgens früh vor der Arbeit sammeln oder wenn es regnet. Frühmorgens barfuß durch die taufrische Wiese laufen und eine Handvoll frisch direkt in den Mixbecher zu zupfen, besser kann ein Tag nicht beginnen …

2. Blätter sammeln – so schmecken sie knackig

Nimm  junge Blättchen. Sie sind heller, weicher und schmecken am Besten. Nur beim ersten Frühjahrs-Austrieb kannst du sämtliche Blätter verwenden. Die Blätter sollten nicht beschädigt sein. Angefressene Pflanzen fühlen sich gemobbt und „verbittern“, um ihren Fraßfeinden den Appetit zu verderben! Kommt uns das nicht bekannt vor? Blätter immer waschen.

3. Blüten sammeln  – so hast du das meiste Aroma

Möchtest du Blüten ernten, darf es 24 Stunden vorher nicht geregnet haben. Sonst ist das Aroma ausgespült. Nimm frisch aufgeblühte Blüten: du erkennst sie daran, dass die Pollengefäße prall und samtig aussehen. Sie haben den intensivsten Duft. Blüten nie waschen.

4. Sammeln im Garten – Ernten statt jäten!

Im eigenen Garten ist man weitgehend „safe“ vor Fremdverschmutzung. Ernten statt jäten heißt die Devise: Setz dir eine Brennnessel an den Kompost und betrachte den Giersch als das was er ist: Kraftfutter! Als solches wurde er bis ins 17. Jahrhundert angebaut. Was hier wächst, kannst du auf ungedüngten Flächen bedenkenlos ernten.

5. Sicher sammeln in Wald & Wiese

Du erntest nur auf ungedüngten Flächen mit Sicherheitsabstand vom Wegrand. Ob eine Wiese gedüngt wurde, erkennst du an der Artenvielfalt. Ist die dunkelgrün und es wachsen dort außer Gras nur Löwenzahn und Klee – Finger weg. Diese Wiese ist gedüngt. Ungedüngte Wiesen sehen immer etwas strubbelig aus und pro m2 wachsen zwischen 5 und 50 Pflanzenarten. Bewahre ca. 5 Meter Abstand von Wegen und Straßenrändern: So bist du weitgehend gegen die Verschmutzung durch Autos und Hunde geschützt. Auch von Ackerflächen solltest du einen Sicherheitsabstand bewahren – es sei denn es sind Bio-Flächen: Ist das nicht der Fall wird großzügig gedüngt und bis zu 5 x gespritzt.

6. Naturschutz & Handstrauß-Regel

In Naturschutzgebieten darf man nicht sammeln, ebenso ist es verboten, geschützte Pflanzen zu pflücken. Eine Liste findest du auf Wikipedia. Ansonsten gilt die „Handstraußregel“, d.h. jeder darf für seinen täglichen Bedarf Wildkräuter ernten, wie er für den täglichen Bedarf braucht. Das Grundrecht Wildkräuter- und Wildfrüchte zu sammeln ist sogar in der Bayerischen Verfassung verankert (Art. 141 Abs. 3).

7. Wie gefährlich ist der Fuchsbandwurm?

Hier halte ich es mit dem Robert-Koch-Institut: Fuchsbandwurmeier sterben nach 20 Minuten ab, wenn sie austrocknen. Das RKI hält es daher für unwahrscheinlich, dass Fuchsbandwurm über den Verzehr von Pflanzen übertragen wird und hat eher die feuchten Schnauzen schmusefreudiger Hunde und Katzen im Verdacht. Überproportional häufig infizieren sich auch Jäger und Landwirte. Es empfiehlt sich, Wildwechsel zu meiden und die Kräuter gut zu waschen. 

8. Mit Kokosöl & Co gegen Zecken!

Ein Geheimtipp ist das Einreiben mit Kokosöl. Es enthält Laurinsäure – und das ist ein Geruch, den Zecken nicht mögen. Gleichzeitig bietet Kokosöl einen gewissen Sonnenschutz. Ich verwende Kokosöl seit Jahren erfolgreich und kann seither weder über Sonnenbrand noch Zeckenbisse zu klagen. Auch Schwarzkümmelöl (innerlich wie äußerlich) schreckt Zecken ab. Das gilt auch für Haustiere. Hier kann man das Schwarzkümmelöl ins Futter geben.

9. WICHTIG: Sammle nur, was du kennst!

Starte am besten mit einer geführten Kräuterwanderung. Zertifizierte Kräuterführer und –pädagogen stellen dir die essbaren Wildpflanzen und ihre Verwendung sowie giftige Verwechsler vor. Verwende ein Bestimmungsbuch z.B. „Essbare Wildpflanzen“ von Steffen G. Fleischhauer (Bestimmung nach Blattformen). Einen guten Einstieg gibt auch der Wildkräuter-Onlinekurs.

10. Transportieren im „Frische-Safe“

Ideal zum Transport ist ein Sammelkorb mit einem Tuch als Sonnenschutz. Wenn die Wildkräuter frisch bleiben sollen, nimm einen TK-Beutel mit einem feuchten Tuch und einer Gefrierklammer mit. Wenn du die Pflanzen hier locker eintütest, transportierst du sie quasi unter Schutzklima in einem Luftpolster. Zum Trocknen sammelst du Kräuter am besten in Papiertüten.

„A handful a day keeps the doctor away …“ Wildpflanzen sind Heilpflanzen. Eine Vielzahl von Studien belegt, dass pflanzlich gebundene Mineralien und Vitamine vom Körper erheblich besser aufgenommen werden als Supplemente. Als „Vielstoffgemische“ eignen sich Wildkräuter ideal, um das Immunsystem zu stärken. Und – eine Handvoll am Tag reicht, um mit Vitalstoffen gut versorgt zu sein!

Viel Spaß beim Sammeln wünscht dir
Herbalista
Gabriele Leonie Bräutigam

Du bist neugierig geworden? Weitere Wildkräutertipps und einen Sammelkalender findest du auf meinem Wildkräuterblog.

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