Warum in die Ferne schweifen? Wildkräuter enthalten das bis zu 23-fache an Vitaminen, Mineralien und  Vitalstoffen im Vergleich zu Kulturpflanzen. Je artenreicher die Wiese, umso gesünder ist die Natur. Das könnt ihr auch im eigenen Garten haben: nicht düngen, einige Ecken nur 2-3 mal im Jahr mähen – und schon ist der Tisch nicht nur für euch, sondern auch für die Bienen und Insekten reich gedeckt. Für euren pfleglichen Umgang mit der Natur werdet ihr reich belohnt. Für Grill und Lagerfeuer ist gerade die Brennnessel eine echte Entdeckung. Es lohnt sich also, ihr ein Eckchen im Garten einzuräumen: am besten am Kompost.Heute verrate ich euch meine 3 Lieblings-Rezepte. Guten Appetit!

Foto:Joss Andres

Wilde Veggie-Grillwürste

Einweichzeit: über Nacht * Zubereitung: 20 Minuten * Grillen: 10 Minuten

Kostet fast nichts – außer Fantasie – und ist unter Garantie der Star des nächsten Sommerfests. Die Füllung der Wildkräuter-Veggie-Grillwürste aus Linsenpüree und Brennnessel liest sich an „inneren Werten“ wie ein kleines Steak: Eiweiß, Eisen, Silizium. Die „Lauchpelle“ zu füllen ist einfacher, als man denkt – und der Applaus ist Dir sicher!

Zutaten

(für ca. 8 Stück)

  • 5 dicke, gerade gewachsene Stangen Lauch (ø ca. 4 cm)
    2 Handvoll Brennnesselspitzen
  • 200 g rote Linsen
  • 1 Zwiebel, auf Linsengröße gewürfelt
  • 1 Knoblauchzehe, kleingeschnitten
  • 1-2 EL gutes Bio-Olivenöl
  • 2-3 EL Semmelbrösel oder Kichererbsenmehl
  • Salz, Chili, Kreuzkümmel, Koriander nach Geschmack

 

Zubereitung

  • Linsen über nacht einweichen. Im Einweichwasser 5 Minuten kochen (nicht zu weich), sofort abgießen, abtropfen lassen.
  • Lauch putzen: Wurzeln und Grün abschneiden, so dass ca. 20 cm lange, gerade weißen Stangen übrigbleiben. Nun vorsichtig mit dem Stiel eines Holzkochlöffels die inneren Lauchschichten herausschieben. Je nach Geschick des Grillmeisters pro „Veggie-Wurst“ eine Einfach- oder Doppellauchschicht als Wursthaut stehen lassen. Aus jeder Lauchstange bekommt man auf diese Weise zwischen 2 und 4 Wursthüllen. (Die 5. Lauchstange ist Reserve, irgendwas geht immer schief).
  • Stängel der Brennnesseln entfernen, Brennnesselblätter in dünne Streifen schneiden. Zwiebel und Knoblauch im Olivenöl glasig dünsten, Brennnesseln unterrühren, dann die gut abgetropften Linsen dazugeben. Alles miteinander vermengen und mit einem Pürierstab zu einem gut formbaren Brät verarbeiten. Masse nach Bedarf mit Kichererbsenmehl andicken und mit Salz und Gewürzen abschmecken.
  • Lauchhüllen mit Hilfe eines Kochlöffelstiels vorsichtig mit dem Brät stopfen. Mit etwas Öl bepinseln.Fertigstellen: Ca. 10 Minuten auf den Grill. Dazu passt asiatische Sauerscharf-Sauce.

 

Nessie’s Polenta-Taler

Foto: Joss Andres

Zubereitung: 30 Minuten * Ruhezeit: ca. 2 Stunden * Grillen: 15 Minuten

Unkompliziert hergestellt – und unglaublich lecker. Wer schlau ist, stellt dieses Rezept im Zweitnutzen her: d.h. am Vortag gibt es Polenta frisch gekocht als Brei z.B. mit frischem Pfannengemüse. Den Rest streicht man aufs Blech und lässt die Polentamasse über Nacht erkalten. So bekommt sie eine optimale Konsistenz und du sparst wertvolle Zeit.

Zutaten (für ca. 16-20 Stück)

  • 250 g Polenta
  • 900 ml Wasser
  • 3 Handvoll Brennnesselspitzen
  • 2 EL Brennnesselsamen
  • 1-2 EL Olivenöl
  • Meersalz, Muskatnuss und Rosmarin nach Geschmack

Zubereitung

  • Backblech mit Olivenöl bestreichen. Brennnesseln waschen, Blätter von den Stängeln abzupfen, in schmale Querstreifen schneiden.
  • Wasser salzen, zum Kochen bringen, Polentagieß langsam einrieseln lassen und unter ständigem Rühren bei schwacher Hitze ca. 15 Minuten kochen.
    Zum Schluss Brennnesselstreifen und Rosmarin einrühren, Muskatnuss drüberreiben und knapp 2 cm dick glatt auf das Backblech streichen. 2 Stunden ruhen lassen, bis eine elastische Polentaplatte entstanden ist. Oberseite mit etwas Olivenöl bestreichen.
  • Nun mit einen Glas (ø ca. 7 cm) die Polenta-Taler ausstechen. Mit Brennnesselsamen bestreuen und auf dem Grill beide Seiten etwa 5 Minuten grillen.  

TIPP: Eine vollständige Mahlzeit werden Nessie’s Polentataler wenn man üppig Parmesan darüberreibt und dazu einen großen Salat macht

 

Pestwurz-Packerl mit Bulgur-Schafkäsefüllung

Zubereitung: 30 Minuten * Grillen: 15 Minuten

Grillen am offenen Feuer geht auch „gesund“ – wenn man das Grillgut entsprechend schützt. Vergesst Alufolie – die Natur stellt uns große Blätter zur Verfügung. Besonders geeignet sind Pestwurzblätter mit ihrem angenehm gurkigen Aroma (siehe Bild) oder mildwürzige Huflattichblätter. Sie schützen das Grillgut durch die Verdunstungskälte zuverlässig, und sorgen dafür, dass die Aromen besser durchziehen.

 

Foto: Joss Andres

Zutaten

(für 4 Personen)

  • 100 g Bulgur, zubereitet nach Anweisung
  • 200 g Feta mindestens 45 % Fett, gewürfelt
  • 4 Handvoll Brennnessel, blanchiert, ausgedrückt und feingehackt
  • 2 große sonnenreife Fleischtomaten, klein gewürfelt
  • 1 Zucchini oder Aubergine, klein gewürfelt
  • 1 Pepperoni
  • 1 Handvoll Dost, Gundermann, Thymian, Minze: gehackt
  • 3-4 EL Olivenöl
  • Koriander, Kardmom und ein klein wenig Zitronenzeste nach Geschmack

Zubereitung

Alle Zutaten wie oben aufgeführt zubereiten, in einer Schüssel mischen und nach Geschmack mit den rund ums Lagerfeuer wachsenden Wildkräutern würzen, wenn gewünscht zusätzlich mit Gewürzen abschmecken.
Möglichst fest packen und verschnüren. Auf dem Grill oder am Rand des Lagerfeuers in der Glut braten. Zum Servieren mit dem Taschenmesser öffnen. Das Blatt wird nicht mitgegessen.
Also, eine Brennnessel wächst überall. Und sie ist mit Abstand unsere leckerste, und vielseitigste essbare Wildpflanze. Hinfassen lohnt sich! Viel Spaß  …
Wer jetzt neugierig geworden ist: mehr Rezepte findet ihr im Buch „Brennnessel“.

Herzliche Grüße aus dem Grünen

Eure Herbalista

Gabriele Leonie Bräutigam

PS: Die Pestwurz eignet sich auch hervorragend als Kopfbedeckung – daher hat sie ihren botanischen Namen: Petasites leitet sich ab von altgriechisch „Hütchen“ 🙂

 

 

 

 

 

 

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