Bildquelle: Molkerei Berchtesgadener Land

Die Milch macht`s. Dieser alte Werbespruch hat offenbar weit mehr Substanz als jemals vermutet. Denn inzwischen steht fest: nicht allein die Inhaltsstoffe der Milch wie etwa das gern hervorgehobene Calcium sind wertvoll. Allein schon der Ort der Milchentstehung, der Kuhstall, hat eine gute Wirkung. Wissenschaftliche Studien aus Deutschland, der Schweiz und aus Skandinavien haben ergeben: Kuhstall-Dreck ist gut gegen Allergien.

Wir wussten es doch schon immer – Kinder sollten öfter im Dreck spielen. Das stärkt ihr Immunsystem. Tatsächlich haben diese Studien bewiesen: Wer auf einem Milchbauernhof groß wird, hat weit weniger Überreaktionen des Immunsystems (und nichts anderes ist ja eine Allergie). Forscher um Martijn Schuijs von der Universität Gent (Belgien) berichteten im renommierten Fachblatt „Sciene“, dass dabei Bakterien und ein Enzym die Hauptrolle spielen. Wer auf dem Bauernhof rumtollt oder mit Haustieren lebt, atmet mit dem Staub aus Stall oder Wohnung mehr Pilz- und Bakterienpartikel ein als die „viehlose“ Bevölkerung. Vor allem die bei Kühen vorkommenden Mikroben gelten als allergiemindernd, sind also richtig gut.

Ein deutsches Forscherteam hat die entsprechenden Keime identifiziert, die das Entstehen von Allergien verhindern können und experimentiert jetzt mit einem Impfstoff, der noch an Tieren erprobt wird. Ist es da nicht einfacher, auf die Biohöfe zu gehen und in den Kuhställen den Kontakt zu den Tieren mit den großen ausdrucksstarken Augen zu suchen? Das spricht dann gleich noch die Seele an und hat allein deshalb vielleicht auch eine heilsame Wirkung wie der Bakterien-Mix in der Atemluft. Professor Erika von Mutius von der Ludwig- Maximilians-Universität München war an der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten, so genannten Kuhstallstudie entscheidend beteiligt. Ihr Team beobachtete Bauernhofkinder in Bayern, Baden-Württemberg, Tirol und der Schweiz. Bei der Untersuchung des Stalldrecks und der Rohmilch, mit denen die Kinder von klein auf in Kontakt kamen, fanden sich immer wieder zwei Bakterien, die offenbar die Immunabwehr der Kinder trainierten: Der Milchsäurekeim Lactococcus lactis und der im Kuhstalldreck vorhandene Acinetobacter lwoffi. Also keine Angst vor Keimen und der guten Portion Kuhstalldreck.

Wer Milch und Milchprodukte kauft, muss jedoch noch mehr beachten als „nur“ die gute Wirkung des Kuhstalls. Schließlich ist Milch ja nicht gleich Milch (und deshalb gibt es durchaus Unterschiede bei Schmand, Sahne und Co). Eine Vielzahl von Faktoren bestimmen Qualität und Bekömmlichkeit des Lebensmittels. Professor Ton Baars erforschte schon vor einigen Jahren an der Uni Kassel-Witzenhausen, wie beste Milch erzeugt wird. Seine Analyse zeigt: Kühe, die Weidegang haben, Grünfutter und gutes Heu fressen, wenig Kraftfutter und keine Silage bekommen, haben die besten Voraussetzungen, Milch mit gesunden Fettsäuren zu entwickeln. Und die sind entscheidend – weit bedeutender als das vielzitierte Calcium. Gerade die Fettsäuren der Milch sind wichtig für den Menschen, betont Baars unisono mit Ernährungswissenschaftlern. Allen voran die mehrfach ungesättigten Fettsäuren Omega 3 und Omega 6 in richtiger Relation sowie die konjugierten Linolsäuren CLA. Auch diese Fette erweisen sich in der Forschung als Allergie-Schutz vor allem für Kinder, sogar schon in der Schwangerschaft und Stillzeit. Milch und Milchprodukte mit natürlichem Fettgehalt sind deshalb wichtig. Von diesen Fetten profitiert sogar der Intelligenzquotient, ist Professor Ton Baars sicher. Für stillende Mütter besonders wichtig: Trinken sie diese gute Milch, steigt der CLA-Gehalt in der Muttermilch. Entscheidend ist jedoch auch die Herstellung der Milch in der Molkerei. Jeder zusätzliche Verarbeitungsschritt mindert nämlich die natürliche Qualität. Also gibt es Pluspunkte für lediglich pasteurisierte Milch vor homogenisierter oder extra lang haltbarer oder H-Milch. Die Bio-Milchbauern sorgen ja aus Überzeugung für artgemäße Haltung und Fütterung ihrer Kühe und schaffen damit die Basis für höchste Milchqualität. Da kommen also Kuhstall- und Nahrungs-Wirkung optimal zusammen.

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