Das Tierwohl steht für Biokreis-Bauern ganz oben – wie hier bei Familie Egger in Amsham – Foto Tobias Köhler/Biokreis 

Na klar, wo Bio draufsteht ist auch Bio drin. Trotzdem ist Bio nicht gleich Bio. Aber wer im Biomarkt kauft, kann sicher sein, wirkliche Bio-Lebensmittel, echte Naturkosmetik und nachhaltige Haushaltswaren zu bekommen. Dafür stehen die Fachhändler mit ihrer Überzeugung und ihren langjährigen Kontakten ein. Und woran erkennen wir als Verbraucher*innen eigentlich das wahre Bio? Wer bio auf die Packung schreibt, muss sich an die gesetzlichen Bestimmungen der EU-Öko-Verordnung halten. Sie regelt seit Anfang der 1990ziger Jahre den Mindeststandard für ökologische Lebensmittel. Zu erkennen ist diese Bio-Qualität durch diese Symbole:

Höher „springen“ die Bio-Anbauverbände, deren Vorschriften weit konsequenter sind als die aus Brüssel. Während EU-Bio auch Teilumstellungen von Betrieben zulässt, sind die Bauernhöfe der Verbände immer komplett bio bei allem was sie anbauen. Schon vor Jahrzehnten haben die deutschen Öko-Organisationen die Latte für bio hoch gehängt und auch in Sachen Kontrolle klare Maßstäbe gesetzt. Der Biokreis zum Beispiel bereitet sich gerade auf sein Jubiläum im nächsten Jahr vor, wenn er 40. Geburtstag feiern kann.

1979 wurde der Verein gegründet und hat nach der ersten Konzentration auf Bayern inzwischen Bauernhöfe in ganz Deutschland als Partner. Zu den 1300 Landwirt*innen kommen noch 200 Verarbeiter und sogar 200 Verbraucher. Sie haben alle ein Ziel: gemeinsam kreativ und konsequent ökologischen Landbau gestalten. Im basisdemokratisch ausgerichteten Biokreis-Verein kann sich jeder auf den Mitgliederversammlungen einbringen. Tierwohl, eine ressourcen-schonende Kreislaufwirtschaft, regionale Zusammenarbeit und Wertschöpfung sowie handwerklich-gekonnte Lebensmittelverarbeitung sind die Prinzipien, denen die Biokreis-Akteure treu bleiben. Der Pionierrolle werden sie immer noch gerecht, indem sie beispielsweise Richtlinien für Hotel und Gastronomie, Wald und Tiernahrung, das Siegel „regional und fair“ oder das Projekt „100% Bio-Leder“ ins Leben rufen. „Wir kennen uns. Jeder Betrieb hat seinen Berater. Bei Workshops, Betriebsbesuchen, Veranstaltungen und Exkursionen kommen wir zusammen“, betont der Vorstandsvorsitzende Franz Strobl. Also bietet der Biokreis bio zum Anfassen – vielleicht beim nächsten Urlaub in Bayern mal gucken, ob ein Biokreis-Hof in der Nähe ist und mit dem Bauern/der Bäuerin im Stall ins Gespräch kommen? So wird bio dann ganz lebendig. www.biokreis.de

Ihr wollt mehr wissen über die anderen deutschen Bio-anbauverbände? Aber gerne!


Bioland Gegründet 1971. 7.305 Landwirte, Gärtner, Imker und Winzer wirtschaften nach Bioland-Richtlinien. Mehr als 1.000 Partner aus Herstellung und Handel wie Bäckereien, Molkereien, Metzgereien und Gastronomie. Prinzip ihres organisch-biologischen Landbaus ist die Kreislaufwirtschaft: was der Natur entnommen wird, soll ihr im Laufe des Produktionsprozesses zurückgegeben werden – möglichst ohne Abfälle und Emission. So dürfen beispielsweise auf einem Biolandbetrieb nur so viele Tiere gehalten werden, wie die Betriebsfläche an Futter erzeugen kann. Über die Kernaufgaben hinaus engagiert sich Bioland engagiert in Ausbildung, Beratung, politischer Arbeit. www.bioland.de

Biopark 1991 in Mecklenburg-Vorpommern gegründet, bundesweit mit rund 700 Mitgliedern und 140.000 Hektar. Mehr als 300 Biopark-Betriebe wirtschaften in Naturschutzgebieten. Artgerechte Haltung der Tiere, Herkunftssicherheit sowie natürliche Fütterung sind Bedingungen. BIOPARK-Landwirte produzieren in den verschiedensten Bereichen, nicht nur tierisch. So arbeitet zum Beispiel auch die größte Sanddorn-Plantage Deutschlands nach den Richtlinien des BIOPARK-Verbandes.  www.biopark.de

Demeter ältester ökologischer Verband. Entstanden 1928 aus Impulsen des Anthroposophen Rudolf Steiner. Charakteristisch für Biodynamische Wirtschaftsweise sind feinstofflich wirkende (dynamisierten) Präparate aus Mist, Heilpflanzen und Mineralien. Fördern Boden-Fruchtbarkeit und Aroma der Lebensmittel. Als einziger Anbauverband schreibt Demeter die Tierhaltung obligatorisch vor, damit ein runder Hoforganismus entsteht. In der Verarbeitung nur wenige Zusatzstoffe erlaubt. In Deutschland 1.500 Landwirte mit knapp 82.000 Hektar Fläche, 330 Hersteller und -Verarbeiter sowie Vertragspartner aus Naturkost- und Reformwaren-Großhandel, mehr als 500 Demeter Partner-Läden. International in 50 Ländern mit über 8.000 Bauern auf ca. 160.000 Hektar Fläche aktiv. www.demeter.de

Ecoland – 1997 mit starkem Praxisbezug gegründet. In den Richtlinien ist verankert, dass der Erzeuger die Landwirtschaft und die Artenvielfalt seiner Region fördert – wie das etwa mit der Schaffung von Nistplätzen für Vögel und den Anbau von seltenen Kulturpflanzen gelingt. Ecoland zertifiziert auch Erzeuger von biodynamisch und ökologisch angebauten und hergestellten Kräutern und Gewürzen. In vier verschiedenen Klimazonen weltweit zu fairen Preisen und unter sozialen Arbeitsbedingungen aktiv. www.ecoland.de

Ecovin – 1985 als Bundesverband Ökologischer Weinbau gegründet. Einziger Spezialist und heute der größte Zusammenschluss ökologischer Weingüter weltweit. Hauptziel ist die ökologische und natürliche Erzeugung von Trauben, Traubensaft, Wein, Saft, Sekt und Weinbrand. Natürliche Bodenfruchtbarkeit und Vermehrung der Artenvielfalt stehen im Zentrum – durch Untersaaten in den Weinbergen und die Förderung von Nützlingen, www.ecovin.de

GÄA e.V. 1988 ursprünglich als Arbeitsgemeinschaft für ökologischen Landbau in der ehemaligen DDR gegründet. Ziel ist es, den biologischen Anbau in den neuen Bundesländern zu verbessern und zu fördern. Mit Sitz in Dresden vertritt GÄA in Deutschland 480 Biohöfe, die zu 90 Prozent in Ostdeutschland liegen und auf rund 35 000 Hektar Fläche kommen. In Südtirol sind 35 Höfe dem Verband angeschlossen. Kleinere Gärtnereien prägen ebenso wie traditionelle Familienbetriebe oder Genossenschaften und Spezialisten etwa für Kräuter- oder Beeren, Gemüse, Saatgutvermehrung und Teichwirtschaft die Vielfalt der Gäa-Gemeinschaft.  www.gaea.de

 

Naturland 1982 regional gegründet, seit 1986 weltweit aktiv. Als basisdemokratischer Verein mit rund 54.000 Naturland Bäuer*innen in 52 Ländern der Erde auf fast 400.000 Hektar landwirtschaftlicher Fläche inklusive Öko-Waldwirtschaft vertreten. In Deutschland 3500 Betriebe mit über 139.000 Hektar. Biologische Fischzucht in Aquakulturen und die ökologische Waldnutzung sind Schwerpunktthemen, die für die Naturland-Paukenschläge im Kónzert der Bio-Branche sorgen. Öko & Fair hat Naturland 2010 als einziger Öko-Verband in einem Zeichen vereint – für Nord und Süd. Soziale Richtlinien für den Umgang mit den Mitarbeitern gehören außerdem zum besonderen Credo der Organisation. Der ganzheitliche Ansatz von Naturland sieht nachhaltiges Wirtschaften, Natur- und Klimaschutz, Erhalt von Boden, Luft und Wasser sowie den Schutz des Verbrauchers vor. www.naturland.de

Verbund Ökohöfe 2007 gegründet, Arbeitszentrum in den neuen Bundesländern. Im Mittelpunkt stehen soziale Landwirtschaft und die bäuerliche Form des Wirtschaftens. Unter anderem sind Enthornung und Anbindehaltung bei Wiederkäuern und der Einsatz von Formaldehyd als Desinfektionsmittel untersagt. Zusätzlich umfassen die Richtlinien auch Bereiche der Imkerei, Pflanzenvermehrung und Pilzzucht. www.verbund-oekohoefe.de

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