Wer kennt sie nicht, die 4 großen Lügen eines Studierenden:

1. Heute gehe ich mal früher schlafen.

2. Das neue Semester organisiere ich von Anfang an besser.

3. Ab morgen integriere ich Sport in meinen Alltag.

4. Nächsten Monat teile ich mein Geld besser ein.

Ja, liebe KommilitonInnen, das neue Semester geht wieder los und damit der alltägliche Wahnsinn, geprägt von nicht umgesetzten Vorsätzen. Wir haben doch keine Zeit! Und Geld sowieso nicht. Doch hat dieser Mangel auch etwas Gutes. Richtig eingesetzt, macht er nämlich wahre Umweltschützer aus uns. Wovon ich spreche? Von Geiz, der Bäume rettet. Von Fauhlheit, die Ressourcen schont. Und von Geldmangel, der Sportler aus uns macht. Heute zeige ich Euch, wie Ihr Eure Ressourcenknappheit wenigstens in Umweltschutz verwandeln könnt. Viel Spaß dabei!

Studiert online

Dass wir unter chronischem Geld- und Zeitmangel leiden, hatten wir ja bereits geklärt. Welch ein Glück, dass wir in digitalen Glanzzeiten leben! Denn online zu studieren senkt den allgemeinen Energieverbrauch.

Warum? Fangen wir mit der besten Nachricht an: Ihr könnt die Fahrtkosten zur Uni vermeiden, indem Ihr Eure Vorlesungsfolien über den virtuellen Campus studiert. In meinem Fall ist der Energieverbrauch für die Reise ziemlich hoch, denn mein Studienort ist eine Stunde von der Heimat entfernt. Doch auch in Eurem Fall kann Mut zur Lücke sinnvoll sein. Muss ich mir Texte monoton „vorlesen“ lassen, wenn ich sie mir doch selbst aneignen kann? Warum sollte ich mit meiner Reise die Umwelt belasten, wenn ich doch alles, was ich brauche, bereits zu Hause im Web habe? Und können unliebsame Teamsitzungen nicht über Skype abgehalten werden? Ein Hoch auf unsere Onlinemedien.

Doch nicht nur das. Elektronischer Lernstoff senkt den Wasser- und Chemikalienverbrauch, schließlich müssen weniger Bücher gedruckt werden. Ich, zum Beispiel, bin ich vor lauter Unlust, in die Bibliothek zu gehen, ein echter Profi in der Internetrecherche geworden. Es gibt wirklich zu allen Themen elektronische Ressourcen, wenn man nur lang genug sucht. Muss ich doch einmal ein Buch erwerben, wähle ich natürlich die kostengünstigere E-Book Variante. Und sind die Werke einmal so alt, dass man sie im Web nicht findet, ist Leihen selbstverständlich die billigere und gleichzeitig umweltschonendere Alternative.

 

Werdet Druckerprofis

Wo wir gerade beim papierlosen Studieren sind. Auch Euer eigenes Druckverhalten birgt unheimliches Sparpotential.

Dass es Sinn macht, Ausdrucke zu vermeiden, oder wenigstens das billigere Recyclingpapier zu benutzen, dürfte jedem von Euch klar sein. Häufig braucht man seinen Stoff aber nun mal ausgedruckt und da fängt bei mir persönlich die Übung für Fortgeschrittene an.

Ich weiß ja nicht, wie das bei Euch ist, aber ich führe schon seit Jahren einen endlosen Kampf mit technischen Geräten. Mein Drucker zum Beispiel – nein – alle Drucker, die ich jemals bedienen musste, verwandeln sich, sobald ich den Raum betrete, in tickende Zeitbomben. Ähnlich verhält es sich mit Smartphones, Computern und Kaffeevolllautomaten. Irgendwas ist immer, denn die Geräte haben einfach andere Pläne, als ich. So kommt es, dass ich für die Fehldrucke, die ich in meinem bisherigen Leben hatte, wahrscheinlich nicht nur ein extra Zimmer anmieten müsste – nein – ich könnte die Miete für dieses Zimmer auch noch von all dem verschwendeten Geld aufbringen. Ich habe einfach schon zu viel Tinte, Strom und Papier in den Wind geschossen. Davon abgesehen, wurde wegen mir eventuell bereits ein kompletter Wald abgerodet und auch das finde ich weniger super.

Um wenigstens den Ärger über die Verschwendung einzudämmen, bekommen Fehldrucke bei mir allerdings noch einen Nutzen. Ich verwende sie nämlich für Übungsaufgaben. Statistische Berechnungen und Probeklausuren lassen sich wunderbar auf die Rückseiten der Fehldrucke kritzeln. Aber auch veraltete Skripte lassen sich weiterverwenden, bevor sie im Müll landen. Ich wette, ich kaufe zehnmal seltener einen Block, als der Durchschnittsstudierende. Gerne benutzen meine Kinder die Blätter auch für ihre Kunstwerke. Und glaubt mir, davon gibt es an einem verregneten Tag sehr viele.

Davon abgesehen macht es natürlich noch mehr Sinn, Fehldrucke komplett zu vermeiden und Dokumente wenigstens beidseitig auszudrucken. Schließlich verbraucht man damit exakt die Hälfte weniger Papier. Diese Übung ist aber für besonders Mutige. Als ich das zuletzt versuchte, stupste mein Drucker im Moment des Befehls all meine Ex-Freunde auf Facebook an, um anschließend einen Feuerwehr-Großeinsatz auszulösen.

 

 

Bewegt Euch – aber bequem

Sport. Ich hatte es ja schon zu Beginn erwähnt. Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber über mir schwebt täglich ein imaginärer Turnschuh, der mir mit seiner guten Laune auf die Nerven geht. „Mach Spoooort!“, flötet er, „dann bist du konzentrierter und aaaauuusgeglichen!!“. Halt doch die Klappe, Turnschuh. Meine Güte, wer hat denn schon Zeit, für 70 Minuten Schwitzen in der Woche? So viel Ausdauertraining empfehlen Ärzte nämlich. Eine Stunde und zehn Minuten kostbarste Lebenszeit, die ich am besten auch noch bezahlen soll, um mich gemeinsam mit fremden Menschen in einer Muckibude abzurackern? Hab‘ ich echt keine Lust drauf.

Doch natürlich existiert auch hier eine Lücke. Alternativ zu den 70 Minuten werden von Fachmännern nämlich 2,5 Stunden moderate Bewegung, wie Fahrrad fahren empfohlen. Eine tolle Nachricht, wie ich finde. Legt man seine Wege einfach auf dem Rad zurück, kann man das Thema Sport getrost abhaken, während die Umwelt um einen eine La-Ola-Welle macht. Und nicht vergessen, die Treppe, statt den Fahrstuhl zu nehmen. All das spart Strom oder Benzin und den knackigen Po gibt es kostenlos dazu.

 

Kauft gebraucht

Die letzte gute Nachricht stammt aus einem Artikel über eine österreichische Nachhaltigkeitsstudie. In diesem war zu lesen, dass die Österreicher jährlich 200.000 Tonnen CO2-Emissionen sparen, indem sie gebrauchte Gegenstände auf einer bestimmten Flohmarktplattform kaufen oder verkaufen. Laut Bericht kann diese Einsparung „mit etwa 15 Millionen Bäumen, rund 250.000 neuen Waschmaschinen, 40 Millionen Baumwoll-T-Shirts oder zwei Millionen neuen Fahrrädern“ verglichen werden.

Besonders effektiv reduziert wird unser ökologischer Fußabdruck dabei, wenn wir elektronische Geräte, wie Laptops oder Handys gebraucht kaufen und verkaufen. Wenn das mal keine gute Nachricht für Studierende ist, müssen wir doch ohnehin alles in Geld umwandeln, was wir besitzen. Und auch der Laptop geht immer dann kaputt, wenn wir gerade am pleitesten sind. (Nein, die Steigerung „am pleitesten“ existiert eigentlich nicht – ich habe sie exklusiv für uns erfunden.)

Doch auch für die Vorsichtigen unter Euch, die sich mit neuem Gerät wohler fühlen, gibt es gute Neuigkeiten: Inzwischen existieren Unternehmen, die ethisch korrekte, modulare Smartphones herstellen. Reparaturfähige, langlebige Smartphones, statt Schrottberge produzierende Wegwerfprodukte. Das kostet zwar beim ersten Mal mehr, dafür müsst Ihr aber eine sehr lange Zeit gar nicht mehr investieren.

 

Ihr lieben KommilitonInnen. Natürlich gibt es noch eine Menge anderer Wege, mit der eigenen Knappheit die Umwelt zu schützen. Den Coffee to go-Becher, bei dessen Befüllung in der Mensa eine Preisreduzierung stattfindet. Oder das Stoßlüften beim Lernen, das nicht nur wertvollen Sauerstoff für’s Hirn liefert, sondern auch die Energiekosten senkt.

Alles in allem können wir aber festhalten: Der Geiz mit den eigenen Ressourcen kann ein Segen für die Umwelt sein. Denn, wer nix hat, kann nix verschwenden. Deshalb schnorrt Euch dieses Semester getrost auch mal durch, oder zelebriert Eure eigene Faulheit – es ist schließlich für einen guten Zweck.

Ich wünsche Euch einen tollen Semesterbeginn!

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