Weinberg Rebsorten Biodiversität

Ein Weinberg mit bunt leuchtendem Laub in sehr unterschiedlichen Farben – das ist doch ein wunderbarer Anblick! Weshalb die Farben so unterschiedlich sind, könnt ihr euch sicher vorstellen: Es handelt sich um unterschiedliche Rebsorten. Viel wird im Moment über alte Sorten diskutiert, über Saatgut, das nicht in jedem Jahr neu gekauft werden muss, über Biodiversität in der Landwirtschaft. Da trifft es sich gut, dass ich euch diesmal drei Weine eines ECOVIN-Winzers vorstellen möchte. ECOVIN als Verband hat sich nämlich Biodiversität und Nachhaltigkeit bereits im Leitbild auf die Fahnen geschrieben. Und à propos jedes Jahr neu einsäen, das passiert ja bei Reben sicherlich nicht. Aber wie alt sind eigentlich die Rebstöcke in unseren Weinbergen? Und wie alt sind die Rebsorten, die dort gepflanzt werden? Schätzt doch einfach mal, bevor ihr weiterlest…

 

Was ist ECOVIN?

Biodiversität Bläuling

ECOVIN ist der größte Verband ökologisch arbeitender Weingüter. Als 35 Winzerinnen und Winzer im Jahr 1985 beschlossen, sich in einem Verband zusammenzuschließen, war man von EU-weiten Regelungen noch weit entfernt. Wer umweltschonender und nachhaltiger arbeiten wollte als seine „konventionellen“ Nachbarn, konnte sich damals schnell verloren fühlen. Das hat sich zum Glück inzwischen geändert. Fast 250 Weingüter sind mittlerweile bei ECOVIN organisiert.

Als ich mich vor einiger Zeit mit ECOVIN-Geschäftsführer Ralph Dejas unterhalten habe (der übrigens Geograph ist genau wie ich), fragte ich ihn, warum der Verband denn so attraktiv sei für die vielen Winzerinnen und Winzer. Nun, meinte er, einerseits sei ECOVIN ein reiner Weinbauverband. Bei anderen Verbänden seien logischerweise Themenschwerpunkte und auch Selbstverständnis ein bisschen anders gelagert, wenn dort drei Winzer neben 97 Getreidebauern sitzen. Und andererseits könne man einfach mehr politischen Einfluss ausüben, je größer man sei – nicht nur in Deutschland, sondern auch in der EU. Das leuchtet mir ein. 2.500 Hektar Weinberge werden in Deutschland von ECOVIN-Winzern bewirtschaftet. Und wenn so ein Verband beschließt, das Thema „Förderung der Biodiversität“ in seine verbindlichen Richtlinien aufzunehmen (wie in diesem Jahr geschehen) und damit gezielte Maßnahmen zur Erhöhung der Artenvielfalt im Weinberg ergreift, dann hat das einfach einen ziemlich großen Impact.

 

Wie alt sind unsere Rebsorten eigentlich?

Weinberg Herbstlaub Ecovin

Nachhaltigkeit ist ja so ein Schlagwort, das eine Vielzahl von Dingen bedeuten kann. Natürlich ist es sehr nachhaltig, die Vielfalt von Insekten und Bodenlebewesen im Weinberg zu fördern, denn nur in einem funktionierenden Ökosystem kann auf lange Sicht überhaupt Landwirtschaft betrieben werden. Ausgelaugte Böden und ausgestorbene Bienen bedeuten ganz einfach das Ende erst für die Pflanzen und dann auch für die Menschen. Es ist in diesem Sinne also auch sehr nachhaltig, wenn Pflanzen nicht nur ein Jahr lang an Ort und Stelle wachsen, der lebendige Boden nicht jedes Jahr wieder aufgerissen werden muss.

Rebstöcke tragen erst ab dem dritten Jahr im Weinberg und erreichen ihren sichersten Ertrag etwa mit 20 Jahren. Sie stehen bis dahin also schon eine ganze Weile. Wer auf reine Ertragsmengen setzt, wird die Rebstöcke dann nach und nach auswechseln, aber es gibt auch Reben, die viel länger im Weinberg bleiben. Der älteste Rebstock der Welt, aus dem auch jedes Jahr noch Wein bereitet wird, ist 450 Jahre alt und steht in Slowenien. Vor ein paar Jahren hat man aber ganz per Zufall in einem Weingut an der Nahe fünf alte Weinstöcke entdeckt, die mindestens 500 Jahre alt sind.

Wie sieht es nun aber mit den Rebsorten aus? Ich meine solche Rebsorten wie Riesling, Spätburgunder oder Grauburgunder, die wir alle kennen und die wahrhaftig nicht exotisch sind. Sind die etwa auch so alt? Aber ja, teilweise sogar noch älter. Das kann ich euch gut am Beispiel der Weine des Weinguts Knobloch aus Rheinhessen zeigen.

 

Drei Weine vom ECOVIN-Weingut Knobloch

Knobloch Biowein Ecovin

Klaus und Ute Knobloch sind bereits im Jahr 1988 ECOVIN beigetreten, drei Jahre nach der Gründung des Verbandes. Seitdem werden auf 31 Hektar Land ausschließlich biologisch zertifizierte Weine erzeugt. Heute sind die beiden Söhne Ralf und Arno die Chefs im Ring – Arno im Weinberg und Ralf im Keller. Die Knoblochs nehmen, anders als das beispielsweise in Südfrankreich üblich ist, immer nur eine Rebsorte je Wein. Deshalb sind ihre Bioweine geschmacklich auch sehr gut voneinander zu unterscheiden.

Der Riesling ist ein ziemlich leichter Wein. Er hat nur 11 vol% Alkohol und schmeckt nach Zitronentarte und grünem Apfel. Sehr erfrischend! Riesling als Rebsorte wird in Deutschland schon lange angebaut. Bereits im Jahr 1435 ist auf einer Rechnung aus Rüsselsheim von Setzreben von „rüßlingen“ die Rede, für die der Käufer 22 Schillinge hinlegen musste. Wahrscheinlich ist der Riesling aber noch viel älter und stammt in seinem Ursprung von Wildreben am Oberrhein ab. Deshalb ist er auch mit den in Deutschland (derzeit…) herrschenden klimatischen Verhältnissen bestens vertraut.

 

Burgunder kommen aus… Burgund, oder?!

Weinberg Rebsorten Herbst

Der Graue Burgunder der Brüder Knobloch besitzt ebenfalls eine schöne Frische, kommt aber ein bisschen stoffiger daher. Er schmeckt nach Mandel und etwas Birne, ist würziger angelegt als der Riesling und sehr harmonisch. So einen Wein kann man mit unendlich vielen Speisen kombinieren.

Auch wenn Grauburgunder und Pinot Grigio tatsächlich ein und dieselbe Rebsorte sind, stammt sie ursprünglich nicht etwa aus Italien, sondern aus Frankreich. Vom Burgund oder der Champagne aus wurden die Reben im 14. Jahrhundert erst nach Ungarn gebracht und von dort aus an den Kaiserstuhl.

Und schließlich gibt es noch den Spätburgunder im Programm, einen Rotwein. Interessanterweise ist auch der Grauburgunder „ein bisschen“ rot, man kann es schon am Namen merken. Wenn man die Grauburgunder-Trauben nicht gleich presst, sondern auf ihren Schalen vergären lässt (ich hatte beim letzten Mal gezeigt, wie das gemacht wird), kommt – ein Rosé dabei heraus.

Der Spätburgunder der Knobloch-Brüder ist dagegen ein „richtiger“ Rotwein mit allem Drum und Dran. Er riecht nach Himbeer-Gelee und schmeckt dann auch leicht kräuterig nach Erdbeere und Himbeere. Als Rebsorte ist der Spätburgunder vielleicht die allerälteste hier im Bunde. Wahrscheinlich stammt die auch als Pinot Noir bezeichnete Rebsorte direkt von einer Wildrebe ab und wird schon seit 2.000 Jahren in Frankreich und in der Schweiz angebaut. Im Jahr 1335 brachten sie die Zisterzienser aus dem Burgund zum Kloster Eberbach im Rheingau. Seitdem haben auch wir unseren roten Burgunder. Die französische Bezeichnung „Pinot“ hat übrigens nichts mit der Herkunft zu tun, sondern eher mit dem Aussehen der Trauben, die in ihrer Form einem Kiefernzapfen (Kiefer = pin) ähneln.

 

Biodivers in die Zukunft

Ihr könnt also sehen, viele Rebsorten sind eine ganz schön alte und damit auch extrem nachhaltige Angelegenheit. Wie viele Rebsorten es auf der Welt genau gibt, kann man übrigens nur schätzen. Im „Dictionnaire Encyclopédique des Cépages“ von Pierre Galet, das hinter mir im Regal steht, werden jedenfalls nicht weniger als 9.600 Rebsorten beschrieben. Spricht man also in der Weinbranche über Diversität, dann geht es natürlich um die Vielfalt an Insekten, Bodenlebewesen und Kräutern im Weinberg, aber es geht auch um die Vielfalt der Reben selbst. Gut also, dass ein Bio-Verband wie ECOVIN mit all seinen Mitgliedern die Ideen von Biodiversität und Nachhaltigkeit so konsequent verfolgt. „Bei uns schlägt das Herz des Weinbaus von morgen“, sagt Geschäftsführer Ralph Dejas. Ich hoffe, dass er damit wirklich Recht behält.