Treten wir den Boden mit Füßen? Klar, mit jedem Schritt den wir tun. Aber viel entscheidender im übertragenen Sinn mit weitreichenden, negativen Folgen durch chemische Dünge- und Spritzmittel, Verdichtung und Besiedelung, Erosion, Humusabbau sowie zunehmend durch die Gier nach Boden als Anlage- und Spekulationsobjekt. Dabei ist ein gesunder, lebendiger Boden die Basis unserer Ernährung, denn nur in fruchtbarer Erde kann die Saat aufgehen und die Pflanze optimal gedeihen.

Wo es so vor Regenwürmern wimmelt, ist der Boden fruchtbar, ideal für die Aussaat. ©BLE, Bonn/Foto: Thomas Stephan

Öko-Bauern schauen auf den Boden als lebendigen Organismus, den sie intensiv pflegen. Ihre wichtigsten Mitarbeiter für den Schutz dieser unvermehrbaren Ressource sind die sogenannten Bodenorganismen. Lebewesen, die dauerhaft im Boden leben, werden als Bodenorganismen bezeichnet. Sie sind meist mit bloßem Auge fast gar nicht zu erkennen. Dabei wimmelt es in einer Handvoll Erde nur so von Würmern, Bakterien, Pilzen. Zahlenmäßig gesehen können da mehr Bodenorganismen drin leben als es Menschen auf der Erde gibt. Der entscheidende Faktor für die Bodenqualität ist der Humusanteil. Er ist gleich doppelt wichtig, wirkt er doch nicht nur in Sachen Fruchtbarkeit, sondern dient zugleich als CO2-Speicher. Angesichts der menschengemachten Klimakatastrophe kommt dem Humus also höchste Bedeutung zu. Wie gut, dass die biologische Agrarkultur Humus aufbaut, während herkömmliche Landwirtschaft diese wichtige Bodenschicht zerstört.

Schon Rudolf Steiner gab 1924 entscheidende Hinweise für die Förderung des Bodenlebens und die Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit. Seine Impulse dazu prägen heute nicht nur die Biodynamische Wirtschaftsweise von Demeter, sondern den gesamten Ökolandbau. Gerne zeigen Bio-Bäuerinnen und –Bauern den Besuchern auf ihrem Acker mit der Spatenprobe, wie sich humusreicher Boden präsentiert: locker, krümelig, dunkel, wohlriechend. Mancher hat da schon mal eine Prise probiert und verstanden, dass erst der Humus als wichtigste organische Substanz den Boden fruchtbar macht.

Aus hartem Gestein, aus dem die Erdkruste aufgebaut ist, machen Regen und Sauerstoff, Hitze und Kälte, Wasser und Wind und schließlich die fleißigen Bodenlebewesen lockere Erde. Maximal ein Zentimeter kommt in 100 Jahren zusammen. Die Spatenprobe zeigt, ob der lockere Boden bereit ist für die Aussaat. ©BLE, Bonn/Foto: Thomas Stephan

Dank seiner Lockerheit kann zudem Regenwasser gut abfließen und optimal gespeichert werden – angesichts zunehmender Dürre in heißen Sommern immer bedeutsamer.

Damit der Boden so bleibt, setzen die Bio-Landwirte nicht nur auf Kompostwirtschaft, sondern auch auf eine abwechslungsreiche Fruchtfolge, kluge Sortenwahl, Gründüngung, reichlich Kleegras und Luzerne. Wenn der Wind zu stark weht oder alles durchnässt ist, fahren sie erst gar nicht über den Acker.

Für die Konsument*innen wirkt dieses Verhalten bis auf den Teller. Diverse Studien haben nachgewiesen, dass der fruchtbare Boden auf Bio-Bauernhöfen positiv auf die Bildung von Antioxidantien in Pflanzen wirkt. Wer gut mit diesen Helfern gegen die sogenannten Freien Radikalen versorgt ist, soll besser geschützt sein vor vielen Krankheiten. Und für uns alle wird – sogar weltweit – immer wichtiger, dass Ökolandbau zum Klimaschutz beiträgt. Im Durchschnitt weisen ökologisch bewirtschaftete Böden einen um zehn Prozent höheren Gehalt an organischem Bodenkohlenstoff und eine  um  256 kg  C/Hektar  höhere  jährliche  Kohlenstoffspeicherungsrate auf.  Damit geben sich die Bäuerinnen und Bauern jedoch noch lange nicht zufrieden. Viele wollen weitere Beiträge zum Klimaschutz leisten, bei Tierhaltung, Technik, Schutz von Dauergrünland, Untersaaten und Agroforstsystemen.