Mit trockenen Weißen Edelgemüse begleiten

Spargel Wein Gemüse Frühjahr

„Hier kommt das Edelgemüse!“ So pflegte mein Großvater anzukündigen, dass er jetzt etwas ganz Besonderes auftischte. Seiner Definition nach existierten genau zwei Sorten Edelgemüse, nämlich Spargel und (vielleicht ein wenig überraschend) Blumenkohl. Spargel gab es dabei nur zu Festtagen, von denen das Frühjahr aber zum Glück einige bereithält. Die Seltenheit des Spargels hatte seinen Grund nicht nur in dem hohen Preis. Es war vielmehr das gefühlt einzige Gemüse, das er nicht selbst anbaute.

Als meine Eltern ihren eigenen Gemüsegarten anzulegen begannen, hoffte ich deshalb schlichtweg auf das Paradies. Ab jetzt sollte es alle Gemüsesorten sozusagen von der Hand in den Mund geben. Allerdings zeigten sich unsere zahlreichen Mitbewohner auf dem Grundstück ebenso begeistert von dieser Aussicht. Der tiefe Auelehm ließ nämlich nicht nur alles Grüne sprießen, er bot auch allerlei hungrigen Kleinwesen ein ideales Zuhause. Nachdem der Blumenkohl mehrfach sowohl unter- als auch oberirdisch verputzt worden war (Gift zu spritzen kam für uns nicht in Frage), war es das dann mit der Kohlgeschichte.

Spargel selbst anbauen?

Ich hatte schon sämtliche Hoffnungen auf Edelgemüse fahren lassen, als sich meine Eltern für eine wahrhaft exotische Aktion entschlossen: Sie wollten ein Spargelbeet anlegen, tief in den 1980er Jahren. Niemand hatte in unserem Dorf jemals Spargel angebaut. Aber mein Vater war ehrgeizig, besorgte sich eine ganze Wagenladung Sand und begann tagelang auszuschachten, Bücher zu wälzen und schließlich eine ideale Oberbodenmischung zu präparieren. Weißer Spargel sollte es nicht sein, sondern eine grüne, oberirdisch wachsende Variante. Unglaublicherweise gelang das Experiment, und so gibt es seit über 30 Jahren im Frühjahr frischen grünen Spargel bei meinen Eltern.

An diese Geschichte unserer eigenen Spargelzucht musste ich wieder denken, als ich jetzt im Bio-Supermarkt den ersten grünen Spargel sah. Natürlich griff ich sofort zu. Aber welchen Wein nehme ich als Begleitung? Und wie sieht das mit den anderen Frühgemüsen aus, Spinat, Blattsalat oder auch Frühkartoffeln? Um diese Frage beantworten zu können, habe ich drei Weißweine ausgesucht und getestet.

Cameleon – kräftiger Chardonnay aus Argentinien

Cameleon Chardonnay

Als ich diesen Wein im Regel entdeckte, fragte ich mich unwillkürlich, ob ich eigentlich schon jemals argentinischen Weißwein getrunken habe. Warum nicht mal probieren? Die Domaine Bousquet hat, das hört man ihr an, einen eindeutig französischen Background. Die Familie baut allerdings schon seit vier Generationen in Argentinien Wein an. Von den Reben im Tupungato Valley hat man dabei einen spektakulären Ausblick auf die Berggipfel der Anden. Zwar liegen die Reben bereits auf 1.200 Metern Höhe, die Berge sind aber sogar über 6.000 Meter hoch und von ewigem Schnee und Eis bedeckt. Letzteres ist auch dafür verantwortlich, dass man in dieser Landschaft überhaupt Reben ziehen kann. Das Schmelzwasser der Anden wird nämlich nach einem ausgeklügelten Bewässerungssystem durch die Weingärten geleitet.

Der Cameleon ist ein Weißwein aus Chardonnay, der weltweit am meisten angebauten weißen Rebsorte. Chardonnay ist deshalb so beliebt, weil er so vielseitig ist. Die Bousquets haben sich bewusst dafür entschieden, den Wein ohne Holzeinfluss und dadurch ziemlich pur auszubauen. Auf diese Weise passt er nicht nur zu weißem Spargel, sondern auch zu einer ganzen Reihe anderer Frühgemüse. Relativ kräftig im Alkohol, ist er dennoch ausgewogen und besitzt tatsächlich eine eigene, leicht grünliche Hopfennote.

Schnabl Veltliner in der Kleinflasche

Schnabl Veltliner Spargel

Der Grüne Veltliner ist die nationale Rebsorte Österreichs. Kaum außerhalb des Landes angebaut, kann man sich in Österreich viele Gerichte wie Wiener Schnitzel oder Backhendl kaum ohne ihn vorstellen. Die Familie Schnabl aus dem Weinviertel (so heißt das Anbaugebiet nördlich von Wien) kam dabei auf die gute Idee, ihren Grünen Veltliner auch in kleine Flaschen abzufüllen. Das ist ideal nicht nur für Singles, sondern auch, wenn man am Sonntag mal ein Gläschen zum Essen trinken möchte.

Ich finde den Wein bereits beim Schnuppern sehr attraktiv mit seinen birnig-nussigen Noten. Im Mund merke ich dann, dass der Veltliner nicht zu den Schweren seiner Zunft gehört. 12 vol% Alkohol, das ist gerade für Gemüsegerichte sehr angenehm. Bei uns gibt es zu dem Wein ein Pfannengericht aus Frühkartoffeln und gebratenem Spargel mit Ei, dazu Rucola. So etwas mag der Veltliner – und dafür mögen wir ihn.

Parra Jiménez – grüner Wein zum grünen Spargel

Parra Jimenez Spargel Sauvignon

Sauvignon Blanc ist neben Chardonnay eine weitere weiße Rebsorte, die es von Frankreich aus in die ganze Welt geschafft hat. Auch die drei Brüder Parra Jiménez hat er in seinen Bann gezogen. Zwar bauen sie im zentralspanischen Hochland vornehmlich rote Rebsorten an, aber durch die manchmal überraschend kühlen Nächte können sich auch die Weißweine ihre Frische erhalten. Vielen gerade jüngeren Weintrinkern gefällt Sauvignon Blanc vor allem deshalb, weil er frisch, gar ein bisschen grünlich ist und spürbare Noten nach Stachelbeere und schwarzer Johannisbeere besitzt.

Der Sauvignon von Parra Jiménez nimmt diese Aromen im Mund dann deutlich zurück. Die Frische bleibt jedoch gut erhalten. In weiser Voraussicht hatte ich die Flasche bereits mit Grünem Spargel als Dekoration fotografiert, und tatsächlich vermählen sich die leicht grünlichen Noten beider Protagonisten ganz vortrefflich miteinander. Junger Kohlrabi oder Spinat passen ebenfalls. Nur zu warm sollte der Wein nicht gereicht werden, denn anders als der substanzreichere Chardonnay aus Argentinien baut unser spanischer Kandidat mehr auf das Frischegefühl im Mund.

Das kurze Fazit

Nach den drei Weißen zu Spargel & Co. fällt mir nur ein einziges kurzes Fazit ein: Von mir aus kann das Frühgemüse jetzt auch bei uns im Freiland sprießen. Ich bin präpariert!