In unserem letzten Beitrag haben wir euch das Mitmachprojekt „Mit vereinten Gärten“ vorgestellt, das europaweit nach mehltautoleranten Salatsorten sucht. An diesem spannenden Vorhaben kann sich jeder beteiligen. Auch wir haben an dem Anbauversuch zusammen mit der Töpener Gärtnerei Schnabel teilgenommen und berichten euch natürlich über unsere Erkenntnisse.

Im Frühsommer 2020 erreichte uns ein kleines Paket gefüllt mit Saatgut von sieben verschiedenen Salatsorten, die in einer Vorselektion in die engere Auswahl für den Anbau gekommen sind. Unsere in diesem Versuch genutzten Sorten stammen aus dem ökologischen Saatgutzüchtungsprogramm von Sativa.

Die Salatsorte „Laibacher Eis“ ist beispielsweise ein vielversprechender Kandidat für die weitere Züchtung. Es handelt sich um eine alte Sorte, die Eigenschaften des Eissalates sowie des Bataviasalates vereint. Laibacher Eis, auch Grazer Krauthäuptl genannt, lieferte in der Vergangenheit vielversprechende Anbauergebnisse in Puncto Mehltau. Zwar tritt Mehltau des Öfteren auch beim Laibacher Eis auf, allerdings verfügt die Sorte über eine gut ausgeprägte Mehltautoleranz d.h. sie ist besonders widerstandsfähig gegenüber diesem Pilzbefall.

Praktischerweise ist das Saatgut für die einfachere Handhabung bereits pilliert, d.h. in kleine Kügelchen gefasst. Das erleichterte das Säen enorm!

Jedes der sieben Saatguttütchen ist mit einer Nummer versehen, um die Sorten im folgenden Versuchsanbau auseinanderhalten zu können. Im Teilnehmerpaket enthalten sind zusätzlich beschriftete Steck- und Kreuzschlitzetiketten mit Sortenkennzeichnung, ein Teilnehmerschild und das Handbuch mit Informationen zum Versuchsanbau.

Die Aussaat

2019 konnten wir bei unserem Versuchsanbau keinerlei Mehltau auf den Salaten feststellen, weshalb wir den Aussaattermin in der Saison 2020 bewusst nach hinten geschoben haben, um den Mehltaudruck im Herbst zu erhöhen. Denn mit Beginn der kälteren Jahreszeit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Mehltau auftritt.

Für die Bestimmung des Aussaattermins nutzten wir eine Klimakarte, die uns verraten hat, wann der letztmögliche Termin für diese Saison war. Da wir in die Zone „Kontinental“ fallen, war es für uns der 3. August 2020.

Ein etwas mulmiges Gefühl beschlich uns schon, als wir an besagtem Tag mit der Aussaat begannen. Andernorts wuchsen und gediehen schon überall die Salate und wir haben erst gesät. Sind wir nicht doch etwas spät dran? Die Natur gab uns prompt ihre Antwort. Denn:

Die Keimung…

… ließ nicht lange auf sich warten. Schon nach zwei Wochen sind die ersten zarten Salattriebe erkennbar gewesen. Die Pflänzchen sind nahezu alle aufgegangen und sind noch ein paar Tage in ihren Töpfchen weitergewachsen, bevor sie ins Freiland ausgesetzt wurden.

Pflanzung

Gut drei Wochen nach der Aussaat kamen die jungen Salatpflänzchen am 26. August 2020 hinaus ins Freie. Der ideale Pflanztermin ist erreicht, wenn die Pflänzchen im 3. oder 4. Blattstadium angekommen sind.

Bei sonnigem und warmem Wetter waren wir optimistisch, dass die Pflanzen schnell größer werden. Wir pflanzten die sieben verschiedenen Salatsorten im Abstand von etwa 30×30 cm möglichst quadratisch zueinander, um für die in einigen Wochen anstehende Bonitur einfachere Bedingungen zu schaffen.

Wachstum und Pflege

Das Wetter meinte es in den kommenden Wochen gut mit uns. Die Salate wuchsen prächtig und schon nach kürzester Zeit waren erste kleine Salatköpfe zu erkennen.

Doch werden auch Mehltau oder andere Befälle auftreten?

Gerade für den Ökolandbau stellen Mehltaubefälle im Salatanbau eine große Herausforderung dar. Da wo der konventionelle Landbau im Zweifel die Giftspritze herausholt und Befällen den Garaus macht, ist die ökologische Landwirtschaft auf nachhaltige Alternativen angewiesen.

Für uns bedeutete das in diesem Versuchsanbau: wir benötigen Sorten, die widerstandsfähig gegenüber Mehltau sind. Ein wesentliches Standbein ist dabei die Ökozüchtung, die durch die Kreation neuer Sorten (ganz ohne Gentechnik versteht sich) in klassischen Zuchtverfahren zu neuen Linien kommt.

Biologische Sorten werden traditionell mit Kreuzung und Selektion unter realen Feldbedingungen gezüchtet. Sie sollen in einer vielfältigen Umgebung funktionieren. Damit man sie aber unter realen Gegebenheiten und möglichst verschiedenen Umweltbedingungen testen kann, braucht man viele Standorte. Bei der klassischen Züchtung werden Vater- und Mutterpflanze miteinander gekreuzt und die für den Zuchtvorgang geeignetsten Eigenschaften der Elternpflanzen übernommen. Neben dem Ziel einer Mehltauwiderstandsfähigkeit spielen beim Salat auch eine ansprechende Kopfform oder die Schossfestigkeit (der Salat soll bei Reife nicht sofort Blüten bilden) eine bedeutende Rolle.

Die für diesen Versuch genutzten ökologisch gezüchteten Saaten stammen schon aus den Jahren 2014/2015. Es handelt sich daher um Pflanzen, die sich bereits in der 4. und 5. Generation befinden. Diese haben im Vergleich zum Saatgut der 1. Generation den Vorteil, dass sie ähnliche Wachstumseigenschaften ausbilden und sich nicht mehr gravierend innerhalb einer Sorte voneinander unterscheiden.

Wie an dieser Stelle schnell deutlich wird, benötigt Ökozüchtung viel Zeit. So kann es bis zu 20 Jahre dauern, bis eine neue Sorte mit den besten Eigenschaften für Anbau und Vermarktung zur Verfügung steht. Neben einem langen züchterischen Atem, benötigt die Arbeit der Züchterinnen und Züchter aber auch ein solides finanzielles Fundament. Denn Ökozüchtung ist ein kostspieliges Unterfangen.

Denn’s Biomarkt und BioMarkt unterstützen deshalb schon seit vielen Jahren die wertvolle Arbeit in der Ökozüchtung. So wird dieses Projekt, neben der Teilnahme am Versuchsanbau, auch finanziell gefördert. In den Jahren 2019-2021 mit insgesamt 48.000 €.

Auch der Oktober 2020 zeigte sich von seiner freundlichen Seite, sodass die Salate schöne, runde Köpfe ausbildeten. Vor allem ab dem Zeitpunkt der Kopfbildung müssen die Salate großzügig gegossen werden. Regelmäßiges Hacken um die Pflanzen herum sorgt für eine bessere Wasseraufnahme und -speicherung im Boden, was wiederum den Wasserverbrauch erheblich senkt.

Ob unsere Salate im weiteren Versuchsanbau von Mehltau befallen sind und ob es auch noch Salate gibt, die nach Abschluss unseres Anbaus gegessen werden können, erfahrt ihr hier.