Es ist zum Verrückt werden: Die drei Sommermonate in meinem Sehnsuchtsort Lisboa sind vorbei, dabei habe ich gerade erst das Gefühl gehabt anzukommen.

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Um mir den Abschied zu versüßen, habe ich im August einen zehntägigen Roadtrip mit einem portugiesischen Freund durch den Alentejo gemacht.

„Du wirst dich wundern: Im Alentejo sind die Menschen langsamer als im Rest Portugals.“ erklärt mir mein Reisefreund augenzwinkernd. „NOCH langsamer als im Rest Portugals? Das ist unmöglich“ entgegne ich scherzend.

Das entspannte Gemüt der Portugiesen hat mich von Anfang an fasziniert. Alles dauert ein bisschen länger, alles ist gemütlicher, alles ist etwas ungeplanter. Man nimmt sich einfach mehr Zeit – so mein Gefühl. Diese entschleunigende Langsamkeit wirkt wie Balsam auf meiner manchmal zu durchgeplanten deutschen Seele.

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Slow Down heißt das Zauberwort für diese zehn Reisetage. Wir nehmen uns Zeit, das gilt auch für die Fortbewegung: Mit Bus, Zelt und Rucksack tuckern wir von Lissabon nach Alcácer do Sal über Évora, dann ein bisschen die Costa Vicentina entlang von Porto Côvo, Vila Nova de Milfontes bis nach Almograve. Unsere letzte, ganz im Süden des Alentejo gelegene Destination, ist das mittelalterliche Örtchen Mértola.

Hier verbringen wir die drei wohl faulsten und langsamsten Tage seit Langem.

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„Dösen, Kochen und Essen“ steht auf dem Tagesplan. Mehr nicht. Uns bleibt auch gar nichts anderes übrig, denn es ist tagsüber schlichtweg zu heiß für andere körperliche Aktivitäten.

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Wir wohnen in den alten Mauern des Convento Sao Francisco de Mértola mit einem atemberaubenden Blick auf den maurischen Festungsberg des Castelo dos Mouros und die Mündung des Río Guadiana.

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Das 400 jährige ehemalige Kloster wurde von einer holländischen Künstlerfamilie wieder zum Leben erweckt. Ein Ort der Inspiration, Kreativität und Besinnung umgeben von Kunst, Geschichte und Natur war ihre Idee, als sie vor über 30 Jahren begonnen das Kloster zu rekonstruieren.

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Wir wohnen im ehemaligen Pferdestall, fühlen uns aber trotzdem wie Prinz und Prinzessin. Mit viel Liebe zum Detail und Nähe zur Natur wurde das Gebäude als Studio umfunktioniert. Himmelbett und Küche – mehr brauchen wir nicht um glücklich zu sein.

Den Rest finden wir im riesigen Garten des Convento, der für sich allein schon ein wahres Fest für die Sinne ist. Das ursprünglich Bewässerungssystem wurde restauriert und bewässert nun die unzähligen mit Kräutern und Gemüse bewachsenen Terrassen.

Umgeben von duftenden Zypressen, zirpenden Zikaden und gackernden Hühnern ernten wir aromatische Tomaten, Koriander und Zwiebeln und zaubern uns daraus ein kleines portugiesisches Festmahl. So müssen sich Adam und Eva im Garten Eden gefühlt haben.

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Salada de Bacalhau a Grão soll es geben – aber natürlich wieder in meiner Version. Das alentejanische Gericht wird als typisches Petisco, eine Art portugiesische Tapas, serviert. Traditionell besteht es aus Bacalhau, Ei und Kichererbsen. Wir fügen noch aromatische Tomaten hinzu, weil unsere Ernte so fabelhaft schmeckt – und dazu bringt´s noch etwas Farbe auf den Teller.

Bacalhau (Klippfisch), der zu Konservierung getrocknete und gesalzene Fisch (meistens Kabeljau bzw. Dorsch), versorgte zu Zeiten der Weltentdeckung die portugiesischen Schiffsmannschaften und wurde dadurch zum Nationalgericht Portugals. Ich bin kein großer Fan von Geruch und Geschmack des Fischs, aber in diesem Salat mag sogar ich seine feste Konsistenz und die salzige Note.

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Zu Hause in Berlin gibt´s natürlich keinen Bacalhau, bzw. nur in Spezialgeschäften. Wenn sich mal wieder Fernweh ankündigt, bereite ich den Salat einfach mit Seelachsfilet zu und hole mir damit ein kleines Stück Portugal zurück nach Berlin:

Ich schließe die Augen, führe langsam die erste Gabel zum Mund und im nächsten Moment sitze ich im Garten des Convento, lausche den Vogelchören, rieche die frische, nach heißer Erde duftende Luft und ich blicke in den blauen Zuckerwattewolken-Himmel über mir. Die Zeit steht still … ich bin fast im Paradies.

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Kichererbsen-Eiersalat mit Seelachs und Tomaten (angelehnt an das portugiesische Gericht Salada de Bacalhau a Grão)

Zutaten für 4 Personen (als Hauptspeise)
500 g Seelachsfilet (aus der Nordsee)
6 EL Olivenöl
2 Knoblauchzehen
1 Zwiebel, gehackt
1 Glas Kichererbsen, abgetropft (400 g Abtropfgewicht)
2 große Tomaten, gewaschen und gewürfelt
3 Eier, hartgekocht und gehackt
½ Bund Koriander, gehackt
Fleur de Sel
frisch gemahlener Pfeffer
3 TL frischer Zitronensaft
1 EL Honig

  • Etwa 3 EL Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und den Fisch darin braten bis er gar ist. Mit einer guten Prise Fleur de Sel und Pfeffer würzen. Mit einer Gabel in kleine Stück reißen und in eine Salatschüssel geben.

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  • In der gleichen Pfanne erneut 3 EL Olivenöl erhitzen und den Knoblauch darin auf mittlerer Hitze goldbraun anbraten und danach zum Fisch geben. Das restliche Öl in der Pfanne abkühlen lassen.
  • Gehackte Zwiebeln, Kichererbsen, Eier, Koriander und Tomaten ebenfalls in die Schüssel zum Fisch geben.

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  • Zitronensaft mit dem restlichen Öl aus der Pfanne und dem Honig zu einer Vinaigrette verrühren und mit Fleur de Sel und Pfeffer abschmecken. Evtl. noch etwas Olivenöl hinzufügen. Den Salat mit der Vinaigrette vermischen und 30 Min. (im Kühlschrank oder bei Zimmertemperatur) ziehen lassen. Nach Lust und Laune kalt oder warm mit knackigem Brot, Käse und Schinken servieren und genießen.

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