Bio Blog

Alle Beiträge der Kategorie: „Helden des Alltags“

Bewegungsbaustellen

Am 9. Mai 2016 von in


img_5897.jpgNeulich war mal wieder Elternabend im Kindergarten. Die Eltern unter euch wissen, was ich meine. Man faltet sich für einen Zeitraum von 90 bis 120 Minuten in viel zu kleine Sitze, nickt hin und wieder wissend, lächelt artig vor sich hin und tut so, als lausche man andächtig den Vorträgen des KiTa-Personals oder den Wortbeiträgen anderer engagierter Eltern. Bei mir erschöpft sich das Engagement an diesen Abenden meist darin, dass ich mich aufgerafft habe, überhaupt teilzunehmen. Denn eines habe ich als Kindergartenvater schon binnen weniger Minuten beim ersten Elternabend begriffen: Jeder Wortbeitrag in illustrer Superelternrunde kostet mich mich mehr Nerven, als mir abends um 20 Uhr noch zur Verfügung stehen.
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Worte, Worte, Sahnetorte

Am 29. Februar 2016 von in

worte

„Johannes redet gern und oft“ – so stand es schon vor etlichen Jahrzehnten in meinem ersten Grundschulzeugnis dokumentiert. Offensichtlich hatte ich eine sehr vorausschauende und weise Grundschullehrerin, denn ich war und bin noch immer ein Freund vieler, wenn auch selten großer oder weiser Worte. Bislang war es meist meine Umwelt, die mit meinen wortreichen Ausschweifungen klar kommen oder sich damit arrangieren musste.
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Vom Glück

Am 3. Februar 2016 von in   |

Wie so oft, wenn ich Texte über schwierige Themen oder Fragen vorbereite, bewege ich sie mit meinem mittlerweile fast sechsjährigen Junior. So auch heute, wo es um nichts weniger als das „Glück“ geht. Als ich ihn also fragte, was für ihn Glück ist, sah er mich mit seinen strahlend blauen Augen an, lachte schelmisch und sagte wie aus der Pistole geschossen: „Dass wir uns haben, Papi, das ist Glück.“

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Reicht’s denn nicht einfach Bio zu kaufen?

Am 8. Januar 2016 von in

Wem Umweltschutz, artgerechte Tierhaltung und faire Arbeitsbedingungen am Herzen liegen, der kauft ökologisch, möglichst regional produzierte und fair gehandelte Produkte. Ist ja klar. Zurück bleibt, ganz zu Recht, ein gutes Gefühl. Schließlich kann ich mit meinem Konsum, meiner Ernährungsweise ganz konkret und jeden Tag einen kleinen Beitrag leisten. Das hilft auch gegen das Ohnmachtsgefühl, das sich hin und wieder beim Blick in die Nachrichten heranschleicht.

Beobachtet man wessen, häufig nicht gerade gemeinwohlorientierte, Interessen sich in der Politik so durchsetzen, kann einem der Glauben an die Wirksamkeit von politischem Engagement schon verloren gehen. Also, Rückzug ins Konkrete – lieber im Kleinen wirken als sich im Großen abstrampeln und letztlich nicht viel verändern?

Ich bin heute mit Iris verabredet. Ist sie jetzt sowas wie eine Landwirtschafts-Lobbyistin? Die Adresse passt zumindest ins Bild. Berlin-Mitte, der Bundestag um die Ecke und die Hauseingänge der Marienstraße sind gepflastert mit Namen von Organisationen und Unternehmensvertretungen. Iris öffnet mir die Tür, in den Räumen des Bündnisses „Meine Landwirtschaft“ herrscht Hochbetrieb. Die Großdemonstration für eine ökologischere, bäuerliche Landwirtschaft steht vor der Tür und noch ziemlich viel Arbeit dahinter.

20151110_121711 Iris @ work
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Von Kühen im Briefkasten und einer mutigen Jungbäuerin

Am 16. November 2015 von in   |

Es ist kurz vor sechs. Anja ist schon startklar, klopft an meine Tür und drückt mir ein Paar Gummistiefel in die Hände. Vor einigen Jahren sind wir uns flüchtig an der Hochschule begegnet. Über vier Ecken habe ich jetzt gehört, dass sie gerade mit Janusz, ihrem Mann, einen eigenen Bio-Betrieb aufbaut. Fast ohne Nichts. Kaum Ersparnisse, keine Erbschaft, kein eigenes Land… irgendwo in Brandenburg. Ziemlich gewagt denke ich, wie machen sie das… läuft es heute nicht eher andersrum: Kleine Landwirtschaftsbetriebe schließen ihre Hoftore und geben auf? Anja hat mich eingeladen, sie beim Melken ihrer 20 Zweinutzungskühe zu begleiten… da hätte sie am ehesten Zeit zum Erzählen.

Draußen ist es stockdunkel, es nieselt. Wir steigen in den alten Pick-up vor der Haustür und rattern über die Pflastersteinwege des Dorfes zu Anja‘s und Janusz‘s Weiden. Die haben sie von einer Naturschutzorganisation gepachtet, die froh ist, dass die Flächen jetzt nach Bio-Richtlinien gepflegt werden. Ihre Tiere stehen mitten im Odertal, direkt hinter dem Fluss beginnt Polen. Einige der Kühe erwarten uns schon am Zaun. Anja schmeißt den von einem alten Traktor angetriebenen Generator an, die Lichter des mobilen Melkstandes leuchten auf. Dann streut sie Haferschrot in den Melkstand, das lockt die Kühe, die sich im Sommer sonst selbst um ihr Futter kümmern müssen.

1_melkstandDie Morgenschicht ist geschafft… zumindest für diese Damen

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Von Lebensweisheiten und Ommatagen

Am 11. Oktober 2015 von in

Diese Rubrik heißt „Helden des Alltags“. Helden sind ja Menschen, die sich durch besonderes Handeln oder großen Einsatz auszeichnen. Wir alle haben und kennen unsere Heldinnen und Helden. Manchmal sind sie für uns unerreichbar, manchmal aber leben sie mit uns Tür an Tür. Mitunter gehören sie gar zur Familie. Wie meine Lieblingsoma, die meine ganz persönliche Alltagsheldin war.

Lieblingsoma

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Das Netz ist ein guter Ort, wenn wir es dazu machen.

Am 31. August 2015 von in

Das Netz ist ein guter Ort

„Junge, ich habe in der Zeitung gelesen, dass du ein Blogger bist. Ist das was Schlimmes?“

„Nein, Mutter. Das heißt nur, dass ich Sachen ins Internet schreibe und Menschen das kommentieren können. Das nennt man dann Bloggen.“

„Und seit wann machst du das?“

„Nun, seit ungefähr zehn Jahren.“

„Und warum?“

„…“

Dieser Dialog mit meiner 80jährigen Mutter hat sich vor wenigen Wochen ziemlich genau so zugetragen. Und ich muss ehrlich gestehen, dass ich ihr die letzte Frage so spontan nicht beantworten konnte. Ich musste erst mal in Ruhe nachdenken.
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Generation Feuchttuch : Urlaub auf dem Biohof

Am 20. Juli 2015 von in   |

Wir waren neulich auf dem Bauernhof. Mit der ganzen Familie. Und gleich für drei Tage. Nun hatte ich bei der Vorstellung von Urlaub auf dem Bauernhof jenes urige und halb heruntergekommene Nebenerwerbsgehöft in der tiefsten fränkischen Pampa im Kopf, auf das mich meine Eltern zu Kinderzeiten des Öfteren im Oster- oder Herbsturlaub geschleppt mitgenommen haben. Dort durfte ich morgens mit der Alu-Kanne in der Hand zum Nachbarhof schlappen und Milch holen, nachdem ich zuvor im übel stinkenden Hühnerverschlag die Frühstückseier gesammelt hatte. Tagsüber fuhr ich auf dem Trecker mit auf die Felder oder staute den nahegelegenen Bach mit herumliegenden Steinen und Ästen auf, bis mir das Wasser in die Gummistiefel schwappte.

Spieltrecker auf dem Bauernhof
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Heldentum oder skurriles Hobby? Begegnung mit einer Öko-Züchterin

Am 10. Juli 2015 von in

Mich hat eine neue Aufgabe in diesen Blog gespült… sie macht aus mir keine Alltagsheldin, bringt mich aber immer wieder mit Menschen zusammen, die man getrost als solche bezeichnen kann. Und schon das ist ein Glück, gibt‘s doch täglich genug Nachrichten, bei denen ich mir die Decke am liebsten weit über den Kopf ziehen möchte.

Solche „Helden“ möchte ich Euch an dieser Stelle immer wieder mal vorstellen – um die Momente zu teilen, bei denen es ohne Decke über dem Kopf vielleicht ein bisschen kühler, aber auch deutlich heller ist.

Letzten Samstag konnte ich in dem kleinen hessischen (nein, nicht gallischen) Dorf Bingenheim, gleich mehrere Heldinnen und Helden kennenlernen. Ökologische ZüchterInnen! „Züchtung“? Ganz ehrlich, das weckt auch bei mir dunkle Erinnerungen an lange Nächte vor Biologie-Klausuren… und meine Versuche, noch schnell irgendwelche Mendelsche Regeln auswendig zu lernen.

Als ich das erste Mal davon hörte, dass es so etwas wie ökologische Züchtung von Gemüsesorten überhaupt gibt, dachte ich nur: „Oje, reicht es nicht, wenn ich im Bio-Laden ökologisch angebautes Gemüse kaufe? Muss es jetzt auch noch aus ökologischer Züchtung sein? Hauptsache bei der Entwicklung der Sorte kam keine Gentechnik zum Einsatz…, oder?“

Eine der ZüchterInnen die ich in Hessen traf, war Kornelia, die mich und andere Interessierte durch ihren Zuchtgarten führte. Hier hat sie rund 8 Jahre lang an der Entwicklung einer Zucchini-Sorte gearbeitet. Klingt ja erstmal mehr nach einem skurrilen Hobby, als nach einer Heldentat.

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