Und plötzlich war es Herbst! Erst ein heißer, nicht enden wollender Sommer und dann dieser goldene Herbstanfang – wir sind wirklich gesegnet. 

Für die Natur waren die wenigen Regentage, Hitze und Dürre im Sommer 2018, der große Ernteausfälle zur Folge hatte, allerdings kein Segen. Trotzdem bedanken sich viele Menschen auch in diesem Jahr während des Erntedankfestes bei Gott für die Ernte des Jahres.

Auch wenn die Ernte in diesem Jahr magerer war, so sitzen wir trotzdem an reich gedeckten Tischen und stehen vor gut gefüllten Regalen im Bio-Supermarkt.

Das Erntedankfest ist ein schöner Anlass um darüber nachzudenken, wie gut es uns geht, und dass all der Überfluss in dem wir leben nicht selbstverständlich ist. Wir können dankbar für die Ernte sein, die wir haben und uns Gedanken darüber machen, wie wir in Zukunft mit diesem Planeten umgehen wollen, damit auch unsere Kinder weiterhin seine Früchte ernten und auf ihm leben können.

Äpfel, Pflaumen und Trauben gibt es dieses Jahr übrigens in Hülle und Fülle.

Als wir neulich im Garten von Freunden in Weimar Äpfel geerntet haben, und einen Korb nach dem anderen von den prall behangenen Bäumen mit rot leuchtenden Äpfeln befüllt haben, musste ich an meine Oma denken.

Wo heute die Ernte für die Mehrheit der Menschen eher als eine Freizeitaktivität gilt, war sie früher während der Kriegsjahre überlebenswichtig. Sie erzählt mir oft, wie glücklich sie sich schätzen konnte auf dem Land groß geworden zu sein, wo sich ihre Eltern zum Teil selbst versorgen konnten. Die Lebensmittel waren während des 2. Weltkriegs (vorallem in der Stadt) oft knapp, und es galt das Motto „hilf dir, oder stirb“. Und so sorgte ihr Vater neben seinem Beruf als Maurer dafür, dass sich die Familie meiner Oma in der Not mit selbst angebautem Obst und Gemüse versorgen konnte. Neben dem Elternhaus meiner Oma wuchsen zwei Birnbäume und auf einem anderen Grundstück mehrere Apfelbäume und ein Kirschbaum, die zur Erntezeit an den Wochenenden geerntet wurden. Die Früchte mit Dellen und Würmern wurden zu Apfelmus  verarbeitet, die Ziegen bekamen die Apfelschalen unter ihr Futter gemischt und die makellosen Äpfel wurden eingelagert. Nichts wurde weggeschmissen und wenn mal Äpfel übrig waren, wurde der Rest an Freunde und Familie verschenkt. In Jahren knapper Ernte ersteigerte mein Uropa Pflaumen-, Apfel- oder Walnussbäume um diese selbst ernten zu können.

Die Geschichte meiner Oma zeigt mir, in welch anderer Welt wir mittlerweile leben. So viele Obstbäume werden gar nicht mehr abgeerntet, weil die Menschen einfach keine Zeit dafür haben oder aber nicht wissen, wie sie all die Früchte verarbeiten sollen. Auf der anderen Seite zieht es die Menschen zurück in die Natur. Ich höre von immer mehr junge Familien, die ihr Glück auf dem Land suchen, oder sich einen Schrebergarten in der Stadt suchen, in denen sie Obst und Gemüse zum Eigenbedarf anbauen. 

Auch ich überlege oft, wie es wäre auf dem Land zu leben, oder wenigsten einen Kleingarten in der Stadt zu haben. In der Erde buddeln, sähen und ernten – ich glaube das kann eine sehr befriedigende Arbeit und ein guter Ausgleich zum Schreibtischjob sein.

Vielleicht werden wir uns die Sehnsucht nach mehr Nähe zur Natur in den nächsten Jahren erfüllen. Bis dahin lebe ich weiterhin glücklich und dankbar mit den Erinnerungen an meine Kindheit im Garten meiner Oma. Sie hat mir für diesen Blogpost übrigens ihr Rezept für versunkenen Apfelkuchen verraten. Ich liebe diesen einfachen Kuchen, der im Handumdrehen gemacht und bei der ganzen Familie beliebt ist – vor allem beim allerjüngsten Familienmitglied 🙂

Welches sind eure liebsten Apfelkuchen-Rezepte? Backt ihr auch am liebsten die traditionellen Familienrezepte?

Versunkener Apfelkuchen nach Omas Art

Zutaten für eine kleine Keramikform (18 cm Durchmesser)
3 ½–4 kleine säuerliche Äpfel
4 TL Zitronensaft
60 g Rohrzucker

100 g Butter (zimmerwarm)
1 Ei
250 g Dinkel-Vollkornmehl
1 TL Backpulver
1 Prise Zimt
1 Prise Salz
 150 ml Milch
Butter für die Form
Puderzucker zum Bestäuben

Zubereitung:

  • Backofen auf 180 °C Umluft vorheizen und Backform einfetten.
  • Äpfel schälen, halbieren und das Kerngehäuse entfernten, ohne die Apfelhälften zu verkleinern. Dann das Apfeläußere mit dem Küchenmesser mehrfach einritzen. Mit Zitronensaft beträufeln und 10 g Zucker bestreuen.
  • Butter und 50 g Zucker mit der Küchenmaschine schaumig rühren und das Ei unterrühren. 
  • Mehl, Backpulver, Zimt und Salz vermischen und unter die Butter-Zucker-Ei-Mischung rühren. Zum Schluss die Milch hinzugeben, verrühren,  Teig in die Form geben und die Apfelhälften in den Teig drücken.
  • Im Ofen auf mittlerer Schiene etwa 35–40 Min. backen (Backzeit hängt vom Backofen ab). Kuchen aus dem Ofen holen, auskühlen lassen, mit Puderzucker bestäuben und genießen.

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