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„Bio“ ist gut für unsere Gesundheit und die Umwelt – so viel wissen wir bereits, oder glauben zumindest es zu tun. Aber könntet ihr, wenn ihr gefragt würdet, ganz konkret erläutern worin sich Biomode von konventioneller Kleidung unterscheidet? Ich möchte es euch anhand einer vereinfachten Skizze erklären – durch eine Gegenüberstellung der Produktionskette von LIVING CRAFTS mit der eines beliebigen konventionellen Herstellers – ganz gleich ob billiger Discounter oder extravagante High Fashion.
Bio-Mode und konventionelle im VergleichAm Anfang der Textilherstellung steht immer der Rohstoff (Punkt 1, 2 und 3) und der ist bei Biomode überwiegend natürlichen Ursprungs, also pflanzlich oder tierisch – und das aus kontrolliert biologischem Anbau (1) bzw. kontrolliert biologischer Tierhaltung. Es dürfen nur geringe Anteile an Kunstfasern wie Elasthan oder Polyamid beigemischt werden, wenn es etwa zur Optimierung der Passform notwendig ist. Die „Zutaten“ – so nennt man in der Textilbranche Label, Knöpfe & Co. – bestehen bevorzugt aus nachwachsenden Rohstoffen oder aus recycelten Materialien. Metall-Druckknöpfe sind immer chrom- und nickelfrei, um keine Allergien auszulösen! Für konventionelle Kleidung hingegen gibt es keine Vorschriften beim Material, hier kommt alles zum Einsatz. Von pestizidbelasteten Naturfasern aus gentechnisch verändertem Saatgut, das einen wesentlich höheren Wasserbedarf hat (2) bis hin zu Chemiefasern, Plastik, Gummi oder lackiertem Metall ist hier alles möglich. Die Optik spielt eine größere Rolle als die Verträglichkeit, es soll ja schließlich stylish sein und dem aktuellen Trend entsprechen.

Bio-Baumwolle wird ohne den Einsatz von Chemikalien in Fruchtfolge angebaut und schonend per Hand geerntet – hier gilt die Devise „Qualität statt Quantität“ (3). Die Bio-Bauern erhalten höhere Preise und langfristige Verträge garantieren ihnen die Abnahme über mehrere Jahre. Auf dem folgenden Foto seht ihr übrigens die Ernte der farbig gewachsenen Bio-Baumwolle, die wir bei LIVING CRAFTS für eine Linie von Babykleidung verwenden. Durch die natürliche Färbung kann man bei dieser ursprünglichen Baumwollsorte vollkommen auf eine nachträgliche industrielle Färbung verzichten. Auf konventionellen Plantagen, auf denen die Pflanze in Monokultur wächst und kräftig mit Pestiziden eingenebelt wird, kommen hingegen auch schwere Erntemaschinen und Entlaubungsmittel zum Einsatz, um die großen Mengen zu bewerkstelligen. Ach ja … wusstet ihr, dass rund 98 Millionen Kinder (Quelle: UNICEF / 2015) in der Landwirtschaft arbeiten? Ein großer Teil der Kinderarbeit fällt dabei auf den konventionellen Baumwollanbau zurück.

farbig gewachsene Baumwolle

Biomode – ökologisch & sauber

Gehen wir weiter zum nächsten Schritt und werfen einen Blick in die Produktionsbetriebe (Punkt 4, 5, 6, 7 und 8): Ökologische Kleidung wird unter Minimierung von Umweltbelastungen (4) hergestellt. Dabei spielt Recycling eine ebenso große Rolle wie eine fachgerechte Müllentsorgung und die Wiederaufbereitung der Abwässer. In der Ausrüstung, also dem Veredelungsprozess der Textilien, werden die Naturfasern nicht chemisch, sondern mechanisch, thermisch (6) oder mit Hilfe von Stärke sowie Enzymen behandelt – allein dadurch verringern sich die Schadstoffe im Vergleich zur konventionellen Produktion enorm! Und auch auf eine Minimierung von Lärm- und Staubbelastungen am Arbeitsplatz wird in zertifizierten Betrieben zum Wohle der Arbeiter ebenso geachtet, wie auf geregelte Arbeitszeiten (7). Konventionelle Färbereien leiten oftmals ihre mit Chemikalien belasteten Abwässer einfach in den nächsten Fluss (erinnert ihr euch an das Greenpeace-Foto in meinem letzten Beitrag, das den pink schäumenden Tullahan River auf den Philippinen zeigt?). Die Naturfasern werden außerdem sowohl beim Spinnen der Garne als auch beim Weben oder Stricken (5) oftmals mit hohen Anteilen an Chemiefasern wie Polyamid oder Polyester vermischt – oder man verwendet gleich reine Kunstfasern für die konventionelle Textilproduktion.

[Greenpeace hat übrigens im Jahr 2011 eine Kampagne mit dem Namen „Detox“ ins Leben gerufen, in deren Rahmen konventionelle Unternehmen dazu aufgefordert werden ihre Textilproduktion zu „entgiften“, d.h. Giftstoffe durch ungefährliche Substanzen zu ersetzen. Genauere Infos dazu findet ihr hier.]

Konfektion Biomode

Biomode ist meist auch fair

Gerade in der Konfektion (8), so bezeichnet man die Fertigung des Kleidungsstücks selbst, also den Zuschnitt des Stoffes, das Nähen und Verpacken, ist filigrane und mühsame Handarbeit gefragt. Hersteller von Biomode achten hier auf Sauberkeit und Ordnung, genügend Raum und Abstand zwischen den gut ausgeleuchteten Arbeitsplätzen oder die Einhaltung von Pausenzeiten. LIVING CRAFTS disponiert das Basic-Sortiment immer langfristig, sodass die Lieferanten genügend Zeit für die Produktion haben – der große Bestand wird dann bei uns in Selbitz bis zum Abverkauf eingelagert (10). Die saisonalen Kollektionen werden in geringerer Stückzahl geordert und auf mehrere Produktionsbetriebe aufgeteilt, zu denen langjährige Beziehungen bestehen – man kennt sich und ist aufeinander eingespielt. Konventionelle Betriebe produzieren auf Masse und unter Zeitdruck – die Modebranche ist nunmal äußerst schnelllebig … „Fast Fashion“ eben – sie müssen die Kollektion termingerecht an die Auftraggeber liefern, sonst verlieren sie Aufträge und somit ihre Existenz. Sie achten dabei leider kaum bis gar nicht auf so was wie eine gerechte Entlohnung der Arbeiter oder Sicherheitsvorkehrungen (z. B. Brandschutz und frei zugängliche Fluchtwege).

Ist die Kleidung fertig produziert, wird sie für den Transport (9) zum Auftraggeber bzw. dessen Lager vorbereitet. Um einerseits die Transportwege zu verkürzen und damit Energieverbrauch und Umweltbelastungen zu reduzieren, wird über die Hälfte der Biomode von LIVING CRAFTS in Deutschland und der EU produziert. Das Sortiment, das in Fernost hergestellt wird, kommt wiederum auf dem Seeweg zu uns und nicht – wie oftmals in der konventionellen Branche aufgrund des Zeitdrucks üblich – per Luftfracht.

Wenn ihr sichergehen wollt, dass eure Biomode auch wirklich fair produziert wird, dann vergewissert euch, dass der Hersteller Mitglied der Fair Wear Foundation ist, die ich euch im letzten Beitrag kurz vorgestellt habe. Das ist die derzeit zuverlässlichste Organisation zur Gewährleistung von fairen Arbeitsbedingungen. Fairen Handel der Rohstoffe erkennt ihr am Fairtrade-Logo, das sich jedoch „nur“ auf den Handel bezieht und nicht auf die einzelnen Produktionsschritte in den Fabriken. Ist eure Biomode „Made in Germany“ oder „Made in EU“, dann könnt ihr weitgehend beruhigt sein, denn hier sind die Standards grundsätzlich besser als etwa in China oder Bangladesch, wobei es auch innerhalb der EU leider noch einige schwarze Schafe gibt.

Hand auf’s Herz – wie sieht es bei euch daheim aus? 100 % Biomode oder habt ihr eine bunte Mischung im Kleiderschrank? Was mich außerdem interessieren würde: Habt ihr als Konsumenten vielleicht sogar Argumente, die gegen den Kauf von Biomode sprechen? Seht ihr Nachteile oder Schwachstellen, die ihr uns als Hersteller mitteilen möchtet? Man lernt schließlich nie aus … 😉 Im nächsten Beitrag stelle ich euch unsere Rohstoffe genauer vor, denn ökologische Mode besteht aus weit mehr als nur Bio-Baumwolle.

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