Bulgarischer TaratorEs gibt diese Tage im Sommer jenseits der 35 °C, da geht einfach gar nichts rein! Weil nichts zu essen aber auch keine Lösung ist, löffeln die der Sommerhitze erprobten Bulgaren in dieser Zeit ihren beliebten „Tarator“.

Bulgarischer Tarator geht immer!

Tarawas? Tarator ist eine eiskalte Suppe auf der Basis von Gurken und Joghurt, ganz leicht und herrlich erfrischend. Ich erinnere mich an einige Situationen meiner Kindheit, als meine beiden bulgarischen Omas mich zum Essen überreden wollten, wenn ich die Sommerferien bei Ihnen verbrachte. Oma: „Komm schon, nur ein Stück Fleisch.“ – Ich (genervt): „Oma, ich hab keinen Hunger, es ist so warm.“ – Oma (mit Nachdruck): „Aber du musst essen, du wächst noch!“ – Ich (noch genervter): „Oma, ich mag aber nichts“ – Oma (mit noch mehr Nachdruck): „Du hast aber fast nichts gegessen, jetzt komm schon!“ – Ich (verärgert) „Oma, ich will jetzt nichts essen!“ – Oma (überlegt kurz): „Ich hab auch noch Tarator im Kühlschrank…“ – Ich (erleichtert): „Meinetwegen, aber nur ein ganz kleiner Teller!“ … und der Familienfrieden war gerettet.

Zutaten für bulgarischen Tarator

Was kommt in den Tarator?

Für das klassische Tarator-Rezept (mit kleinen Variationsmöglichkeiten) benötigt man folgende Zutaten:

  • eine Gurke, gewürfelt oder gerieben
  • einige Zehen Knoblauch, gepresst oder fein gehackt
  • etwas Dill, gehackt
  • eine Hand voll Walnüsse oder Walnussbruch
  • 500 g Naturjoghurt (3,8 %)
  • ca. 200 ml Wasser
  • 1-2 Esslöffel Öl (Sonnenblumenöl)
  • evtl. ein TL Weißweinessig
  • Salz & Pfeffer

Tarator Zubereitung

Und schon kann’s losgehen! 🙂 Am besten ihr nehmt eine große Schüssel für die Zubereitung. Die Gurke wird in kleine Würfel geschnitten. Bei frischen Bio-Gurken ist es nicht notwendig sie zu schälen, im Gegenteil, ich finde die Schale verleiht dem Tarator einen knackigen Biss. Die Gurkenwürfel werden zunächst wie Salat angemacht – mit Öl, Salz und schwarzem Pfeffer. Traditionell verwendet man in Bulgarien überwiegend Sonnenblumenöl, ich habe aber eine Mischung aus Ölivenöl, Hanföl und Walnussöl genommen – schmeckt auch super!

[Meine Mutter empfielt einen kleinen Schuss Weißweinessig dazu zugegeben, da der Joghurt in Bulgarien im Allgemeinen etwas säuerlicher ist, als der hier erhältliche Naturjoghurt. Das liegt an einem speziellen Stamm an Milchsäurebakterien, dem Lactobacillicus Bulgaricus – dieser Joghurt ist auch nicht so cremig, der Wasseranteil setzt sich stärker ab. Jedenfalls ließe sich durch den Essig die fehlende Säure ausgleichen.]

Gurkensalat als Vorstufe für Tarator

Das Ganze verrühren und ruhig etwas ziehen lassen. In der Zwischenzeit könnt ihr den Knoblauch schälen und entweder pressen oder ganz fein hacken. Frischen Dill auch fein hacken (ich hab leider nur tiefgefrorenen bekommen und gebe ihn einfach in ein Schälchen) und die Walnüsse ebenso. Den Knoblauch, einen Teil des Dills und die gehackten Walnüsse nun zu den Gurkenwürfeln in die Schale geben und alles verrühren.

Tarator Zugabe Joghurt

Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, den Gurken-Knoblauch-Dill-Walnuss-Salat abzuschmecken. Noch ein bisschen Salz und Pfeffer, je nach Geschmack. Gerne auch noch etwas gehackte Walnüsse und Dill. Ich muss gestehen, dass ich auch noch drei gepresste Knoblauchzehen hinzugegeben hab – damit wären wir bei insgesamt sieben Zehen. Aber das ist nicht jedermanns Sache, tastet euch einfach selbst heran 🙂 …und immer schön durchrühren.

Im Grunde dauert die Zubereitung zehn Minuten und der Tarator ist bereit zum Verzehr, aber ich finde der Geschmack lebt von der Zeit, die man dem Mix in der Schüssel zum Durchziehen gibt. Also keine Eile und das Ganze auch gern mal in den Kühlschrank stellen.

Wie aus dem Salat eine Suppe wird:

Ich hole die Schüssel nach einer halben Stunde aus dem Kühlschrank und gebe das halbe Kilo Naturjoghurt hinzu. Das Ganze wieder verrühren und nochmal mit Salz und Pfeffer abschmecken. Jetzt verdünnen wir die Mischung mit kaltem Wasser. Wie viel Wasser ihr dazu gebt ist Geschmackssache, der eine mag es flüssiger als der andere. Bei mir waren es jetzt etwa 200 ml kaltes Leitungswasser, die ich mit dem Joghurt-Gurken-Mix verrühre. Fertig ist der Tarator!

Tarator mit Wasser zur Suppe verdünnt

Entweder ihr füllt ihn gleich in Suppen-Schälchen, garniert ihn mit einigen Gurkenscheiben, etwas Dill und Walnüssen und genießt die kühle Erfrischung oder stellt ihn wieder in den Kühlschrank, bis die Gäste kommen. 🙂 Dazu passt perfekt Weißbrot oder auch Fladenbrot. Bulgaren und Hartgesottene trinken dazu „Rakia“ (bulgarischen Traubenschnaps) oder „Mastika“ (bulgarischen Anisschnaps).

Tarator fertig in Schälchen

Was ist eure Lieblingsspeise an richtig heißen Sommertagen?

Falls euer Interesse an der Bulgarischen Küche geweckt ist, findet ihr einen groben Überblick in diesem Beitrag der Süddeutschen Zeitung. In Teil 2 meiner bulgarischen Sommerrezepte stelle euch ein weiteres Lieblingsgericht vor, das ich sehr gerne variiere und für Gäste zubereite – mit bislang überragendem Feedback – seid gespannt! 🙂

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