Ich gebe es zu: Was Umweltschutz angeht, habe ich mich bisher eher verhalten, wie ein Dreijähriger, der sich die Augen zuhält und denkt, man sähe ihn dann nicht mehr. Klar, darauf, wenig wegzuwerfen oder unnötige Autofahrten zu vermeiden, habe ich bisher schon geachtet. Aber auf die Idee, ganz bewusst ressourcenschonend einzukaufen, wäre ich ohne den Bio-Blog wahrscheinlich nicht gekommen. Dabei ist das sogar ziemlich einfach!

Eine neue Challenge

Ich sitze an meinem Laptop und belese mich zum Thema Ressourcenschonung. Ich lese nichts Neues und dennoch trifft mich die Erkenntnis mal wieder schmerzlich: Die Umwelt leidet unter uns und wir schauen dabei zu. Ganz ehrlich? Am liebsten würde ich das Thema gleich wieder Wegschieben. Es ist mir nämlich unangenehm. So, wie die meisten von uns, hoffe ich an dieser Stelle oft, dass einfach alles gut gehen wird und rede mir ein, dass mein Lebensstil ja gar nicht so schlimm sei. So, wie die meisten von uns, denke ich mir: „Schlimm!“ und gerate dann in Versuchung, mich mit einem süßen Katzenvideo abzulenken.

Warum sind wir eigentlich so?  Nun ja, es ist wahrscheinlich eine Mischung aus Selbstschutz, Egoismus und Gewohnheitstier. Am Klimawandel mitverantwortlich zu sein, fühlt sich einfach nicht gut an. Außerdem haben wir genügend Stress. Warum gerade also ich, sollte meine knappe Freizeit auch noch dem Umweltschutz widmen? Und überhaupt. Wenn ich alles mache, wie immer, ist es am bequemsten. Bis jetzt ist es doch auch gut gegangen.

Eigentlich will ich nicht so sein. Und Ihr wahrscheinlich auch nicht. Deshalb recherchiere ich beherzt weiter. Umweltschonendes Einkaufen? Kann ja wohl nicht so schwer sein.

 

Mit der Einkaufsliste fängt es an

In meinem letzten Einkaufsbeitrag habe ich es Euch bereits erzählt. Wenn sich Lebensmittel in unserem Haushalt dem Ende zuneigen, notiere ich sie sofort an einer Tafel in meiner Küche. Damit vermeide ich Situationen, in denen ich im Supermarkt stehe und mich frage, ob ich noch Zwiebeln habe, nur um dann vorsichtshalber welche mitzunehmen, die dann zu Hause vergammeln. Reste werden außerdem sinnvoll verwertet. Das schont nicht nur Ressourcen, sondern natürlich auch den Geldbeutel. Tipp: Wenn Ihr bei Google einfach Eure übrigen Lebensmittel eingebt, werden Euch Rezepte dafür ausgespuckt.

 

Der Weg zum Supermarkt

Knappe Ressourcen schonen kann man natürlich bereits auf dem Weg zum Biomarkt. Ist der Laden nicht weit vom Wohnort entfernt, kann ich mich öfter auf das Fahrrad schwingen und dafür kleinere Mengen einkaufen. Der Biomarkt meines Vertrauens befindet sich allerdings ein ganzes Stück von meinem Dorf entfernt. Als Patchworker mit getrennten Haushalten müssen wir außerdem für bis zu fünf Personen einkaufen. Mein Lebensgefährte und ich fahren deshalb gemeinsam mit einem Auto und machen auch nur einmal pro Woche einen Großeinkauf für beide Haushalte.

 

Trauerspiel Tragetaschen

Hand hoch, wer auch irgendwo in seiner Wohnung einen Platz hat, an dem sich gesammelte Einkaufstaschen befinden? Es ist ein nie enden wollendes Trauerspiel, oder? Man geht einkaufen, man vergisst seine Einkaufstasche, man kauft mit schlechtem Gewissen eine neue, die dann mit den anderen nutzlos vor sich hinvegetiert. Das hat mich irgendwann so sehr genervt, dass ich eine Lösung dafür gefunden habe: Ich habe einen Großteil meiner Sammlung in den Kofferraum meines Autos verlagert. In meiner Handtasche befindet sich außerdem ein faltbarer Stoffbeutel. So habe ich auch bei spontanen Einkäufen eine Tragetasche dabei. Und sollte man doch einmal in die Situation kommen, eine Tasche erwerben zu müssen, sind Papier- oder Stoffbeutel in jedem Fall die bessere Alternative zu Plastik.

 

Verpackung selbst mitnehmen

Apropos Plastik. Um Abfall zu vermeiden, gibt es gleich mehrere Wege. Allesamt ziemlich einfach in der Umsetzung. Für meine Einkaufschallenge nehme ich ein Stoffnetz für Obst und Gemüse, Tupperboxen und meinen Coffee to go Becher mit.

An der Frischtheke empfängt mich eine freundliche Verkäuferin, die sich über die mitgebrachten Boxen richtig freut. Dass das so gut wie nie vorkäme, berichtet sie uns. Ich wundere mich. Und das in einem Biomarkt? Möglicherweise denken die Menschen, das sei nicht erlaubt? Doch, wie ich herausfinde, haben die Mitarbeiter bei denn’s durchaus die Erlaubnis, Lebensmittel in Tupperboxen mitzugeben. Es gibt durchdachte Hygienevorschriften, die das ressourcenschonende Verpacken ermöglichen.

Um richtig entspannt zu bummeln, darf ein Kaffee nicht fehlen. Und ich muss sagen, dem üblichen Coffee to go-Becher wird mittlerweile von allen Seiten der Kampf angesagt. In meinem Biomarkt lese ich auf einem Schild, dass man mit selbst mitgebrachtem Becher sogar eine Vergünstigung von 30 Cent erhält. Hat man kein eigenes Gefäß dabei, kann man einen Ecoffee-Cup erwerben. Der ist aus Bambusfasern hergestellt und biologisch abbaubar. Ich habe meinen eigenen Becher dabei. Den habe ich erst kürzlich während der Kampagne #lassihnverschwinden unseres Abfallzweckverbandes erworben. Ihr seht, für den Wegwerfbecher gibt es wirklich kaum noch Argumente. Und wenn alle Stränge reißen, dann setzt Euch doch einfach kurz und genießt Euren Kaffee aus der Tasse. Ein paar bewusste Minuten  – für Euch und für die Umwelt.

Beim Obst- und Gemüsekauf hole ich mein mitgebrachtes Netz heraus. Erfreut stelle ich fest, dass es auch vor Ort die Möglichkeit gibt, solche Beutel zu erwerben. Und weil ich gerade so im ressourcenschonenden Einkaufen drin bin, entscheide ich mich bewusst für die krummste Gurke, die ich finden kann. Es ist schon verrückt, wenn man bedenkt, dass in vielen Supermärkten einwandfreie Lebensmittel weggeworfen werden, nur weil sie nicht hübsch genug aussehen, oder? Der Marktleiter verrät mir, dass das bei denn’s nicht der Fall ist. Und sollte ein Gewächs doch einmal durch das Raster fallen, wird es für das Bistro des Marktes verwertet. Das gefällt mir wirklich gut!

Glas statt Plastik

Der Einkauf macht mir allmählich richtig Spaß. Am liebsten würde ich für alles meine eigene Verpackung verwenden. Nur, weil das eben nicht immer möglich ist, schaue ich mich zumindest nach den besten Verpackungsalternativen um. Und stoße natürlich auf die gute alte Glasflasche. Erst an dieser Stelle des Einkaufs kommt meine eigene Bequemlichkeit zum Vorschein. Auf schweres Schleppen haben wir natürlich keine große Lust. Aber weil dies tatsächlich der erste und einzige Moment ist, in dem ich mich ansatzweise eingeschränkt fühle, bin ich schnell mit den paar Minuten Tragen ausgesöhnt. Wenn das die einzige Unannehmlichkeit sein soll, nehme ich das gerne in Kauf.

Verkostung und Vegetarismus

Richtig gerne gehe ich Freitags in meinen Biomarkt, denn da findet immer die Verkostung statt. Ressourcenschonung ist hier nicht nur angesagt, weil die Probierportionen in essbaren Waffelbechern gereicht werden, sondern auch, weil man vermeidet, ein neues Produkt zu kaufen, um dann festzustellen, dass man es nicht mag und im schlimmsten Fall wegwirft.

Heute gibt es vegetarische Nürnberger Würstchen und Bratstreifen als Fleischalternative. Ich muss ehrlich sagen, was fleischloses Fleisch angeht, war ich bisher immer ziemlich enttäuscht. Lieber habe ich einfach einen guten Grillkäse gegessen und war zufrieden. Doch als ich die Rostbratwürstchen koste, haut mich das völlig vom Hocker. Die schmecken tatsächlich, wie das Original! Unglaublich, wie sich diese Branche in den letzten Jahren entwickelt hat. Und das Beste ist: Vegetarismus schont Wasser und Boden. Mein Einkauf ist beendet und ich fühle mich unglaublich gut damit.

 

Mein Fazit:

Ressourcenschonendes Einkaufen ist viel leichter, als ich gedacht habe. Alles, was es braucht, ist ein wenig Vorbereitung und ein bewusster Blick auf das Thema. Und ich bin mir sicher, das war noch längst nicht alles. Gibt es noch andere Ideen, die Ihr einbringen könnt? Ich freue mich auf Eure Kommentare!

 

 

 

  

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