Mariä Himmelfahrt am 15. August ist traditionell der Höhepunkt des Kräuterjahrs. Mit einem großen Fest endet die Erntezeit der blühenden Kräuter in  der „Grünen Hausapotheke“. Die heimischen Heilkräuter haben durch den hohen Sonnenstand ihren Höchstgehalt an Wirkstoffen erreicht.

Kräuter sammeln, aber richtig!

Die Wildkräuter sind „Biobauer’s Beifang“, wenn man sie richtig zu nutzen weiss, der Dank der Natur an Mensch, Tier und Pflanze. Ob Hildegard von Bingen, Pfarrer Kneipp oder Maria Treben: Sie alle nutzten die Heilkraft der Natur als „Grüne Hauspotheke“.

Wildkräuter – welches Kräutlein hilft wo und warum?

Jetzt ist die Sammelzeit für:

  • Beifuss – mit seinen vielen Bitterstoffen regt er die Verdauung an (berühmt als Würzkraut für die Weihnachtsgans)
  • Brennnessel – für die Immunabwehr, blutbildend, für reine Haut & kräftiges Haar, empfohlen bei Gelenkproblemen
  • Dost – unser heimisches Oregano. Stärkt Magen und Mikrobiom. Bei Husten.
  • Johanniskraut – „… trägt die Sonne ins Herz“. Bei Gemütsverstimmung im Winter.
  • Goldrute – erprobt bei Blaseninfektionen
  • Malve – bei Husten und empfindlichem Magen
  • Ringelblume – pflegt und beugt Entzündungen vor (z.B. in Ringelblumensalbe aber im Tee)
  • Rose – entspannt die Seele. Balance an stressigen Tagen.
  • Spitzwegerich – bei Husten
  • Quendel – unser heimischer Thymian. Bei Husten.
  • Wiesenlabkraut – enthält blutverdünnende Kumarine. Gibt dem Heu seinen Duft und beflügelt die Sinne. Für Duftkissen. (Die weissen Blüten im Körbchen)

Von fast allen Kräutern ernten wir jetzt ausschließlich die Blüten. Bei Spitzwegerich, Quendel, Dost die Blüten und Blätter. Wer sich nicht sicher ist, kann handgesammelte Tees auch im Biolmarkt kaufen: z.B. von Sonnentor.

Die Brennnessel ist ein Thema für sich. Über den Stoffwechsel wirkt sie durch alle Körpersysteme. Und so vielseitig, dass ich vor 2 Jahren bei meiner großen Brennnessel-Recherche ruckzuck 200 Seiten voll spannnender Rezepte aus aller Welt gesammelt hatte.

Kräuter ernten – der richtige Zeitpunkt:

Heilende Kräuter erntet man im Moment, in dem sie aufblühen. Es darf 24 Stunden nicht geregnet haben und die Pollen sollten samtig auf den Staubgefäßen stehen. Stell dir einfach vor, du wärst eine Biene. Die machen naturgemäß keine Kompromisse in der Qualität.

Ideale Erntezeit ist morgens, sobald der Tau abgetrocknet ist bis zum späten Vormittag. Gerade Kräuter mit ätherischen Ölen – Thymian, Quendel (unser heimischer Thymian), Majoran, Oregano, Dost (unser heimischer Oregano), Rosmarin, Salbei, Lavendel erntet man möglichst früh, da sich die ätherischen Öle wie eine schützende Wolke als lichtbrechender Sonnenschutz um die Pflanze legen. Dieses Phänomen erklärt den berauschenden Duft und das flirrende Licht der Lavendelfelder in der Provence. Die ätherischen Öle befinden sich dann allerdings nicht mehr in der geernteten Pflanze.

Kräuter trocknen – so geht’s:

Man trocknet die Kräuter an einem luftigen, armen, sonnengeschützten Ort. Optimal geeignet ist ein (sauberer) Dachboden. Meine Großmutter trocknete sie auf großen Leinentüchern oder Zeitungspapier, das sie zu diesem Zweck frisch auf den Schlafzimmerschränken ausgelegt hatte. Ideal eigen sich natürlich auch Trockenrahmen, die man ganz leicht selbst basteln kann, indem man Fliegengitter auf einen Rahmen tackert und die Rahmen mit Abstandhaltern von ca. 7-10 cm stapelt.

Ich persönlich achte beim Ernten der Kräuter auch darauf, sie sofort vom Stängel abzustreifen. Viele hängen die frisch geernteten Kräuter als Sträuße auf. Das setzt meines Erachtens allerdings voraus, dass man due Stängel anschließend mitverarbeitet, da die Kräuter, sobald sie „verletzt“ werden, ihre Energie versuchen Richtung Wurzel zu konzentrieren. D.h. ein guter Teil der Wirkstoffe wandert in den Stängel. Und so halte ich es wie meine Großmutter und streife die Kräuter, die ich als Tee verwenden möchte, gleich nach der Ernte ab, breite sie einlagig aus und fülle sie – sobald trocken – möglichst schnell in eine fest schließende, lichtgeschützte Dose.

Magische Zahlen im Brauchtum: 3, 7, 12 oder 77

Man sammelte die Teepflanzen für die grüne Hausapotheke und in katholischen Regionen zu Mariä Himmelfahrt einen prächtigen Kräuterstrauss, genannt „Kräuterbuschen“. Dieser wurde in einem Festgottesdienst geweiht. Wie viele Heilkräuter, Getreideähren und Nutzpflanzenblüten im Kräuterbuschen verarbeitet werden, darüber gehen die Angaben stark auseinander. Allen gemeinsam ist, dass es eine symbolische Zahl sein muss. Es ist davon auszugehen, dass die Anzahl der Kräuter naturgemäß je nach Vielfalt des Biotops variiert. Ein Kräuterbuschen mit 77 verschiedenen Kräutern setzt vermutlich die überwältigende Vielfalt magerer Bergwiesen voraus. Oder einen wohl sortierten Klostergarten.

Wichtig ist, dass es sich um eine symbolische, eine „heilige Zahl“ handelt: Zumeist 3 für die Heilige Dreifaltigkeit, 7 für die sieben Sakramente, 12 für die Anzahl der Apostel. Auch für Teemischungen kann man sich von der Magie der Zahlen inspirieren lassen. In die Mitte des Kräuterstraußes gehörte – als „Zepter Mariä“ – eine Königskerze, bekannt auch als Heilpflanze bei Husten. Mit Mariä Himmelfahrt endet die Phase der Heilkräuterernte. Die Essenz der Kräuter ist nun eingebracht. In der Natur reiften nun Obst und Wildfrüchte heran und werden geerntet und verarbeitet. Wie gut, dass Ökologischer Anbau und der eigene Bio-Garten oder Bio-Balkon uns diese Vielfalt erhalten.

Herzliche Grüße aus dem Grünen
Eure Herbalista

 

Gabriele Leonie Bräutigam

PS: Gerne könnt ihr mir einen Kommentar unter diesem Beitrag hinterlassen. Eure Fragen beantworte ich sehr gerne.

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