Wein Mittelmeer

Wenn wir schon nicht zum Mittelmeer gehen, so heißt es doch in dem bekannten Sprichwort, muss das Mittelmeer stattdessen zu uns kommen. Ja, schön wäre es, aber dafür ist so ein Meer möglicherweise ein bisschen zu unbeweglich. Glücklicherweise besitzt das Mittelmeer allerdings Abgesandte, die von ihm erzählen. Abgesandte, die vom Zirpen der Zikaden berichten, vom Duft der aromatischen Kräuter der Garrigue, vom milden Wind, der durch den Olivenhain streicht.

Drei dieser Abgesandten sind gerade bei mir angekommen. Sie stammen aus drei verschiedenen Ländern und besitzen drei verschiedene Farben – nämlich Rot, Weiß und Rosé. Richtig geraten, es handelt sich um Weine. Das Mittelmeer ist so etwas wie die Wiege der Weinkultur. Zwar ist der Weinbau nicht hier entstanden. Aber so richtig eins geworden mit Kulinarik und Gesellschaft, das ist der Wein erst durch Griechen und Römer, die rund ums Mittelmeer ihre Ideen verbreiteten. Auf also zur (kleinen) Reise in mediterrane Gefilde!

 

La Rioja – Seit Jahrhunderten spanische Weintradition

La Rioja – die berühmteste Weinregion Spaniens. Eigentlich liegt die Rioja ja nicht am Mittelmeer, also überhaupt nicht. Über 400 Kilometer sind es bis dorthin, und nur gut 100 Kilometer in Richtung Norden zum Atlantik. Nur werden die 400 Kilometer bis zum Mittelmeer immer im Tal des Ebro zurückgelegt, während sich auf dem Weg zum Atlantik das Küstengebirge emportürmt. Auf diese Weise kann es hier im Sommer tagsüber mediterran heiß werden – aber nachts auch überraschend kühl. Diese Kombination vorteilhafter Faktoren kannten bereits die Keltiberer, die noch vor den Römern hier Wein anbauten.

Die wichtigste Rebsorte in der Rioja ist der Tempranillo, eine würzige rote Traube, die im Wein Noten von Süßholz und Leder spüren lässt. Um das ein bisschen angenehmer zu gestalten, wird der Tempranillo gern mit Garnacha verschnitten, der stärker kirschfruchtigen Traube, die in Frankreich als Grenache bekannt ist. Traditionell werden die Weine in der Rioja in Holzfässern ausgebaut. Für eine Crianza muss der Wein mindestens ein Jahr im Fass gereift sein.

 

Gaudón Crianza – Beerenfrucht und Grillfreuden

Wein Rioja Gaudon

Ein Neuntöter ist auf dem Etikett abgebildet, Alcaudón auf Spanisch oder eben … „Gaudón“. Vielleicht haben ihn die Weinleute immer am Rand der Felder gesehen, wie er auf einer Strauchspitze saß und in die Landschaft schaute.

In der Nase riecht man viel Beerenfrucht, Brombeere vor allem, dazu ein bisschen Vanille. Letztere stammt vom Holzfass. Wenn man Vanille in einem Wein erschnuppern kann oder Zimt oder auch Grillkohle, dann hat das immer mit dem Ausbau im Holzfass zu tun. Im Mund ist der Gaudón ein schön saftiger Wein. Der relativ hohe Alkohol von 14 vol% wird gut von einer feinen Fruchtsäure im Zaum gehalten. Gerbstoffe sind auch spürbar, die als Antioxidantien bekanntlich das Leben des Weins verlängern. So ein Wein eignet sich am besten als Speisenbegleiter, weil es eben kein reiner Leckerschmecker ist. Klassisch passt natürlich rotes Fleisch besonders gut zu diesen beerigen Noten. Aber gegrillte Aubergine oder auch eine Pizza mit schwarzen Oliven, das funktioniert ebenso.

 

Abruzzen und Marken – Weißweine von der Rückseite des Stiefels

Weiter geht es auf der Rundreise ums Mittelmeer nach Italien. Bella Italia, da denkt doch jede/r gleich automatisch an Wein, oder? Italien ist tatsächlich der größte Weinproduzent der Welt, und in jeder einzelnen der 20 Provinzen wird Wein angebaut. Die Toskana ist vermutlich das bekannteste Weinanbaugebiet Italiens, aber richtig tolle Entdeckungen lassen sich auch auf der Rückseite des Stiefels machen, der Gegend zwischen Adria und Apulien. Zwar ist die Küstenlinie hier meistens sehr flach, aber nur weniger Kilometer landeinwärts erheben sich steile Hügel mit Dörfern, Städten, Feldern, Olivenbäumen und Weinreben, wodurch die Landschaft enorm abwechslungsreich wird. Wir sind in der Region Abruzzen, genauer gesagt in der Provinz Chieti.

Mittelmeer Ratatouille

„Pecorino“ steht auf der Flasche, die ich im denn’s-Markt gekauft habe. Aber ist das denn nicht ein Käse? Ja, ein Schafskäse, denn „pecora“ heißt Schaf auf Italienisch. Tatsächlich wurde die uralte Rebsorte Pecorino ursprünglich auch oben in den Bergen angebaut, wo die Schafe – einer lokalen Legende nach – genau diese Trauben besonders gern fraßen. Über die Jahrhunderte geriet der Pecorino (also die Rebsorte) immer mehr in Vergessenheit und wurde erst in den letzten Jahren wiederentdeckt. Mittlerweile gibt es sogar einen kleinen Boom, denn die alte Rebsorte ist robust gegen Krankheiten (das ist wichtig im Bio-Weinbau) und besitzt eine feine Säure und gute Frucht, um allerlei lokale Speisen hervorragend zu begleiten.

 

Marabelle Pecorino – Feine Noten für Gemüsiges vom Mittelmeer

Wein Italien Marabelle

Auch hier ist ein Vogel auf dem Etikett, wenn auch weniger prominent platziert. „Marabelle“, die Marmorierte, gleichzeitig der Name des Weins, ist nämlich der Spitzname für die Elster in Italien. Bereits der zweite Wein mit einem Vogelnamen, kann das Zufall sein? Ja, das kann es. Aber zweifellos eignen sich Weine aus biologischem oder (wie in diesem Fall) biodynamischem Anbau besser dafür, mit Dingen aus der Natur in Verbindung gebracht zu werden.

Der Pecorino duftet ein bisschen floral und ein bisschen birnig, durchaus angenehm und nicht vordrängend. Im Mund denke ich spontan an einen Weißburgunder mit schöner Pikanz, aber an einen Weißburgunder ohne Süße und Schwerfälligkeit. Das ist tatsächlich ein enorm vielseitiger Weißwein, der sogar mit so schwierigen Geschmäckern wie Artischocke zurechtkommen kann. Pasta mit heller Sauce, vielleicht mit Pilzen dazu, das wäre auch eine gute Idee.

 

Languedoc – Frankreichs Süden für alle

Letzte Etappe unserer Mittelmeerreise. Frankreich, Südfrankreich, natürlich, das muss auf jeden Fall sein. Die Franzosen gelten ja als die Erfinder des Roséweins, auch wenn die genauen Umstände weiterhin im Dunkeln liegen. Roséwein entsteht übrigens nicht, indem weiße und rote Trauben gemeinsam in die Presse gegeben werden. Stattdessen werden rote Trauben entweder nur ganz sanft sofort abgepresst, bevor die rote Farbe zu stark aus den Schalen in den Saft kommen kann. Oder man presst die Trauben erst gar nicht und verwendet nur den direkt abfließenden (rosafarbenen) Saft.

Restaurant Nimes

Das Château de Nages befindet sich nicht weit vor den Toren der Stadt Nîmes entfernt am nördlichen Rand des Languedoc. Nîmes ist übrigens nicht nur für sein römisches Amphitheater bekannt, sondern auch ein Ort, in dem man richtig gut, lokal und bewusst essen kann. Auf dem Foto sitze ich in freudiger Erwartung in einem der vielen netten Bistrots in der Altstadt.

 

libertyNages – Rosé für die Terrasse

Wein Mittelmeer Rosé libertyNages

Der Rosé der Familie Gassier besteht aus drei roten Rebsorten, nämlich Grenache (kennen wir schon aus dem Rioja), Syrah und Merlot. Auf dem Etikett sehen wir eine junge Frau, die offensichtlich von zwei engelsgleichen Rosé-Flügeln aus ihren Büroschuhen emporgehoben wird. So soll es sein, denn tatsächlich ist der libertyNages mit seinen 12,5 vol% Alkohol ein relativ leichter Wein.

Ganz zart lachsrosa fließt der Wein ins Glas. Die Winzer der Provence hatten als erste festgestellt, dass Kund/innen am liebsten zu hellfarbigem Rosé greifen, weil diese Farbe mehr Frische und Leichtigkeit verspricht. Manchmal versteckt sich hinter der blassen Fassade jedoch ein ganz schöner Brummer – aber nicht in diesem Fall. Der libertyNages ist tatsächlich auch im Geschmack federleicht. Ein bisschen Erdbeere spüre ich, dazu viel rote Johannisbeeren, weißfleischigen Weinbergpfirsich und viel Frische. Das ist ein Rose, der nicht stark würzig oder kompliziert daherkommt, sondern tatsächlich ganz für sich solo auf der Terrasse getrunken werden kann. Interessanterweise eignet er sich in seinem leichten und sanften Fluss ebenso gut als Begleitung von mediterran-Scharfem mit Peperoni. Und huch, da ist das Glas schon leer!

 

Das Mittelmeer im Glas

Damit sind wir am Ende der Weinreise rund ums Mittelmeer angekommen. Ein bisschen Licht, Leichtigkeit und Sommerfeeling hat sie mit sich gebracht. Jedenfalls hatte ich beim Schreiben diesen Eindruck. Hoffen wir trotzdem, dass der Sommer dieses Jahr nicht ganz so heiß und stickig wird, wie das letztes Jahr der Fall war. Denn eigentlich träume ich am allerliebsten vom Süden, von mediterranen Landschaften und aromatischen Weinen, wenn ich bei 20 Grad im Gartenhaus sitze und den Amseln auf dem feuchten Rasen zuschaue…

Markt Südfrankreich