Fair Naturkosmetik Siegel

 

Die bekanntesten fair gehandelten Lebensmittel dürften Kaffee, Bananen und Schokolade sein. Doch wie sieht es eigentlich im Bereich der Kosmetik aus: Ist Naturkosmetik auch fair? Und was bedeutet fair überhaupt?

Was man unter fair versteht

Leider ist der Begriff „fair“ – ähnlich wie die Bezeichnung „Naturkosmetik“ – nicht gesetzlich geschützt. Siegel wie Fairtrade, Fair for Life, Naturland fair oder Gepa fair+ haben ihre eigenen Kriterien aufgestellt. Diese bewerten, wie sozialverträglich ein Produkt hergestellt wurde. Faire Entlohnung der Bauern, geregelte Arbeitszeiten und das Verbot von Ausbeutung stehen hierbei im Mittelpunkt. Auch der Handel muss unter fairen Bedingungen ablaufen: Die Produzenten erhalten einen zugesicherten Mindestpreis, der unabhängig von den Schwankungen des Weltmarktpreises ist – und damit ein verlässliches Einkommen bietet. Ökologische Landwirtschaft ist nicht vorgeschrieben, wird jedoch gefördert. Zum größten Teil stammen diese fairen Produkte und Rohstoffe aus Entwicklungs- und Schwellenländern, die in die Industrieländer exportiert werden.

 

Faire Kosmetik

Auch Kosmetik kann als fair zertifiziert werden: Um das Siegel von Fairtrade zu erhalten, müssen darin so viele Fairtrade-Inhaltsstoffe wie möglich verwendet werden. Mindestens 2 % an fair zertifizierten Rohstoffen müssen in Produkten, die wieder abgewaschen werden, eingesetzt werden. Bei den auf der Haut verbleibenden Produkten sind es 5%. Das hört sich nicht viel an, ist aber realistisch: Die meisten Kosmetikprodukte bestehen zum größten Teil aus Wasser, das nun mal nicht fair zertifiziert werden kann (z.B. bei Duschgels, Shampoos oder Bodylotions). Leider bedeutet faire Kosmetik nicht, dass es sich dabei immer um Naturkosmetik handelt. Auch wenn die Fair Trade-Siegel den Öko-Landbau fördern, ist es kein zwingendes Kriterium. So können sich beispielsweise in fairer Kosmetik durchaus auch synthetische Duftstoffe befinden.

 

Naturkosmetik = fair?

Umgekehrt kann man sich nun die Frage stellen, ob denn Naturkosmetik auch fair ist? Bislang sind nur wenige Kosmetikprodukte fair zertifiziert. Dies hat die unterschiedlichsten Gründe: Anders als Kaffee oder Bananen setzen sich Cremes oder Duschgels aus sehr vielen Komponenten zusammen, die oft auch stark weiter verarbeitet sind. Es dürfte z.B. kaum möglich sein, einen fair zertifizierten Emulgator oder faire Tenside zu finden. Etwas einfacher ist es bei pflanzlichen Ölen wie Sheabutter oder Kokosöl, die im globalen Süden angebaut werden – sie müssen dann allerdings in ausreichender Menge zur Verfügung stehen.

Aus diesem Grund haben einige Naturkosmetik-Firmen wie Weleda, Dr. Hauschka oder Primavera eigene Anbau-Projekte initiiert. Dabei spielen nicht nur die ökologische Landwirtschaft, sondern auch eine nachhaltige und soziale Entwicklung vor Ort eine große Rolle. Kleinbäuerliche Strukturen werden unterstützt, eine langfristige Partnerschaft sorgt für Verlässlichkeit und die Produzenten werden deutlich besser als von konventionellen Firmen bezahlt. Manche der Anbau-Projekte, wie z.B. das Macadamianuss-Projekt von Dr. Hauschka, sind auch Fair for Life-zertifiziert. Über Anbau-Projekte von Naturkosmetik-Firmen habe ich bereits im verlinkten Blogpost geschrieben.

In der Philosophie vieler Naturkosmetik-Firmen ist die Beachtung der gesamten Wertschöpfungskette – vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt – verankert. Selbstverständlich fließen hier auch soziale Kriterien ein: Nachhaltigkeit und Fairness hängen eng zusammen. Ich gehe davon aus, dass das Thema ‚fair‘ zukünftig an Bedeutung gewinnen wird und es mehr fair zertifizierte Naturkosmetik geben wird.

 

Naturkosmetik-Siegel

Wenn man nun auf Naturkosmetik setzen möchte, kann man sich an den bekannten Naturkosmetik-Siegeln von Natrue, Cosmos oder Demeter (und auch bisher weniger weit verbreitete Label wie z.B. ICADA) orientieren. Sie helfen immer dann weiter, wenn man nicht mühsam eine INCI-Deklaration entziffern möchte. Diese Siegel regeln nicht nur Verwendung von bestimmten Inhaltsstoffen, sondern haben auch Vorschriften für die Verpackungen in ihrem Kriterienkatalog. Ihr seht die drei Siegel von Cosmos, Demeter und Natrue oben auf dem Foto.

  • Da es keine gesetzlichen Regelungen für Naturkosmetik gibt, hat die Naturkosmetikbranche unter dem Dach des Verbands BDIH bereits vor über 20 Jahren einen Standard für Naturkosmetik entwickelt: Mittlerweile hat sich das Siegel mit anderen internationalen Siegeln unter dem Namen Cosmos zusammengeschlossen. Je nach Höhe des Anteils der eingesetzten Rohstoffe aus Bio-Anbau im jeweiligen Produkt werden die Siegel ‚Cosmos Natural‘ und ‚Cosmos Organic‘ vergeben.
  • Natrue ist ein weiteres, renommiertes Siegel für Naturkosmetik. Es wurde 2007 gegründet, um Naturkosmetik von naturnaher oder grüngewaschener Kosmetik zu unterscheiden: Ein Granatapfel-Extrakt aus Bio-Anbau allein macht eben noch keine Naturkosmetik aus! Für die zertifizierten Produkte werden drei Stufen unterschieden: Naturkosmetik, Naturkosmetik mit Bio-Anteil und Bio-Kosmetik.
  • Vor einigen Wochen habe ich euch hier auf dem Bio-Blog bereits das Demeter-Label für Naturkosmetik vorgestellt, das als eines der strengsten Siegel für Naturkosmetik gilt. Mindestens 90% der pflanzlichen Bestandteile müssen aus kontrolliert biologisch-dynamischen Demeter-Anbau stammen (in Ausnahmefällen auch ab 66%). Die restlichen Inhaltsstoffe müssen aus Bio-Anbau kommen; ausgenommen sind natürlich Rohstoffe wie Wasser oder Mineralien.

Es lohnt sich also, beim Einkaufen von Kosmetik genauer hinzusehen! Oft informiere ich mich auch auf der Homepage von Naturkosmetik-Firmen, welche Anbau-Projekte sie für ihre Rohstoffe unterstützen.